Smartphonomania – alleine durch soziale Netzwerke #MauleMittwoch 1

Ich habe einmal vor Monaten in einem Gespräch mit Freunden mitbekommen, dass es jetzt in China teilweise Smartphone-sichere Parks gibt. Parks, in denen jegliche Laternen und Bäume gepolstert sind, da ansonsten zu viele Menschen in Gedanken und mit Smartphone in der Hand dagegen laufen würden. Schon vor längerer Zeit habe ich darüber berichtet, wie mir aufgefallen ist, dass ich mit vielen Studenten an einem Tisch saß und keiner redete, weil alle auf ihre Handys gesehen haben und in „soziale Netzwerke“ vertieft waren. Den ganzen Tag über habe ich nachgedacht, welchen Inhalt der erste „MauleMittwoch“ haben sollte und das ist nun einmal wirklich ein Thema, dass jeden schon einmal wirklich genervt hat.

20150410_172942Früher, insofern ich mit meinen 19 Jahren von früher sprechen kann, „war natürlich alles besser“ könnte man meinen. Ich persönlich hatte glücklicherweise in meiner Kindheit noch kein Smartphone, Tablet oder sonstiges und muss ehrlich sagen, dass mir einige Dinge auffallen, die sich durch diese Errungenschaften verändert haben müssen. Nehmen wir das Beispiel Versprechen/Absprachen. Als ich die Grundschule besucht habe, hat man sich mit Freunden für eine feste Uhrzeit an einem bestimmten Ort verabredet und meistens auch gemeinsam geplant, was man denn alles zusammen machen könnte und wie man die gemeinsame Zeit am effektivsten nutzt. Wenn man sich heute mit Freunden treffen will ist das deutlich anders: Verabredet man sich morgens für ein Treffen um 15 Uhr in der Stadt und hört den ganzen Tag über nichts mehr von der anderen Person (via Handy versteht sich), so kann man quasi davon ausgehen, dass das Treffen abgesagt ist.

Natürlich schafft ein Smartphone dadurch auch Flexibilität dadurch, dass man sich auch kurzfristig verabreden kann, jedoch funktioniert das in den seltensten Fällen optimal und generell verlieren Verabredungen so deutlich an Wichtigkeit. Die mündliche Absprache hat einen viel geringeren Wert und wenn man jegliche Absprachen trifft, so muss man sich trotzdem noch einmal davon überzeugen, ob das besprochene auch 2 Minuten später noch gilt.

Im Allgemeinen werden dadurch eben leider auch die Gespräche inhaltsloser, seltener und kürzer. Wird einem eine Unterhaltung unangenehm, so kann man auf das Smartphone schauen und dem Gesprächspartner signalisieren, dass das Gespräch entweder zu lange dauert oder nicht interessant genug ist. Ob soziale Medien und Netzwerke also wirklich so sozial sind stelle ich erneut in Frage.

Kann man sich gegen diesen Trend wehren? Kaum! Es sei denn man hat Freunde, die genau dieselbe Einstellung teilen, was jedoch selten der Fall ist.

29 Kommentare zu „Smartphonomania – alleine durch soziale Netzwerke #MauleMittwoch 1

Gib deinen ab

  1. Natürlich kann man sich gegen den Trend wehren. In meinem Wertekosmos nehmen Verbindlichkeit für Verabredungen und eben nicht ständig das Handy in der Hand zu haben, wenn man etwas unternimmt einen festen Platz ein. Platz für Ausnahmen muss natürlich auch sein, wenn es mir aber zu viel wird, gibt es halt eine Ansage, dass mir das nicht passt. Und wer sich einfach nicht daran halten will, der darf sich nicht wundern, wenn ich dann Verabredungen auch nicht mehr als solche betrachte (sondern als unverbindlichen Vorschlag) und danach handle. Oder mit ihnen nichts mehr unternehme weil es dann ja besser ist, sich mit denen per App zu unterhalten.
    Hat bis jetzt immer ganz gut funktioniert.

    Alternativen wie das Phone-Stacking-Game sind natürlich auch ganz witzig.

  2. Ich weiß schon, warum ich mich mit den Leuten/Freunden glücklich schätzen darf. Der eine hat ein Handy, das gerade mal SMS und telefonieren kann (was ich selbst ebenfalls bevorzugen würde, wenn die Handys noch neu zu haben wären) und die anderen können sich ganz oder zumindest teilweise zusammenreißen. Das mit den smartphone-sicheren Parks ist ne megagroße Lachnummer und bestenfalls traurig.

  3. Kann ganz schön viel Zeit fressen allen Absprachen immer wieder hinterher telefonieren / chatten / simsen zu müssen. Besser ist man vereinbart ganz traditionell abzusagen, wenn was dazwischen kommt… scheint so, dass ich 10 Jahre älter als du und eigentlich sehr web-affin trotzdem analoger bin als du. Interessant!
    Liebe Grüße,
    Marlene

  4. Man kann sich immer wehren. Schmeiß dein Smartphone weg und hol dir ein normales Handy. Deine Freunde bleiben weiterhin mit dir in Kontakt und auf den Rest kannst du – ehrlich gesagt – scheißen… Und nein, sie sind nicht sozial. Das wird einem aber immer brav eingetrichtert, weil sonst niemand damit Geld verdienen würde. Im Grunde sind sie sogar zutiefst asozial…

    1. Da gebe ich dir mal absolut Recht, man kann sich immer wehren. Aber es muss doch auch funktionieren, die Vorteile eines Smartphones zu genießen ohne sich von ihm versklaven zu lassen.
      Ich habe auch eins, aber das lege ich halt nicht gleich auf den Tisch, wenn ich zu einer Verabredung komme. Und wenn meine Freunde zu viel drauf starren, dann zwinge ich sie ganz lieb es einzustecken 😉
      Man sollte außerdem Kritik vertragen können, wenn einem doch mal ein solcher Fauxpas unterläuft, aber auch unterscheiden können, dass man eben auch mal einen wichtigen Anruf erwarten kann.

      1. Es sollte funktionieren. Leider ist das zu selten der Fall. Insbesondere (scheinbar) bei jüngeren Menschen. Eigentlich bezog sich meine Antwort auch mehr auf diese tendenziell pessimistische Aussage: „Kann man sich gegen diesen Trend wehren? Kaum!“ Denn dagegen wehren kann man sich in jeden Fall. 🙂

        Ps.: Wie zwingst du denn lieb? 😉

  5. Hallo Sophie, schön, dass du als junger Mensch dich mit sozialem Verhalten beschäftigst. Zu deinem Beitrag hier zwei Auszüge aus meinem persönlichenTagebuch :
    Bahnreise von München in Richtung Italien:
    Wir haben morgens viel Zeit, der Zug geht erst um 11:31 Uhr. Gut, dass wir reservierte Plätze haben. In Innsbruck müssen wir wegen der Arbeiten am Brennertunnel in Busse umsteigen. Zwei Ostasiatinnen sitzen, Musik-Stöpsel im Ohr, ohne auf die Leute zu schauen die aussteigen auf ihren Plätzen. Die mehrmaligen Durchsagen – auch in Englisch – haben sie nicht gehört, sie sind mit ihrem Tablet beschäftigt. Ich informiere sie und sie packen ihre Sachen schnell zusammen. Der Weg zu den Schienenersatzbussen ist gut beschildert und die Abwicklung erfolgt rasch. Durch das malerische Wipptal geht es hinauf zum Brenner. Die beiden Mädels interessiert die wunderschöne Bergwelt nicht im Geringsten. Sie glotzen in ihr Tablet und schauen irgendeine chinesische Soap. Auf Frage beim Aussteigen wird meine Vermutung bestätigt, es sind tatsächlich Chinesinnen.
    Auf Lipari (Äoliosche Inseln):
    Zum Abendessen gehen wir wieder ins “Sfiziusa“, dem Lokal von gestern. Am Nachbartisch sitzt ein junges Paar auf Hochzeitsreise aus Landshut/Grafing. Wir unterhalten uns prächtig und auch sie haben Probleme mit den Leuten, die nur noch vor ihren I-Pads und I-Phones sitzen. Wir frühstücken am nächsten Morgen bei Diana auf der Terrasse. Dann kommt der schlagende Beweis für das Gespräch von gestern Abend herein. Ein Englisch sprechendes Pärchen um die 30 setzt sich grußlos an den Nachbartisch. Kaum haben die beiden Platz genommen, hat schon jeder sein I-Phone in der Hand und wortlos beginnt der Tag. Als Diana nach den Getränken fragt, wollen sie Soya-Milch – und das in Italien. Sie müssen sich mit warmem Wasser zufrieden geben. Nach kurzem Wortwechsel sind die Augen und Hände schon wieder bei den Smartphones. Als wir uns mit „Bon Giorno“ verabschieden, werden wir keines Blickes gewürdigt.

  6. Sozial: Gesellschaftlich, gemeinnützig, hilfsbereit. Ja sie sind sozial. Sie haben ihren Preis, auch wenn sie kostenlos sind. ciao.

  7. Du hast so Recht. Obwohl ich es verabscheue, wenn Menschen während eines Gespräches auf ihr Smartphone schauen, ertappe ich mich allzu oft selbst dabei. Ich glaube, das Ganze ist auf einen inneren Zwang zurückzuführen, immer „auf dem Laufenden“ sein zu wollen. Für mich persönlich vergleichbar ist dieser Zwang mit dem Gefühl, welches ich mit 16 hatte, immer und auf jeder Party anwesend sein zu müssen, um nichts zu verpassen. Das Ziel war aber um einiges sozialorientierter, als sich durch alle möglichen Apps zu klicken und den Button „aktualisieren“ zu betätigen; Freunde treffen und Neuigkeiten austauschen. Zumindest diesen Zwang habe ich hinter mir gelassen und verbringe gut und gerne einen Samstag abend vor der Glotze. Aber ob die Menschheit sich je wieder von Ihrem Smartphone trennen kann, wage ich zu bezweifeln!

  8. Ich finde es auch sehr schade, dass sich die Gesellschaft immer mehr in diese Richtung entwickelt. Bei manchen weiß ich zum Beispiel ganz genau, dass wenn ich mich mit ihnen verabrede, dass sie mich sicher vergessen oder versetzen. Ich finde das sehr sehr schade.

  9. Wie recht du hast! Ich denke immer, ich bin die einzige, die es stört, wenn bein gemeinsamen Heimweg niemand etwas sagt, sondern alle auf WhatsApp hängen und gleichzeitig in beiden Ohren Kopfhörer haben. Selbe Situation auch gerne in der Mittagspause.
    Ich bin selber jemand, der dauerhaft ohne sein Handy wohl eher nicht kann, das gebe ich zu, aber diese Einstellung, sich in sozialen Netzwerken zu vergnügen statt mit Freunden zu reden, das nervt einfach extrem. Natürlich nicht, wenn jemand ab und zu mal tippt, aber dieses ständige Am Handy hängen ….
    Was ich damit sagen will: Du sprichst mir aus der Seele! Was für ein geeignetes Thema zum Meckern ;D
    Lg innenlebendesreiters

  10. Tröste dich, das ist bei weitem kein Phänomen mehr der Generation social media. Im Gegenteil kenne Leute die sich dank der mobilen technik und inet auch gleich mal ne Verhaltens Verjüngungs kur verordnet haben…also von über 40 zurück zur Pubertät… P.S. I’m kinofilm „Her“ verliebt sich der Darsteller in Siri der iPhone stimme und unterhält sich nur noch mit ihr…;-)

  11. Ich hänge viel am Smartphone, weil ich vor allem mit meiner Schwester viel in Kontakt bin. Und wir uns gerne Fotos schicken. Ich hatte lange kein Smartphone, würde es jetzt aber auch nicht mehr abgeben wollen. Kann es aber auch weglegen, denn selber finde ich es auch nicht gut, wenn man mit dem Ding schon halb verwachsen ist. Die Menge macht das Gift, gell?! 😉

  12. Nicht mehr lange, dann wird es einen Gegentrend zu den Smartphones geben. Doch erst müssen die Leute erkennen, dass das Smartphone doch nicht so smart ist. – Ich bin letztens als meine beiden Kommunikationspartner auf ihre Smartphones schauten einfach weggegangen. 🙂

  13. Erst vor wenigen Tagen habe ich gehörte, dass eine neue Untersuchung ergeben hat, dass gerade unter den Social-Media-Nutzern überdurchschnittlich viele persönliche Kontakte haben. Das Pendel scheint wieder in die andere Richtung auszuschlagen. Unsere Gesellschaft muss sich mit den neuen Möglichkeiten halt auch erst arrangieren.

  14. Lieber Brandy 99,
    bitte lass mal hören, auf welche Studie, sich deine Aussage stützt. Ich kenne nur diese:
    Social Media beeinflusst das Leben einer ganzen Generation. Aus Sicht von Experten bergen soziale Netzwerke wie Facebook allerdings enorme Gefahren für echte Beziehungen – und fördern Vereinsamung sowie Phobien.
    Hunderte Freunde auf Facebook sind nicht mit echter Freundschaft zu vergleichen. Die Berliner Psychotherapeutin Franziska Kühne behauptet gar, dass durch soziale Netzwerke reale Beziehungen Schaden nehmen. „Online-Netzwerke lassen Welten zusammenbrechen und schaffen viele Dramen“, sagte sie FOCUS. „Infolgedessen therapiere ich sogar Suizidgedanken und Suizidversuche.“

    Auch ich nutze Facebook, schreibe in meinen Blog, habe aber nur ein ganz normales Handy (kein Smartphone) und mein Tablet bleibt zuhause, wenn ich mich mit Freunden treffe oder mit meine Frau in die Kneipe gehe. Das Fatale ist, dass viele gerade junge Menschen den Segen neuer Techniken nicht richtig verstehen, dann sind Irrwege vorprogrammiert – und virtuelle Kontakte werden mit realen Kontakten verwechselt.
    Einen schönen Sonntag!

  15. Kann ich verstehen. Meine Jugend war genauso.
    Soziale Beziehungen sind enorm wichtig. Erlernt man das in den ersten Jahren nicht, so ist man den Rest seines Lebens geschädigt. Mit Social Network ist das jedenfalls nicht zu erreichen, wie man allerorten sehen kann. Vielleicht auch einer der Gründe, warum die Gesellschaft heute so oberflächlich ist.

  16. Ich kenne das sehr gut, und habe leider das Gefühl, dass ich teil einer Minderheit bin. Ich finde es schon schrecklich genug, wenn Leute ihr Handy bei Verabredungen auf dem Tisch haben und ständig antworten wenn irgendwer ihnen schreibt (wenn man auf einen wichtigen Anruf wartet, ist das natürlich was anderes). Ich finde es recht schade. Ich unterhalte mich liebend gern mit Leuten wenn ich sie sehe, und finde „Gespräche“ über Whatsapp einfach müßig. Hoffentlich kommt irgenwann der Punkt, wo die Gesellschaft erkennt, dass es so nicht weiter gehen kann und wir einen Smartphone-Knigge brauchen 😉
    Ich hab dich für den Liebster Award nominiert https://stylevisions.wordpress.com/2015/05/09/liebster-award/ vielleicht hast du Lust, die Fragen zu beantworten 😉

  17. Sophie, ich bin froh, dass ich beide Zeiten erleben konnte. Sogar die, als es noch keine Computer und E-Mails gab. Und auch erinnere ich mich gerne an die Telefonzellen, in die man immer die 10-Pfennig-Stücke nachwerfen musste!!
    Dir einen schönen Feiertag.
    LG
    Sabine

  18. Ich bin über 40 und kenne es daher noch mal anders, eben auch aus der Zeit vor jeglichen Handys. Damals hat man sich ziemlich bewusst verabreden und sich auch möglichst klar über den Treffpunkt äußern müssen. Aber damals hat das auch keiner als Problem empfunden, das war einfach so.
    Heute werden Flexibilität und Spontaneität oft zum Maß aller Dinge, was ganz schön anstrengend sein kann.

    Für mich spannend zu hören, dass nicht nur ich, sondern auch jemand mit 19 die Unverbindlichkeit in der Smartphone-Welt wahrnimmt und es sich anders wünscht.
    Und wie gesagt, es geht auch anders. Es ist glaube ich nur eine Frage der Zeit, bis sich der Trend umkehrt. 🙂

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: