Follower als Selbstbestätigung

Als ich vor Kurzem den Film „Delete“ auf Sky gesehen habe (empfehlenswerter und interessanter Film), habe ich unweigerlich über das Thema Internet nachgedacht und was dieses schwer begreifliche Netz mit uns als Einzelpersonen anstellt. In dem Film geht es darum, dass das Internet eine eigene Persönlichkeit, die sogenannte „künstliche Intelligenz“ entwickelt und sich selbst austestet in seinen Fähigkeiten. Da das Internet quasi bei allen Menschen in irgendeiner Art und Weise eine Rolle spielt, gewinnt es also im Verlauf des Filmes immer stärker an Einfluss auf das menschliche Leben und beginnt unkontrollierbar zu werden. Als „es“ bemerkt, dass die Menschheit versucht dies abzuschalten versucht es das auf jede erdenkliche Art zu verhindern und verschiedene Menschen werden umgebracht, wobei das im Film nicht grausam, sondern (bitte nicht falsch verstehen) interessant ist, da es zum Beispiel beginnt Autos zu kontrollieren, Defibrillatoren zu verändern oder Smartphones explodieren zu lassen. Mehr möchte ich für Interessierte aber an dieser Stelle nicht vorwegnehmen.

Der Film ist zwar in gewisser Weise weit von der Wirklichkeit entfernt, trotzdem aber unglaublich interessant und regt definitiv zum Nachdenken darüber an, ob wir nicht bereits vom Internet kontrolliert werden, ob das Internet immer noch kontrollierbar ist und ob man sich in irgendeiner Weise selbst vor diesem „Etwas“ schützen kann. Zudem werden in dem Film jegliche technische Details so gut erklärt, dass jeder Nicht-Experte verstehen kann, worum es geht, was den Film nur noch spannender macht und ein Jugendlicher soll die Lösung des Problems sein, was gerade junges Publikum miteinbindet. Die Dialoge sind wahnsinnig gut geschrieben und die Besetzung der Rollen ist on-point, gerade weil die Schauspieler unverbrauchte Gesichter sind und nicht mit anderen Filmen in Verbindung gebracht werden. Die Filmmusik ist nicht auffällig, was aber die Handlung nicht beeinträchtigt. Meiner Meinung nach hätte der Film durchaus länger und ausführlicher sein dürfen, da das Thema selbstverständlich gerade heute bedeutungsvoll und folgenreich sein kann.IMG_0334[1]

Anschließend habe ich mir, wie eben beschrieben, die Frage gestellt was das Internet bereits mit uns macht und ich bin der Ansicht, dass es uns auch ohne diese künstliche Intelligenz bereits voll kontrollieren KANN. Das ist allerdings abhängig von Alter, den technischen Kenntnissen und der Tatsache, wie viele „Stützen“ man in seinem Leben hat. Damit ist gemeint, wie viele Freunde man hat, die einem helfen können aus einer Abhängigkeit heraus zu finden oder wie gut die Beziehung zu anderen Menschen generell ist, ob man das Gefühl hat das eigene Leben im Griff zu haben oder ob man das glaubt, sich in eine andere Welt flüchten zu müssen. Dies liegt daran, dass in meinem Freundeskreis eher diejenigen versuchen beispielsweise viele Follower auf Instagram zu erreichen, die in ihrem echten Leben unglücklich sind, ganz gleich ob das Stress mit den Eltern, der Kampf gegen die eigene Schüchternheit oder der ausbleibende Erfolg in der Schule ist.

Und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, dann weiß man, dass es unglaublich schwierig wäre, sich von der gesamten Technik zu trennen, die verbunden mit dem Internet ist.

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24 Kommentare zu „Follower als Selbstbestätigung

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  1. Manche bekommen aber auch die Anerkennung, die sie im echten Leben nicht bekommen und können so ihr Selbstbewusstsein stärken. Es ist wie mit allem im Leben: eine zweiseitige Medaille 🙂

    1. Aber sanftmut, ist das dann nicht ein „virtuelles“ Selbstbewusstsein? Ich mein, ein Like ist doch nichts Reales und wenn so etwas ein Selbstbewusstsein stärkt baut dies doch im Endeffekt auf einer Lüge auf?

      1. Ich finde nicht, dass ein virtuelles Like eine Lüge ist. Für gewöhnlich steckt hinter dem Like eine reale Person, die sich den Beitrag angeschaut hat. Im Netz neigt man vielleicht eher dazu, etwas zu liken, als dass man im analogen Leben seinen Wohlgefallen ausdrücken würde. Gerade darin sehe ich einen positiven Aspekt des Netztes: Es wird mitgeteilt, dass einem etwas gefällt. Ich würde ein persönliches „Liken“ dem virtuellen vorziehen, aber erachte das virtuelle als besser als gar keins. Vielleicht traut sich die Person mit einem gestärkten virtuellem Selbstbewusstsein jetzt auch in der realen Welt mehr, weil sie weiß, dass sie mit ihrem Geschmack, ihrer Meinung etc. nicht allein ist und sich dafür nicht schämen braucht.

      2. Stimmt, hast du Recht, so kann man das auch sehen. Nur ist dann meine Befürchtung, dass die Enttäuschung groß ist, wenn im Realen dann nicht so schnell die Likes kommen. Und ob dann das vorher aufgebaute Selbstbewusstsein dem Stand hält?

  2. Ich habe vor wenigen Wochen das Buch „Die Auslöschung der Mary Shelley“ gelesen, und die Geschichte in genau der Beschreibung des Films wiedererkannt. Auch hier war es ziemlich übertrieben dargestellt, aber hat trotz allem nachdenklich gemacht…

  3. Ich werde mir den Film auf jeden fall auf die Liste setzen. Aber das von dir angesprochene Thema werde ich demnächst ebenfals aufnehmen. Darauf gekommen bin ich als ich das Buch „Zero“ gelesen habe. Ebenfals ein Buch über Technik und wie gefährlich ihr Einfluss bereits auf uns sein kann. Ich sage bewusst sein kann, da wir noch immer die Kraft besitzen, dieses zu ändern. Jetzt wo ich mir mehr und mehr nach Themen auch in sozialen Netzen und dem internet bewege, fällt mir zunehmend auf, wie gern man doch schnell googelt um sich infos zu holen und sich bedingt auch die Sucherergebnisse verlässt. Beispiele werde ich im Blog ansprechen.

    Ps. Wieder einmal ein gut geschriebens und umschriebens Thema. Reblog Gefahr nicht ausgeschlossen 😉

  4. Du hast schon ganz recht, aber die Angst muss man doch relativieren, denn viele Erfindungen führen zu einer gewissen Vereinnahmung, so dass man denkt, ohne sie nicht mehr leben zu können. Nehmen wir simple Erfindungen wie Häuser oder Öfen. Es ging früher auch, aber stell dir mal ein Leben ohne vor. Autos oder Verpackungen scheinen uns ebenso unabkömmlich zu sein, dabei wuchs ich sogar noch in einem Land auf, das wenig Plastikverpackungen benutzte und in dem auch Autos Mangelware (im Vergleich zu heute und auch zu anderen damaligen Ländern) waren. Selbstbestätigung holen wir uns auch über jene Gegenstände und ich will erst gar nicht das Beispiel vom Porschefahrer bringen. Das Internet ist insofern spannend, weil es tatsächlich in jeden Bereich eindringt (das kann man ja sogar wortwörtlich nehmen, wenn man nur überlegt, dass es mittlerweile Paarvibratoren für weit entfernte Paare gibt, die sich gleichzeitig selbst und damit auch den Partner stimulieren).

    Den Aspekt, dass wir immer mehr Ich-bezogen werden und uns an Followern ein positives Feedback holen, ist ganz interessant und hängt natürlich mit diesem direkten Kontakt ab. Das war früher so nicht möglich und richtige Freunde waren es, die das Wohlsein förderten. Sie sind es aber zumindest bei mir und in meinem Freundeskreis noch immer, deswegen sehe ich da keine zu große Veränderung.

  5. Ich bin beeindruckt!
    Diesen Film muss ich mir anschauen.
    Auch die Buchvorschläge in den Kommentaren klingen spannend; das passt Alles zu meinem derzeitigen *Zustand* – hin- und hergerissen – bloggen ja/ nein – für was / für wen?
    Das richtige Leben…was ist das genau?
    Auch hier auf den Blogs ist es nicht wirklich anderes als bei FB – 1000 Likes/Follower aber niemand, der wirklich! für dich da ist….
    Es macht sehr nachdenklich, wenn ich unsere Jungs sehe, die ALLES per Handy erledigen…aber die Tür, die aufgemacht wurde, auch wieder zu schließen….das ist kaum möglich….
    Dein Beitrag ist spitze!
    LG Gabi

  6. Der Film hört sich interessant an und erinnert mich an skynet aus Terminator. Dieses zukunftsszenario ist nicht so weit weg wie man es vielleicht glauben möchte. Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen wie hoch entwickelt künstliche inzeligenz jetzt in der gegenwart beteits ist. Ich denke auch das es aber nicht in einem negativen horrorszenario enden muss. Die Menschen müssen wohl eher damit besser umgehen lernen. Und das kann dann als riesen Vorteil für die Entwicklung der menschheit dienen.

  7. Interessanter Film, ist schon mal vorgemerkt. Also danke für den Tipp.
    Es natürlich schwierig, sich von der Technik und dem Internet zu trennen, zu sehr bestimmen sie jetzt schon unser Leben. Da ist es manchmal schon eine Gratwanderung, ob diese Technik für jemanden Mittel zum Zweck ist oder ob man sich ihr ausliefert, ob man sie beherrscht oder ob man von ihr beherrscht wird. Vom einen zum anderen ist es oftmals nur ein kleiner Schritt. Manche sind leichter zu verführen als andere. Aber das war schon immer so. Jede neue Technik fasziniert und macht das Leben auf irgendeine Weise leichter. Insofern, so finde ich, ist man ihr auch bis zu einem gewissen Grad ausgeliefert. Wer möchte zum Beispiel schon freiwillig auf die Vorzüge der Elektrizität oder der heutigen Verkehrsmittel verzichten? Ohne sie wären wir wohl – irgendwie – aufgeschmissen.
    Insofern hat es durchaus seine Berechtigung, wenn man jemand die neuen Medien auf seine ganz persönliche Weise nutzt. Wenn die Zahl der Follower das Selbstbewusstsein von jemandem stärkt, okay. Irgendwann aber wird er andere Erfahrungen machen, dann kommt der Moment, wo er begreifen wird, dass es weniger auf die Anzahl, als vielmehr auf die Qualität der Follower ankommt. Aber das ist im richtigen Leben nicht anders.
    Herzliche Grüße, Eberhard

  8. Erinnert mich an das Buch der Circle. Gruselig. Und trotzdem finde ich das Internet eine super Erfindung! Vielen Menschen, behinderten beispielsweise verschafft es sogar größtmögliche Beteiligung.

  9. Ja, wir können das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Vermutlich wollen wir es auch nicht. So romantisch die dörfliche Idylle aus den 1930er Jahren aussieht. Andererseits, wenn ich mir die Ruhe der damaligen Zeit versuche vorzustellen, das könnte einem vielleicht doch gefallen.

  10. Ich finde es unglaublich, wie manipulierbar wir Menschen sind – egal, ob das jetzt die reale Welt oder das Internet betrifft. Immerhin könnten wir auch alle Kommentare zu Bildern auf Facebook oder Twitter oder Instagram ignorieren, wenn sie uns nicht passen, aber nein, egal was wir versuchen, wir lassen es automatisch an uns heran und es verletzt uns, wenn schlecht von Dingen gesprochen wird, die wir vielleicht schätzen oder gut finden und wollen deswegen dringend etwas ändern, damit auch ja jeder nur Gutes darüber sagt. Aber seien wir mal ehrlich: das ist die Abhängigkeit von der Meinung Wildfremder und irgendwie finde ich das ein bisschen erbärmlich. Das, was du hier angesprochen hast, erinnert mich ziemlich an eben das Beschriebene und es ist traurig, dass so etwas überhaupt geschieht.

  11. Hello, danke für den Artikel.
    Er regt ja ein paar Gehirnzellen an. Wie man an und in den Kommentaren sehen und lesen kann.
    Schön.
    Ganz so empfinde ich es nicht, mit Verschwörungen und so. Klar, ergibt eine gute Story, doch steckt hauptsächlich eiskaltes Kalkül dahinter. Money, Kohle, Geld, Euro, Dollar, Rubel, …
    Nun haben wir ja schon ein paar Jahre das Internet. Intelligenter ist es nicht geworden. Vielleicht einseitiger. Uninteressanter. Gieriger. Es verfolgt dich. Sogar in Müllbehälter sind schon RFiDs eingebaut. Ein einfaches Etikett im T-Shirt kann verraten, wo du dich aufhältst. Und genau zur rechten Zeit beginnt deine Werbung, deine Musik. Alles an deine „Bedürfnisse“ angepasst.
    Dafür benötigt man heute kein Handy mehr, um dich zu orten. Ist aber praktisch. Alle haben es und nehmen es auch mit.
    Sie wollen das du was kaufst. Mehr nicht. Es ist so simpel.
    „Benötigst du einen Kredit?“ Schon bekommst du ganz gezielte Werbebotschaften.
    Und! Eines noch, bitte versuche das ganze einmal „Global“ zu sehen. Wir stehen kurz davor unser menschliches Leben in die Tonne zu treten, die Wälder sind kahl, Bienen gibt es nur noch halb so viele, die Meere sind voller Plastik, Pestizide und Weichmacher sind im Essen, Atomkraftwerke fallen auseinander, wenn die Berichterstattungen stimmen. Trotzdem gibt es nicht einen Großkonzern, der etwas für unseren Globus macht. Profit vor Vernunft.
    Damals dachte man, wie naiv, das Internet würde dazu führen weniger Flugzeuge fliegen zu lassen, weniger Autos fahren zu lassen und so weiter.
    Genau das Gegenteil ist der Fall. Das Internet wird einfach nur schamlos ausgenutzt, für höhere Profite.
    Mehr ist es nicht.
    Trotz alle dem können Filme spannend sein und Spaß bringen und vor allem, zum Denken anregen. Ist doch schön.
    Danke und alles Gute wünsche ich dir.

  12. Mein Eindruck noch vor dem Lesen des Textes war Zustimmung, aber in anderer Hinsicht. Facebook und sicher auch die Blogosphäre sind mittlerweile zu weiten Teilen Aufmerksamkeits(defizit)maschinen geworden, Plateaus der Selbstdarstellung. Und gemessen an denen, die das gelikede tatsächlich aufrufen und lesen, ein Motor der weiteren Vereinzelung und Veroberflächlichung. Und wem das zu negativ klingt: andererseits nehmen Inhalte und Bewusstsein zu.

  13. Das Internet und seine Inhalte werden – ob nun zum Glück oder zum Leidwesen – immernoch von Menschen gemacht. Es beeinflusst uns nicht direkt, sondern die Art und Weise mit der wir miteinander kommunizieren. Und dass Menschen sich gegenseitig ganz erheblich beeinflussen ist denke ich bekannt. Ziemlich zeitgleich mit Deinem Beitrag wurde ich auf einen Artikel aufmerksam gemacht, bei dem es um die zunehmende Problematik von Cyber-Mobbing ging. Tristan hat es in seinem Kommentar richtig angesprochen und in ähnlicher Weise klang es schon in Deinem YouTube Beitrag an: Mit der Aufmerksamkeitshascherei geht eine zunehmende Verrohung einher. Und das ist sehr schade.
    Auf der anderen Seite finde ich es gut, dass ich mich hier zu einem interessanten Thema äußern und Dir sagen kann, dass ich mich schon auf den nächsten Beitrag freue.

  14. Der Film klingt wirklich interessant, hatte mal eine ähnliche Filmidee (damals, als ich mir einbildete Regisseurin zu werden, bevor ich erkannte, dass das eigentlich nix für mich ist) die ich dann nie umgesetzt hab (aber was nicht ist…) Bin auf jeden Fall Höchst gespannt darauf, den zu sehen! Danke für den Tip.

    Ja, das Netzt gibt, das Netzt nimmt ^^

    Ich selbst merke, was für einen gewaltigen Einfluss vor allem Social media auf mich hat. Da ist es manchmal nicht so einfach, sein Selbstbewusstsein zusammenzuhalten, vor allem wenn man sieht, was für tolle Sachen andere bloggen, posten, hochladen, da fühlt man sich schnell klein und untalentiert.
    Dann gibts aber auch die Momente, man lädt etwas hoch, von dem man selbst nicht recht überzeugt ist, und es findet dann doch (vergleichsweise) großen Anklang und man denkt sich:“Na SO schlecht kann ich dann auch nicht sein“

    Schwierig, schwierig, im Endeffekt ist es wohl wichtig, ganz unabhängig vom Netz ein gutes Selbstbewusstsein zu bekommen/haben, es kann auf diesem Weg helfen und schaden, aber es sollte nie die Einzige Bezugsquelle dafür seine!

  15. Der Film „Her“ mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle behandelt auch das Thema künstliche Intelligenz im weitesten Sinne, könnte dir also möglicherweise auch gefallen 😉

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