Perspektivwechsel

Gerade in Gedanken an das Studium fällt mir eine Sache auf, die mir schon früher auffallen sollte. Ich weiß nicht woran es liegt, dass Menschen sich in neuen Lebensphasen verändern, aber vor allen Dingen beim Übergang von Schule zu Studium ist mir dieser Wandel besonders bewusst geworden. In der Schule (besonders zum Abi hin) war es immer so, dass jeder für sich selbst und seine eigenen Noten – seine Zukunft – eingesetzt hat und Mitschüler nicht wirklich wichtig waren. Zwar wurde ich von meinen engen Freunden immer unterstützt, vor allem wenn es mir schlecht ging, aber in schwierigen Phasen wird immer sichtbar, wer ein echter Freund ist und wem man egal ist.

Im Studium fällt mir mittlerweile etwas Anderes auf. Je schneller es auf die Semesterprüfungen zu ging, umso stärker wurde unser Zusammenhalt. Mein Post „Falsche Freunde“ ist gar nicht so lange her und es hat sich extrem viel verändert. Ich denke, dass es vielleicht die Tatsache ist, dass wir erwachsener werden oder es ist einfach ein bisschen mehr Lebenserfahrung, die dazu beiträgt, dass wir uns gegenseitig unterstützen und zusammen lernen. Man könnte einfach seine eigenen Vorteile ausspielen, stattdessen haben diejenigen, die ein Fach besonders gut konnten den Anderen geholfen.

Das ist in unserer heutigen Ellenbogengesellschaft nicht unbedingt selbstverständlich. Jeder kämpft für den eigenen Vorteil und es gibt nur wenige Ausnahmen. Jeder möchte aus seinem eigenen Leben das Beste herausholen und Karriere machen, Geld verdienen, erfolgreich sein. Mit viel Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen kann das heutzutage ja auch fast jeder schaffen. Was macht das aus uns?

Meiner Meinung nach gibt es viele hinterlistige Menschen, die nicht sofort zeigen, wer sie sind und welche Absichten sie in ihrer Freundschaft haben. Ob sie es letztendlich ernst meinen, merkt man leider erst im Nachhinein. Wenn ich über solche Probleme nachdenke frage ich mich immer, was man selbst tun kann, um dagegen anzukommen und ich glaube, dass das Einzige, was man tun kann kindlicher werden ist.

WARUM? Ganz einfach: Kinder lieben jeden, der nett ist. Im Kindergarten hat man mit jedem gespielt, egal welche Klamotten er getragen hat, woher er kam oder welches Umfeld er hatte. Es ging nur darum, eine gute Zeit zu haben. Es hat niemanden interessiert, was andere denken. Außerdem sagen Kinder gerade heraus, was sie denken – es gibt keine Heuchlerei, keine Arroganz und Selbstmitleid. Nur Spaß.

24 Kommentare zu „Perspektivwechsel

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  1. Älter werden relativiert einiges 😊 Werte scheinen sich auch immer mehr zu ändern. Merke das bei meinen mit 40ern ganz krass. Karriere ist bei vielen völlig out, man hat die Schnauze gestrichen voll von dem Leistungszwang. Zum Glück!

  2. Interessanter Gedanke, vor allem die Schlussfolgerung. Muss ja was dran sein, denn auch Grönemeyer sang schon: „Kinder an dich Macht“. Deine Zeilen haben mich gerade wieder daran erinnert, und das aus eben dieser Perspektive sehen lassen.
    LG, Eberhard

  3. Ja nu, da möchte ich eigentlich sagen, das Leben ist kein Ponyhof:)
    Das wäre vielleicht etwas verkürzt, aber doch passend. Denn was ich aus deinem Post herauslese, ist eine gewisse Unzufriedenheit mit deinem jetzigen Leben und der daraus resultierenden Sehnsucht nach vermeintlich „besseren“ vergangenen Zeiten. Aber diese Zeiten sind vergangen und auch wenn es sich platt anhört, Leben heisst Veränderung, in Zeit und Raum. Fortschritt im wahrsten Sinn des Wortes. Was ich mitnehme sind all die guten und auch einige schlechte Erinnerungen, denn Früher war eben nicht alles besser, nur früher. Mit viel viel Glück überdauern auch Freundschaften den Weg zum Erwachsen werden. Leider ist das aber oft nicht der Fall.

    Und Überraschung, Überraschung:) Auch wenn ich erwachsen bin, kann ich immer noch sagen was ich denke. Mich vielleicht etwas gewählter ausdrücken, schon. Allerdings muss auch dazu stehen, die Verantwortung übernehmen, genauso für das was ich tue, oder nicht tue.
    Wichtig ist es, sich selbst treu zu bleiben. Das ist nicht einfach, kostet viel Kraft und kann manchmal auch sehr weh tun.
    Aber es hilft ungemein, alle möglichen Klippen zu umschiffen.
    lg
    Nat

  4. Ich finde, dass man im Studium anderen hilft, ist normal. Ich kenne es gar nicht anders. Es geht ja auch noch gar nicht darum, andere auszustechen um selber besser dazustehen. Was ich gelernt habe ist, dass es gerade egal ist was andere über mich denken. Meine Freunde nehmen mich so, wie ich bin. Die habe ich (fast) alle an der Uni kennengelernt und habe trotz Studiengangwechsel noch engen Kontakt mit ihnen. Anders als mein Jahrgang in der Schule. Der hatte da seine Probleme mit mir und das ich tue was ich für richtig halte und mir egal ist, was sie über mich denken. Aber von 85 Mitabiturienten habe ich noch zu zwei Kontakt. Der Rest kann gerne dahin wo der Pfeffer wächst.

  5. Klasse geschrieben! Die Ellenbogengesellschaft wird immer extremer, da hast Du recht. Meiner Meinung nach sollte es über die gesamte Schulzeit ein Fach geben, in dem es nur um den sozialen Umgang mit anderen geht. Das kommt meines Erachtens viel zu kurz, da nur noch das Lehrprogramm durchgepaukt wird. Wer nicht mitkommt ist selber schuld… In der Schule wird man quasi schon aufs „Ellenbogen raus“ trainiert – das darf nicht sein!

    1. Hi,
      ich habe jetzt annähernd 500, warum? 😀
      Vielen Dank für die Nominierung, das freut mich sehr, aber ich wurde schon mehrfach nominiert und habe die fragen schon einmal beantwortet. Trotzdem nochmal vielen Dank.
      LG

  6. Ja, das stimmt. Aber für Kinder hat es auch weniger große Konsequenzen, wenn sie nicht mehr mit den doofen Jungen spielen, der immer blöd ist. Und die reine Wahrheit ist in unserer Gesellschaft auch nicht grade ein beliebter Hausgast. Wer ist schon zu 100% ehrlich? Vor allem dann nicht, wenn es dem eigenen Vorteil gereicht. Die Wahrheit kann man sich nur leisten, solange es keine Konsequenzen hat.

  7. Dem kann ich gar nicht so zustimmen. Schon im Abi haben wir eng zusammen gelernt, uns gegenseitig unterstützt. Nicht alle, aber jede Clique unter sich. Das zieht sich so durch mein Leben, eine Kleingruppe ist immer der harte Kern, der auch in Krisenzeiten für mich da ist. Der Kern ist nie groß, aber da!

  8. Toller Beitrag! Ich glaube die Erkenntnis fällt bei jedem unterschiedlich aus, was ja auch normal ist. Aber im großen Ganzen hast du schon Recht. Man muss eine Gewisse Reife haben um zu verstehen das es nicht nur um sich selbst geht und das es einen als Mensch nicht immer weiterbringt. 🙂 LG

  9. Zusammenhalt ist wichtiger als Zerstreuung.
    Das sollten auch diejenigen erkennen, die sich längst von der Ellenbogengesellschaft verabschiedet haben, aber nun nicht mehr wissen wie es weiter gehen soll.

    Ich wünsche Dir, dass der Zusammenhalt, den Du jetzt erlebst, immer anhält.

  10. Hallo Sophie. Ich finde die Gedanken zu deinem Perspektivwechsel sehr spannend, obwohl ich selbst zu einem anderen Schluss komme. Ich glaube nämlich nicht, dass die Menschen durch Zufall solche Entwicklungen durchlaufen, sondern ich denke, dass viel Energie investiert wird um diesen Prozess zu treiben. „Freunde“ sollst Du nämlich auf Facebook haben und nicht im realen Leben, genau wie Anerkennung (wie heißt das heute? Likes!). Auch die sogenannte Karriere ist ja eine Illusion. Man redet uns ein, es sei etwas besonderes, wenn wir immer mehr Geld verdienen und immer mehr kaufen können und immer mehr Dominanz über andere Menschen ausüben dürfen. Komisch, dass genau die Erfolgreichen in diesem Spiel andauernd unter „Burn Out“, Herzinfarkt, Frustrationen, Stress und Versagensängsten leiden. Dabei denkt ja jeder, Erfolg mache glücklich. Aber ich glaube eben nicht, dass der Mensch von selbst so ist. Wir sind doch eigentlich freundlich, helfen gerne, verteilen gerne „Likes“ und genießen ein Essen am liebsten zu zweit oder mit Freunden. Aber wenn man uns dazu bringt, mit unersättlicher Begierde durch die Welt zu rasen und alles in uns hineinzufressen was wir kriegen können, dann verdient man an uns viel besser.

  11. Wirklich schön geschrieben Sophie!

    Zum Glück gibt es schon sehr lange eine knappe Hand voll Leute, auf die ich mich wirklich immer verlassen konnte, besonders in puncto Loyalität. Trotzdem bleiben natürlich während der Schulzeit und später im Studium dann Erwartungen oder schmerzliche Enttäuschungen leider nicht aus. Das einzig Gute was man dem abgewinnen kann, ist, dass dadurch auch deine Menschenkenntnis zunimmt.
    Sei trotz aller Enttäuschungen immer weiter zuversichtlich, dann kann man auch einen „Perspektivwandel“ erleben, wie du ihn jetzt beschreibst:)

    Insgesamt kann ich Jakob B. nur zustimmen. Einsam wird man, wenn man sich ausschließlich mit Leuten umgibt, die dem totalen Leistungszwang vefallen sind und nur darauf aus sind ihre Ziele, ohne Rücksicht auf Verluste, zu erreichen. Es gibt viele Menschen, für die Ihre Karriere, Geld und Ansehen den größten Stellenwert im Leben haben. Bedauernswert.

    Beobachte und höre genau zu, ließ zwischen den Zeilen! Auch wenn das nicht vor allen sozialen Enttäuschungen schützt, jeder ist mal geblendet.

    Weiter so:)

    https://kathagoesaustralia.wordpress.com/

  12. Eine guter Beitrag über gewisse Grundfragen, über die sich wahrlscheinlich jeder Mensch Gedanken gemacht hat in unserer westlichen Gesellschaft. Das Leben im Hier und Jetzt wird uns sozusagen ausgetrieben, was sehr schade ist, denn darum geht es eigentlich..Oft wird Mann/Frau daran bemessen was er geleistet und erreicht hat, wobei ich immer wieder gerne daran denke das man all das Materielle und vor allem das Geld nicht essen kann 😉 liebe grüße

  13. Ich würde niemanden als falschen Freund bezeichnen, immerhin hatte jede Freundschaft auch seine Hoch-zeiten. Ich bevorzuge den Ausdruck oberflächliche Freunde. Vielleicht war man einfach nicht so wichtig für den anderen, wie der andere für einen.
    Nichtsdestotrotz gibt es Leute die einen einfach nur enttäuschen. Dagegen hilft nur: sich selbst treu bleiben, ehrlich und offen mit anderen umgehen. Wenn man verletzt wird, tut das weh, aber man kann auch seinen Nutzen aus so einer Erfahrung ziehen. Oft hilft es auch, sein eigenes Verhalten in der Retroperspektive zu betrachten, und zu analysieren. Es ist nicht immer die andere Person die Schuldige #Selbstreflektion #Karma

  14. Spannende Sichtweise. Kann ich aber nicht direkt zustimmen – ich fand den Zusammenhalt meines Abijahrgangs deutlich besser, als dies teilweise im Studium der Fall ist. Das hängt denke ich einfach von Freundeskreis und Umfeld ab. Der Kindervergleich ist wirklich schön 🙂

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