Vorurteile – Verschenkte Lebensqualität?

Wegen der kürzlichen Aussagen des FBI-Chefs James Comey, ist es mir wichtig einen Beitrag zum Thema „Vorurteile“ zu schreiben. Comey gab in einer Rede an, dass viele Polizisten in Amerika Vorurteile gegenüber dunkelhäutigen Menschen hätten, was vor allem mit der starken Straßenkriminalität zusammenhänge. Nach einer langjährigen Berufstätigkeit, sei es also demnach fast berechtigt, voreingenommen zu sein. Zudem versucht er sich noch während derselben Rede von rassistischem Gedankengut zu distanzieren, was ihm jedoch meiner Meinung nach nicht komplett gelingt.

Um dieses Thema vorsichtig anzuschneiden muss man zuerst darüber nachdenken, woher eine eventuell höhere Kriminalitätsrate bei Afroamerikanern stammen kann. Außerdem kann es einen Zusammenhang zwischen der starken Armut und der höheren Anzahl krimineller Handlungen geben, da die Täter häufig aus verarmten Bevölkerungsschichten stammen. Blog vorurteile

Was ich damit sagen möchte ist, dass es nie gerechtfertigt ist Vorurteile oder Intoleranz gegenüber einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, Sexualität, Religion oder sozialen Schicht zu besitzen. Man kann auf keinen Fall alle Menschen, die einer Gruppe angehören „in denselben Topf stecken“. Den Menschen in meinem Studiengang (BWL) wird nachgesagt, dass sie alle mit Hornbrille, Büchern unter dem Arm und Cordhose herumlaufen – das typische Bild eines BWL-ers eben. Allerdings bin ich an der Hochschule noch niemandem begegnet, der dieses Bild erfüllt.

Genauso wenig können alle Afroamerikaner gleich oder eben gleich kriminell sein. Wenn man konsequent mit dieser ausländerfeindlichen Meinung leben möchte, so müsste man auf Dinge, wie verschiedene Essensgerichte (Döner, Pizza, Spaghetti, Burger,…) genauso sehr wie auf verschiedene Musikrichtungen und Internetseiten verzichtet werden. Tausende Geräte und Kleidungsstücke könnten nicht mehr gekauft werden, da sie im Ausland produziert werden. Das bedeutet: ein Leben ohne Toleranz = starke Einschränkung des gesamten Lebens.

13 Kommentare zu „Vorurteile – Verschenkte Lebensqualität?

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  1. Liebe Sophie!
    Deine Beiträge inspirieren mich jedes mal aufs neue! Dur schreibst über so wichtige Dinge des Lebens, welchen durchaus Raum für Diskussion gegeben werden muss, sodass ich mir oft mit meinen Themen belangenlos fühle.
    Ich bin sehr froh, dass ich auf deinen Kanal gestoßen bin!
    Danke!
    Annemarie

    1. Das stößt den Gedanken an, wieso Menschen überhaupt kriminell werden, nicht? Ich würde ja sagen, dass es am unfairen/ungleichen System liegt. Sowohl ungerechte Behandlung von Randgruppen oder Minderheiten als auch extremen Unterschieden zwischen arm und reich usw. Je besser das Leben von jemandem ist und je gefestigter er in der Gesellschaft lebt, desto weniger Grund hat er, kriminell zu werden. (Zumindest, wenn man nicht grade Mr.Ober-Gierschlund ist) Das Amerikaner generell ziemlich viele Vorurteile haben ist nichts neues. Bedenkt man aber, woher sie kommen, muss man sich ziemlich darüber wundern. Ich gebe dir Recht: Vorurteile verbauen einem allerhand. Es ist nur schwer, keine zu haben. Dafür werden wir zu früh damit in Kontakt gebracht. Wenn man jedoch als Polizist oder sonstiger Beamter tätig ist, sollte man absolut keine rassistischen Ambitionen haben…es darf keinen Unterschied machen, welche Hautfarbe jemand hat. Man ist für alle Bürger gleichermaßen verantwortlich. Leider sieht die Realität anders aus.

      1. „Das Amerikaner generell ziemlich viele Vorurteile haben ist nichts neues“ – klingt stark nach einem eigenen Vorurteil!

        Ansonsten gebe ich dir in weiten Teilen recht und auch wenn ich der Meinung bin, dass Kriminalität noch viele weitere Ursachen haben kann und hat, spielen Ungleichheiten sicher eine elementare Rolle.

      2. Da gebe ich dir Recht – zugrunde liegt dem allerdings, dass es seit Langem immer wieder Interviews und Berichte im Fernsehen gab, wo eben amerikanische Bürger und Polizisten solche Aussagen getroffen haben. Natürlich trifft das nicht auf 100% der Bevölkerung zu – aber in den letzten Monaten gab es immer wieder Skandale, in denen „weisse“ Cops „schwarze“ Kriminelle erschossen/misshandelt usw haben, wo dann die Aussage getroffen wurde, dass sie „gegen diese Menschen“ hart vorgehen müssen. Vergleichsweise: weisse Straftäter werden weniger misstrauisch behandelt. (Abgesehen davon sieht man an Umfragen, welches Bild Amerikaner vom Rest der Welt haben. Deutsche tragen z.B immer Lederhosen und trinken immer Bier!)
        Wie gesagt – Die eigene Meinung bildet sich aus dem, was man hört, sieht, liest und sonst auf einen einströmt – da ist es schwer, keine Vorurteile zu haben. Vor allem, wenn man sie ständig bestätigt sieht.

  2. Das wird ein Grund sein für die mögliche Registrierung höherer Kriminalitätsrate sein zumal Afroamerikaner per se benachteiligt werden. Armut, geringere Aufstiegsmöglichkeiten, ausser im Sport. Große Bevölkerungsgruppen leben in Gettos. Und bei Versicherungsfällen ist dies u.a nicht vorteilhaft. .. Vor einigen Jahrzehnten gab es strikte Trennungen u.a in Bussen und auf Parkbänken (nur für Weiße)… Ein System baut auf Vorurteile, um Machtstrukturen zu erhalten. Hier in Deutschland das Lohngefälle Ost – West. Wäre doch blöd, wenn der „gemeine Pöbel“ sich einig wäre und gemeinsam Missstände bekämpfen würde.

  3. Interessanter Post! Ich kenne die Ausländer-Thematik nur zu gut: ich bin mit zwei Nationalitäten aufgewachsen, und musste mich als Kind schon rechtfertigen. Und das, nur weil andere Menschen Vorurteile haben. Und ich bin auch nicht die typische BWL-Studentin, und aus meinem Studiengang läuft auch niemand so rum. Eher im Gegenteil 🙂

  4. Hi Sophie, Nagel auf den Kopf getroffen. Ich bin auch BWLer, der eigentlich keiner sein sollte. Mein Migrationshintergrund, meine Umwelt und vieles mehr, hätten mich nach Aussage vieler disqualifizieren sollen. Jetzt schau mich an: Diplom in der Tasche, erfolgreich bei der Arbeit und kaum ein Vorurteil trifft zu. 🙂 Die Wahrheit liegt wohl im Detail.
    Weiter so!
    Beste Grüsse
    Coach Al

  5. Du hast Recht: Es gibt Vorurteile und es gibt Ressentiments …

    Manche sind dumm. Andere durchaus berechtigt. Aus unseren Erfahrungen leiten wir große Teile unserer Klischees ab. Keine Panik! Klischees sind eine gute Sache. Ohne sie wären wir nicht überlebensfähig. Wir müssten sonst jede Situation jedes Mal neu beurteilen. Und während wir das machen – werden wir z. B. überfahren usw. Unschön, dumm und zuweilen tödlich …

    Aber in diesem Fall liegen Lebenserfahrungen der Polizisten zugrunde. Und diese decken sich dummerweise mit den Ressentiments und Vorurteilen, die viele Menschen haben … Das Fatale daran ist, dass sie denen – die schon immer diese Vorurteile hatten – Recht geben!

    In dem Fall kann man aber nicht von Vorurteilen sprechen. Es gibt in den USA sicherlich signifikante statistische Belege dafür, dass die Kriminalitätsraten in best. Bevölkerungsgruppen deutlich höher sind als in vglb. anderen Gruppen. Die logische Konsequenz aus diesem Wissen: Polizisten haben eine berechtigte Skepsis gegen diese Gruppen. Durchaus sinnvoll, denn das kann ihnen das Leben retten.

    Aber warum muss man erst einmal darüber nachdenken warum das so ist? In Deutschland gibt es auch eine große Unterschicht, da ist die Kriminalitätsrate ein wenig höher – als im Durchschnitt – denke ich. Es ist offensichtlich, dass es z. T. an fehlender Bildung liegt. Aber das kann man doch nicht ewig als Entschuldigung anführen.

    Ich bekomme eine Minirente, die deutlich unter der offiziellen Armutsgrenze in Deutschland liegt, von der ich kaum Leben kann. Ich gehe ja auch nicht deswegen klauen! Oder wäre das Deiner Meinung nach eine Legitimation für mich, wenn ich es täte?

    Eine Rechtfertigung in Armut suchen und begründen – das wäre genau so rassistisch … Denn das trifft i. d. R. auch wieder verstärkt auf bestimmte Bevölkerungsgruppen zu und ist allemal keine Legitimation für Straf- und Gewalttaten.

    Deshalb kann man trotzdem noch in aller Ruhe seinen Döner Essen, Jeans tragen und muss nicht gleich wie ein Hoschi rummrennen …

    Es gibt Ethnien , die eher zur Gewalt neigen als andere. Das ist kein Vorurteil, das ist Realität. Das Gleiche gilt für Bandenkriminalität, organisiertes Verbrechen, usw.

    Und das Wissen darum, was kausal dafür verantwortlich ist, hilft auch nicht weiter.

    Also: Lass Dir Deinen Döner ruhig schmecken.

    Was ich viel skandalöser finde ist die Tatsache, dass in den USA überproportional viel „Schwarze“ hingerichtet werden. Dagegen sind „Vorurteile“ ein Kindergeburtstag!

    LG

    Sandra

    1. In den USA wird Kriminalität genau so häufig von Schwarzen wie von Weißen ausgeübt. Die absolute Anzahl von Verbrechern/Verbrechen ist also etwa gleich hoch. Allerdings liegt der Bevölkerungsanteil der Afroamerikaner nur bei ca. 12%. Ähnliche Verhältnisse gibt es bei den spanisch sprechenden Bevölkerungsgruppen (Latinos). Es gibt also eine statistisch belegte Tatsache, die mit der „allgemeinen Wahrnehmung“ und den Vorurteilen der Bürger übereinzustimmen scheint. Dazu braucht man sich nur die Statistiken des Uniform Crime Reporting des FBI anzusehen. Die Daten sind frei aufrufbar und viel detaillierter als die der „polizeilichen Kriminalstatistik“, die uns vom BKA zur Verfügung gestellt werden.

      Dazu kommt eine ausufernde Gang-Kriminalität, wie es sie in Deutschland überhaupt nicht gibt. Gegen Gangs wie MS-13, Tango Blast, Bloods, Crips, etc. ist das mehr oder weniger organisierte Verbrechen in Deutschland regelrecht handzahm. http://en.wikipedia.org/wiki/Gangs_in_the_United_States

      „Das Vorurteil ist einer der größten Schurken in der Besetzungsliste der Geschichte. Es benutzt die blanke Unkenntnis als Waffe.“
      ―Peter Ustinov

      … beschäftigt man sich ein bisschen mit den Zahlen kann es durchaus vorkommen, daß sich Vorurteile bestätigen – was aber noch lange nichts über die Gründe aussagt, die sehr komplex sein können, weswegen man dann gerne vereinfacht und pauschalisiert.

  6. Liebe Sophie,

    auch ich habe darüber in den Tageszeitungen gelesen und mir meine Gedanken gemacht. Ich frage mich, ob die Vokabel „Vorurteil“ in dem Zusammenhang das Phänomen richtig beschreibt. Denn die gewachsene Einstellung der Polizisten rührt aus ihren Erfahrungen im Alltag. Und dann bildet man sich ein Urteil. Im Deutschen gibt es die Sprichworte: „Durch Schaden wird man klug“ oder „Gebranntes Kind scheut das Feuer“. Und aus diesen negativen Erfahrung ergibt sich in Folge dann ein bestimmtes Verhaltensmuster. Das ist menschlich.

    Zur erhöhten Kriminalität der Afroamerikaner in den USA: Das wird von uns gerne mit deren Sozialisation und Spätfolgen der Rassentrennung erklärt. Dahinter steckt die an sich lobenswerte Grundeinstellung, daß kein Mensch von Natur aus „böse“ ist, sondern daß seine geistig-moralische Befindlichkeit stets das Ergebnis von Erziehung und Umwelt sei. Indessen zeigt schon die Beobachtung, daß es selbst unter Geschwistern in einer Familie immer mal „schwarze Schafe“ gibt.

    Sandra schreibt in ihrem Kommentar: „Es gibt Ethnien , die eher zur Gewalt neigen als andere. Das ist kein Vorurteil, das ist Realität.“ Eine solche Aussage gilt hierzulande als politisch unkorrekt. Ein anderes Beispiel: Die Republik Südafrika, die ich kürzlich bereist habe: Seit Ende der Apartheid im Jahre 1992 sind dort über vierhunderttausend Menschen durch Mord und Totschlag umgebracht worden. Dabei herrschen dort weder Bürgerkriege, noch gibt es nennenswerte Drogenkartelle oder Bandenkriege wie etwa in Mittelamerika. Das Risiko, in Südafrika Opfer einer Gewalttat zu werden, ist gegenüber ähnlich entwickelten Staaten zwanzigmal so hoch. Jede vierte Frau wird Opfer einer Vergewaltigung. Und dabei haben, im Gegensatz zu USA , in Politik und Polizeiapparat die Schwarzafrikaner das Sagen. Zudem gibt dort ein gut ausgebautes Sozial-, Gesundheits- und Schulsystem. Deswegen ist die Republik Südafrika, ähnlich wie wir, auch begehrtes Ziel von Armutsflüchtlingen aus angrenzenden Ländern.

    Ich selbst habe in Südafrika fast nur gute Erfahrungen gemacht: Freundlich winkende Kinder, Frauen, die auch bei der Arbeit fröhliche Lieder sangen, ausgesuchte Höflichkeit in Hotels, Restaurants, Behörden usw. Die Polizisten, die mir begegneten, waren ausnahmslos Schwarze und stets korrekt. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren; jeder Mensch ist individuell. Aber wir müssen lernen, daß unsere gewohnten zivilisierten Maßstäbe nicht überall passen. Und uns selber vor vorschnellen Urteilen und einfachen Erklärungen hüten.

    Herzliche Grüße

    Bernd

  7. Vorurteile – Verschenkte Lebensqualität?
    Kann man so sagen.
    Oder aber:
    Es ist schwer sich von der Sklaverei der Vorurteile gefesselten Gedanken zu befreien.

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