Konsuminfarkt.

Sehr geehrter Kunde, wir öffnen Kasse Drei für Sie,
reduziert, vom Umtausch ausgeschlossen, also Tschüss bis nie,
ganz kleine Scheiße zum ganz großen Preis,
die Firma Schlecht und Teuer dankt: „Willkomm’ in unserem Kreis“,
zuerst hab ich gedacht, dass ich das gar nicht brauch’,
aber dann hab ich zur Sicherheit noch ‘n zweites mitgenomm’,
und wer weiß, was morgen ist, so billig kommen wir nicht mehr zusamm’,
was man hat, das hat man und nur so lässt sich entspann’.

Das ist ein Ausschnitt aus einem Lied was mir gerade bei dem Thema, dass ich anschneiden möchte, eingefallen ist. Ich habe bereits über die heutige Zeit geschrieben, in der nur noch gekauft und nicht mehr repariert wird. Man weiß nichts mehr zu schätzen und alles ist in irgendeiner Form ersätzlich. Daher habe ich den Faden mal weiter gesponnen und darüber nachgedacht, was dieses Denken für weitere Konsequenzen hat. Es ist ja nicht nur so, dass sich die Lebenseinstellung der Menschen unserer Gesellschaft verändert. Einen Einfluss hat dieses Denken auch auf die Wirtschaft, denn die ganzen Angebote von beispielsweise Primark, wo die meisten Kleidungsstücke unter 10 Euro kosten, entstehen ja nicht irgendwie. Es kommt zu Outsourcing, der Billigproduktion in Ländern, in denen Kinderarbeit Alltag ist, wo die Arbeit eines ganzen Tages 2 Euro wert sind.

Die Menschen die in diesen Ländern leben, besitzen gar nichts und leben am Existenzminimum. Sie können nichts daran ändern, dass schon ihre Kinder mit 5 Jahren arbeiten gehen müssen, und dass dies teilweise lebensgefährlich ist, denn wenn sie nichts zu essen bekommen, weil kein Geld vorhanden ist, müssen sie auch sterben. Es geht nicht darum wenig Geld zu haben, es geht dort jeden Tag um das Überleben. Und wenn man genauer darüber nachdenkt merkt man, dass das im Prinzip alles „unsere“ Schuld ist. Es ist die Schuld von denjenigen, die diese zahlreichen Marken mit ihren Billigpreisen unterstützen. Ich möchte mich nicht als Moralapostel aufspielen, denn auch ich habe bereits bei H&M gekauft, wenn das Taschengeld knapp war. Allerdings ist es wichtig sich bewusst zu werden, was es für diese Menschen bedeutet.

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11 Kommentare zu „Konsuminfarkt.

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  1. Ja, darüber habe ich auch schon gebloggt. Es macht mich immer so wütend. Dabei gäbe es genug Alternativen. Und wer wenig Geld hat, kann im Brockenhaus fast neue Kleider kaufen. Immer auch gute Sachen.
    Wegwerfen ist dekadent.
    Danke für deine Zeilen!

  2. Absolut richtiger Hinweis. Repariert wird nicht mehr, sondern neu angeschafft. Und sei es der Partner. Wir fokussieren uns immer mehr auf uns selbst und das Leid anderer Menschen, es erscheint uns zu weit entfernt, um es wahrzunehmen. Zumal wir es ja nur hören und sehen können, weil schon jemand für das Gerät litt, mit dem wir es herausfinden. Zumindest die Smartphones und Tablets werden ja ebenfalls unter Umständen gefertigt, unter denen man in Deutschland niemals arbeiten würde. Wir meinen, dass wir die Sklaverei abgeschafft hätten, aber die Realität sieht so aus, dass wir sie einfach ausgelagert haben. Früher teilte man zumindest das Grundstück und auch das eigene Essen noch mit denen, die man unter sich stellte, mittlerweile beraubt man die Menschen nicht nur ihren Rechten, sondern auch ihren Grundlagen und gibt ihnen aufgrund der Entfernung nicht einmal die Möglichkeit, dagegen zu protestieren.

  3. Man braucht sich ja nur einmal vorzunehmen, sich sechs Monate lang NICHTS ( und damit meine ich wirklich nichts) Neues zum Anziehen zu kaufen. In der Regel ist das einfach zu bewerkstelligen, weil der Kleiderschrank eh voll genug ist.
    Ich fürchte aber, dass es einige gibt, die das trotzdem nicht schaffen.
    LG von Rosie
    P.S. Ich habs selbst ausprobiert und es ist mir gelungen.

  4. Danke für den Beitrag, dem ich nichts hinzuzufügen habe. Außer einem Boykott gegenüber gewissen Anbietern bleibt dem Konsumenten auch nicht viel Handlungsspielraum.

  5. Guter Post. Freue mich, dass offenbar (zumindest mein Eindruck) sich mehr und mehr Menschen Gedanken darüber machen, ob Kaufen nur ‚leider geil‘ oder schon auch manchmal Unfug ist, um Bedürfnisse in uns zu befriedigen.
    Hab neulich eine Klausurtagung in unserem Wohnprojekte erlebt, wo wir uns ein Wochenende lang ganz gezielt mit Konsum/Nutzung/Verbrauch und unserem eigenen Verhalten in diesen Punkten befasst haben. Das war sehr erhellend, auch, was z.B. so sensible Fragen wie Angst vor Mangel und die Entspannung solcher Gefühle betrifft.
    Beim bewussten Kaufen und bewussten Nicht-Kaufen lerne ich was über mich selbst. 🙂
    Danke für deinen guten Post.

  6. Mit Interesse habe ich deine Gedanken zum Thema Verantwortung beim Konsumieren gelesen. Ich finde gut, dass du dich mit diesem bedeutenden und vielseitigen Thema auseinandersetzt und dadurch mehr fuer das Thema sensibilisierst.

    Ich frage mich allerdings, ob die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter in der Dritten Welt wirklich von uns – in unserer Rolle als Verbraucher – nachhaltig beeinflusst werden koennen und demnach in unserer Verantwortung liegen. Beim Lesen musste ich an einen Beitrag denken, den ich selber zu diesem Thema vor einigen Tagen geschrieben habe: https://entirelysuperficial.wordpress.com/2015/02/05/verantwortung/

    Kurz zusammengefasst: Ich glaube, dass es in erster Linie die Verantwortung der jeweiligen Konzerne ist, wie diese ihre Mitarbeiter bzw. Zulieferer behandeln. Nichtsdestotrotz bin auch ich der Ansicht, dass die bewussten und nachhaltigen Entscheidungen des Einzelnen das Potenzial zu Veraenderungen besitzen.

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