Du kannst machen was du willst also entscheide: Karriere oder Karriere?

IMG_1257[1]Kennt ihr das: Es wird immer gesagt man lebt in einem freien Land und man kann tun und lassen was man will. Man soll auf „seine innere Stimme hören“ und einfach nur tun was man für richtig hält. Naja unsere Entscheidungen hängen ja auch ausschließlich davon ab, was wir denken, oder? Und wir werden eigentlich von keinen äußeren Einflüssen beeindruckt, stimmts?

Nein.

Wir Menschen, das ist sicherlich in irgendeiner Weise wissenschaftlich nachgewiesen und hätte ich genug Zeit würde ich das garantiert recherchieren, nehmen quasi alles, was um uns herum geschieht in uns auf. Ob es die beruhigende Musik im Supermarkt ist, die uns entscheiden lässt etwas länger und ausgiebiger einzukaufen oder die Tatsache, dass wir den Medien (Print-Medien eingeschlossen) hilflos ausgeliefert sind und 24 Stunden dauerbeschallt werden, spielt eigentlich keine Rolle. Immer mehr Jugendliche entscheiden sich beispielsweise mit Youtube anzufangen, was für gute Redner ein tolles Medium ist, um sich mitzuteilen und zu zeigen, welche Meinung man vertritt. Das tun so zahlreiche Gruppen, weil sie die Youtuber sehen, die ihr Geld mit Youtube verdienen und in ihren Videos zeigen, wie glücklich sie darüber sind. Natürlich möchte man das auch, aber viele Eltern scheinen nicht zu verstehen, dass es für 13-Jährige unglaublich gefährlich ist und sie viel zu viel von sich selbst im Internet preisgeben.

Andere Jugendliche sehen sich die Sendung „Germany´s next Topmodel“ an, in der die „Models“ überdreht und leicht zickig das Gesicht von Mode-Kampagnen werden können und sich selbst vermarkten. Sieht man den Ruhm und Reichtum, den man als erfolgreiches Model erzielen kann, ist es für Mädchen diesen Alters selbstverständlich auch Model werden zu wollen und sich für den meines Erachtens fragwürdigen Weg zu entscheiden. Viel zu oft hört man von Magermodels und sieht sie selbst in den berühmtesten und prestigeträchtigsten Marken, weshalb sich diese Ideale natürlich schneller verbreiten als eine fiese Grippe. Und trotz des kürzlich erworbenen und wirklich interessanten Gesetzesbeschlusses in Frankreich, zu dünne Models nicht mehr auftreten zu lassen, was definitiv dem Magerwahn den Stempel „No-Go“ erteilt, wird es immer schwieriger solchen Idealen zu widersprechen.

Zudem entscheiden junge Menschen sich mittlerweile viel öfter in die Medienbranche zu gehen, ob als Moderator, Werbegesicht, ob im Internet oder im Fernsehen, Radio, etc. Ruhm scheint etwas zu sein, was sich viele gerade junge Menschen wünschen. Da kann schon eine hohe Anzahl an Instagram-Followern ausreichen, um die Kinder glücklich zu machen. Bekanntheit scheint immer erstrebenswerter zu werden, denn wenn man sich ansieht wie viele Menschen versuchen irgendwie als „It-girl“ in die Schlagzeilen zu kommen und das auch noch ohne Talent, erschreckt man sich wirklich. Den Unterschied zwischen Ruhm in dem Sinne wie anerkannt zu werden für eine Leistung, die man erbracht hat, und dem Wort Bekanntheit scheint dabei keiner wirklich wahrzunehmen.

Mit harter Arbeit und Vorsicht können auch alle diese Berufswünsche oder Karrieren Erfolg einbringen, so dass man sie nicht verurteilen sollte. Trotzdem werden gerade neue Erfolgskonzepte gesellschaftlich verurteilt und niedergemacht. Individuelle Wege Geld zu verdienen werden von manchen Menschen ohne innerhalb Gruppen zu differenzieren verurteilt und nahezu immer verallgemeinert. Man sollte sich doch zumindest die Zeit nehmen die Dinge, die man verurteilt nicht als Ganzes zu betrachten. Letztendlich scheint der allgemein akzeptierte Weg Karriere zu machen doch derjenige im Büro zu sein und selbst wenn man so tut als sei einem das egal, so weiß ich, dass ich wenn ich entscheiden könnte zwischen Karriere+gesellschaftlicher Akzeptanz und Karriere-gesellschaftlicher Akzeptanz den ersten Weg wählen würde. Wir werden also beeinflusst – immer – irgendwie – ob wir es wollen oder nicht.

14 Kommentare zu „Du kannst machen was du willst also entscheide: Karriere oder Karriere?

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  1. Klar werden wir beeinflusst. Die Reflexion darüber hilft uns aber, damit umzugehen. So bleibst du kein passiver Schwamm, der alles aufnimmt, sondern wirst zu einem aktiven Wesen, das beobachtet und entscheidet. Du kannst auch versuchen, aktiv und bewusst bestimmten Einflüssen aus dem Weg zu gehen, indem du zum Beispiel kein Fernsehen schaust. Der Weg des bewussten Konsums ist nicht immer der einfachste, aber er ist eine Option 😉

  2. Da gebe ich Dir vollkommen recht. Unsere Umwelt beeinflusst uns auf so vielfältige Weise, dass es müßig ist, sie alle aufzuzählen. Deshalb habe ich mich einw enig von meinem eigentlichen Beruf abgewandt und baue mir ein neues Feld auf. Ich folge mir. Und versuche, den Medien nicht mehr ganz so häufig zu zu hören 🙂
    PS: Kaufhausmusik finde ich schrecklich … 😀

  3. Ach wie schön geschrieben. Und es passt! Ich mach mir darüber auch immer öfter mal Gedanken. Wer ist schon frei? Niemand zu 100%. Ich pfeif auf Karriere und kümmer mich um meine Familie. Da bin ich auch nicht immer frei, aber da bin ich es gern nicht 😉

  4. Wenn man das alles erkennt, ist dies der erste Weg zur Freiheit und da Du das mit Deinem Beitrag auf den Punkt bringst, werden hoffentlich einige darüber nachdenken und den Weg aus der Beeinflussung durch Medien und Umfeld wählen (sofern das möglich ist). DANKE für den wirklich interessanten Beitrag. Liebe Grüße, Sylvia

  5. „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.“ Rousseau (Fand Ich auch nach dem Lesen der Kommentare hier ganz passend 😀 )
    Zu der Sache mit den Medien. Da muss Ich dir Recht geben – Sie können uns beeinflussen und Ich denke das ist auch so gewollt (soll jetzt keine Verschwörungstheorie sein). Ich schaue seit Jahren kein Fernsehen mehr und lese auch keine Nachrichten außer selten Politik- oder Finanznachrichten. Ab und zu schaue Ich Online Talkshows oder Interviews. Ich halte von den meisten Medien nicht sehr viel, da Sie mich weder unterhalten, noch mir Wissen vermitteln.
    Auf Youtube hingegen schaue Ich gerne mal vorbei. Generell finde Ich, dass diese neuen Medien (und Ihre Möglichkeiten) unterschätzt werden.

  6. Rousseau ist auch nett, aber ich bin Anhänger von Sartre. Und der sagte grob zusammen gefasst: Angst ist Angst vor der Freiheit. Und das ist mein Lieblingszitat und es stimmt.
    Wenn du beginnst dein eigenes Leben und die Welt um dich herum aktiv und auch gegen irgendwelche komischen Regeln und Moralvorstellungen zu gestalten. Dann bist du wirklich frei und damm kommt auch immer wieder die Angst: vorm Versagen, vor den Fall, vor Verlusten, vor Armut, Einsamkeit und allem anderen. Sartre hat gesagt, die Angst kommt immer dann, wenn ich etwas Neue tue, wenn ich versuche frei zu sein, neue Wege gehe, mich vom Alten abwende.
    Angst ist ein Indikator und genau so nutze ich die Angst. Die Angst zeigt, mir dass ich etwas gestalte, etwas Neues schaffe, dass ich meine Freiheit lebe. Immer wenn das Gefühl der Angst aufkommt, musst du den Weg weiter gehen. Ich verspreche dir, mit der Zeit geht die Angst weg. Dann wandelt sich das Gefühl das anfänlich Angst war in Freude und absolute Leidenschaft für deine eigenen Ideen und fürs Handeln. Dann bist du frei. Folge der Angst in dir, dann bist du auf dem richtigen Weg.

      1. Probiere es! Und nicht zurück schrecken, wenn Leute dich ausbremsen wollen, indem sie dich an die Regeln und deine beschränkten Möglichkeiten oder deine Rolle erinnern. Anderen macht so viel Freiheit häufig auch Angst. Vermutlich, weil sie sich selbst nie befreit haben. Wir kennen das, wenn Eltern/Großeltern sagen: „Früher wollte ich Sängerin/Künstlerin werden, aber das ging nicht, weil…. “
        Lass dich nicht von deinen Träumen abhalten!

  7. Wir werden und wurden alle schon früh in diese Maschine die sich Erfolg nennt gesetzt. Leider ohne Rücksicht auf den Menschen

  8. Richtig schön 😀 Und auch wenn man Satre glaubt, weiß ich nicht, ob man wirklich frei sein kann. Denn wenn man letztlich sagt man kennt die Freiheit warum setzt man es nicht um? Weil für mich wäre Freiheit etwas erstrebenswertes und nicht etwas wovor man Angst hat. Vor allem denke ich, dass man nie wirklich frei sein kann! Man wird immer und überall beeinflusst. Die Frage ist nur in welchem Kontext man den Begriff der Freiheit setzt, denn in einem großen Kontext könnte man eher von der individuellen Freiheit sprechen als in einem kleineren.

    Ich freue mich schon auf neue Blog-Beiträge 😀

  9. Liebe Sophie,

    Ich lese sehr gerne deinen Essay, deine schweifenden Gedanken, die thematische Anrisse, die Thesen und Fragestellungen sind dir sehr gut gelungen und die Apelle am Ende auch. Zuerst dachte ich es ginge um die Anerziheung eines Karrierebewusstseins und nicht um das verzehrte Bild von Leistung in Bezug auf Annerkennung und Selbstwertgefühl.
    Ich habe gerne meine Minuten mit lesen deines Blogs investiert 🙂

    vielleicht kennst du den Text von Erich Fromm „Über den angepassten Menschen“. Vielleicht ist das ein Text für dich.

    Liebe Grüße S.J.

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