Abschalten. Aber doch nicht das Handy!

In einer Welt, in der das gesprochene Wort wenig zählt, in der man jederzeit Katzenvideos ansehen, Freunde kontaktieren, die Nachrichten lesen, Klatsch und Tratsch verfolgen und das Leben der Stars betrachten kann – müssten unsere Augen nicht wegen durchgemachter Nächte wie Feuer brennen?

IMG_1532Jederzeit können wir uns über die Themen, die uns interessieren weiterbilden, zum Beispiel durch das Lesen von Artikeln, die man direkt durch Google abrufen kann. Wann immer wir wollen können wir mit Menschen auf der ganzen Welt über Face Time oder Skype in Echtzeit von Angesicht zu Angesicht in Kontakt treten. Bei jeder Tag- und Nachtzeit ist es uns gestattet Filme und Musik aus aller Welt zu erwerben und uns zu Gemüte zu führen. Wir können prinzipiell alles, was wir wollen, mit ein wenig Geld innerhalb von wenigen Sekunden zu unserem Eigentum machen, ob geistig oder materiell.

Wahrscheinlich ist genau das, was das Internet für uns Menschen so unglaublich interessant macht. Wer kennt es nicht: man wollte mal eben ein Rezept aus dem Internet suchen und landet auf den Neuigkeiten über Kate und Williams Neugeborenes. Oder man wollte nur mal eben das Lieblingslied auf Youtube anhören und dann lernen, sitzt jedoch nach 2 Stunden noch immer vor dem Laptop und sieht sich Videos von Menschen an, die man möglicherweise nicht einmal mag? Man verschwendet mehrere Stunden des Tages auf Internetseiten, wobei das meist lediglich aus Gewohnheit oder Langeweile geschieht. Aber trotzdem legt man sich jeden Abend schlafen und hat Gewissensbisse, seine Tagesziele nicht erreicht zu haben und fragt sich wohin die ganze Zeit verschwunden ist.

Und wie immer wenn ich ein Problem entdecke, frage ich mich doch unweigerlich, wie ich etwas dagegen könnte. Man kann wegen der ständig von Arbeitgebern und Freunden geforderten Erreichbarkeit schlecht Zeiten für die Nutzung des Smartphones festlegen! Was ich persönlich auch nicht wollen würde. Eine Armbanduhr statt des Handys zu benutzen, hat mir schon deutlich beim Zeitsparen geholfen, obwohl die meisten ihre Uhren nur als Accessoire zu benutzen scheinen. Zu meinen Arztbesuchen und zu langen Zugfahrten nehme ich mir immer kleine interessante Bücher (oft Reclam, da günstig und klein) mit, um zumindest etwas zu tun, was mich wirklich interessiert, wenn ich sowieso warten muss. Nachts wird das Smartphone selbstverständlich komplett ausgeschaltet. Wer wichtig genug ist kennt die Nummer des Festnetzes, wer nicht kann bis zum nächsten Morgen warten.

Wer in oder vor den 90-ern geboren ist kann zumindest einschätzen, wie ein Leben ohne Dauerbeschallung und Erreichbarkeit sein kann, wofür ich echt sehr dankbar bin. So kann man besser einschätzen, welche Dosis an Medien man braucht und wann es auch einmal reicht. Kinder, die einige Jahre nach mir geboren wurden, haben oft das Problem, sich ohne Medien gar nicht mehr selbst beschäftigen zu können, fast krankhaft nicht mehr abschalten zu können. Die Faszination und Überreizung ist einfach zu groß – und kann man ihnen das vorwerfen?

PS:Übrigens bin ich jetzt auch auf Pinterest unterwegs, für diejenigen, die es auch nutzen oder einfach an meinem Leben interessiert sind und nicht gerade abschalten müssen, bin ich zu finden unter:

Sophia`s Pinterest

Denn hier gehts ganz einfach auch einmal ohne Worte.

PPS: Schreibt mir doch auch gerne einen Kommentar, ob ich nicht einmal Bücher vorstellen oder rezensieren soll?!

20 Kommentare zu „Abschalten. Aber doch nicht das Handy!

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  1. Willst du dann Reclambücherrezensionen schreiben 😉 Ich finde, für Rezensionen gibt es schon genug Blogs 🙂
    Ich bin manchmal ganz erstaunt, wenn ich doch mal eine Tätigkeit finde, bei der es mir nicht in den Fingern juckt, aufs Handy zu schauen.
    Am besten ist Urlaub im Ausland, ohne Empfang, ohne Roaming, ohne WLAN. Mit einem guten Buch und einem Zelt im Rucksack. Wenn man abschalten möchte. Ab und zu tut mir das sehr gut. Und als ich dann nach drei Wochen wieder Internet auf dem Handy hatte, waren da genau drei neue Nachrichten, im Gruppenchat, nicht an mich persönlich.

      1. Ich habe auch überhaupt nichts gegen Reclamhefte und auch nicht grundsätzlich gegen Rezensionen. Ich lese sie aber einfach nicht (Rezensionen, Reclamhefte schon), genauso wie Klappentexte. Ich glaube, sie machen dem Schreiber mehr Spaß als dem Leser 🙂 Finde es aber als Lesetagebuch für einen selbst durchaus sinnvoll. Kannst ja so einen „Nebenblog“ ausmachen und ihn „Sophielesen“ nennen 🙂

  2. Oh, das kenne ich nur zu gut! Ich erinnere mich oft zurück an die Zeit (ich bin ein Kind der Achtziger) in der man noch faxte, Termine ausmachte und sie nicht kurz vorher per whatsapp absagte etc. …
    Schön, dass du dir auch darüber Gedanken machst!

  3. Das Problem ist nicht das Smartphone selbst, sondern derjenige, der auf das Display starrt. Ich mag mein Smartphone, sehr sogar, kann es mir doch oft mit der guten Kamera oder dem GPS gute Dienste leisten. Auch das Checken von E-Mails oder dem Kontostand sind fantastische Erleichterungen, nur tue ich das wenn nur bei Bedarf. Mein Display wird so 3-4 Mal am Tag angesehen, dann ruht das Technikwunder wieder.
    Beim Blick auf andere Nutzer frage ich mich jedoch immer häufiger, was die eigentlich die ganze Zeit ansehen? Mails, Kontostand oder den Weg nach Hause bestimmt nicht. Es wird nicht geredet, es wird über Nachrichten kommuniziert. Das hat sich inzwischen so sehr in die Köpfe gebrannt, dass ein Telefonat in der Öffentlichkeit mehr als Störung als für normal gehalten wird. Darum genießt das Smartphone, lasst Euch aber nicht das Leben davon diktieren. In wenigen Minuten passiert nicht viel, man muss nicht immer auf irgendwas warten, was das Gerät mir anzeigen kann. Löscht alle Spiele, sie lenken nur ab. Installiert nur die Apps, die ihr am Tag auch mindestens ein Mal nutzt, der Rest kann weg. Checkt morgens, mittags und abends manuell eure Mails, so habt ihr die Kontrolle wann Euch was mitgeteilt wird.
    Und zu guter letzt: Wenn ihr nicht panisch werdet, wenn ihr das Handy mal zu Hause vergesst und es nicht juckt es erst abends wiederzuhaben, habt ihr kein Problem !!!

    1. Sehr gute Einstellung! Alles in Maßen. Und wenn wir merken, es wird zu viel, sind wir auf dem besten Wege, einen Gang zurückzuschalten. Zumindest sollten wir das 😉

  4. Schöner Text… Ich bin ein Kind der 80iger und stolz darauf 😉 Wobei ich mir heute auch nicht vorstellen kann wie man früher ohne Navi den Weg gefunden hat… Unglaublich auch wie viele Stunden ich vor dem Radio verbracht hab, in der Hoffnung den Lieblingssong irgendwann mal aufnehmen zu können (auf Kassette natürlich) 😉 Aber irgendwie gehört das zur Gegenwart dazu, ich hab mich lange gegen die Smartphones gewert, letztendlich ohne Erfolg…

  5. Es trägt eine gewisse Ironie, dass ich diesen Text in der Öffentlichkeit und auf dem Smartphone lese 😀
    Grundsätzlich hast du schon recht… ich merk das oft selbst an mir.

  6. Liebe Sophie,
    mir gefallen deine Texte gut und von Mal zu Mal immer besser. Weiter so. 🙂
    Mit diesem Artikel hast du mir sehr aus der Seele gesprochen, weil ich momentan auch ständig abgelenkt werde im Internet von dem, was ich eigentlich tun wollte. Ich würde mich sehr freuen, zu erfahren, welche Bücher dir gut gefallen haben und vor allem auch, welche dir weitergeholfen haben in deiner Entwicklung.
    Ich lese selber auch sehr viel; in letzter Zeit hauptsächlich Selbsthilfeliteratur, aber ich mag auch Bücher, die mich von fernen Ländern träumen lassen. Besonders mag ich auch die Bücher von Sergio Bambaren, einem „Träumer“, der sein Leben lebt und es genießt.

    1. Danke, also ich glaube nicht, dass wir den selben Büchergeschmack haben aber an Ratgebern kann ich glücklich sein von Sonja lyumbomirsky empfehlen. Habe gerade die drei Teile von die Bestimmung gelesen und bin jetzt Wedekinds „Lulu“

      1. Vielen Dank. Der Ratgeber klingt interessant, und den dritten Teil von „Die Bestimmung“ konnte ich auch finden, er klingt spannend. Vielleicht sind unsere Buchgeschmäcker doch gar nicht so verschieden, wie du denkst. 🙂 Allerdings klingt die Buchbeschreibung für Lulu, die durch ihre Verführungen haufenweise Männer ruiniert, wirklich nicht nach meinem Geschmack, denn ich lese Bücher, mit denen ich mich in irgendeiner Weise identifizieren kann, und das war niemals mein Ziel und wird es auch nicht sein. Aber es gibt sicherlich auch noch andere Gründe, aus denen Menschen Bücher lesen, und es ist ja gut, daß die Geschmäcker verschieden sind. 🙂

        Gut gefallen hat mir eine Buchreihe, die vielleicht auch nach deinem Geschmack sein könnte:
        Die Pellinor-Saga: 1. „Die Gabe“, 2. „Das Rätsel“, 3. „Die Krähe“ und 4. „Das Baumlied“.

  7. Fluch oder Segen? Ich denke das können erwachsene Menschen selbst entscheiden.

    Ich schalte mein Handy JEDEN Abend aus, bin dann weder via Messanger, Internet oder Telefon erreichbar. Mein Festnetz habe ich schon lange gekündigt. So sind mir ungestörte Abende und absolut entspannter Schlaf sicher.

    Forschungen nach können Menschen bei ständiger Erreichbarkeit nicht richtig abschalten. Ein Auge klebt immer am Display. Das Unterbewusstsein achtet immer auf ein mögliches Signal des Smartephone. Das bedeutet Anspannung, unsere Aufmerksamkeit wird ununterbrochen auf eine Sache gebündelt. Das ist das genaue Gegenteil von Entspannung.
    Als ich feststellte, dass ich ein ungutes Gefühl hatte, weil ich mein Handy vergessen hatte, war dies ein Warnsignal für mich. Abhängig von einem kleinen Quasselkasten?

    Welche Nachricht könnte so wichtig sein, dass sie mich noch in der Nacht erreichen muss? An Unfällen oder anderen Ereignissen ändert sich nichts. Millionen Jahre lang haben Freundschaften funktioniert, ohne dass man zu jeder Zeit erreichbar war. Am nächsten Morgen/Tag bleibt noch genügend Zeit, um zu reagieren bzw. zu antworten. Meist erhalten wir um 01:00 Uhr eh nur Smaltalk oder witzige Videos von gelangweilten Personen.

    Meinem Umfeld ist bekannt, das ich mein Telefon in der Nacht abschalte. Das hat noch nie zu einem Problem geführt. Ich kann mein Smartphone jetzt auch mal liegen lassen, ohne das ich Entzugserscheinungen bekomme. Mein Leben ist nicht auf stetige Erreichbarkeit hin ausgerichtet.
    ÜBRIGENS:
    Ich blogge, chatte, poste und surfe mit meinem Handy und Tablet. Allerdings schaffe ich mir auch am Tage Freiräume. Ich muss nicht jeden LIKE, jedes Video und jede Nachricht sofort kommentieren. So bleibt mir Zeit für Freunde, mich selbst und für ungestörtes NIX-TUN. Dieser Luxus ist so viel wertvoller als der, ständig und für jeden Mist erreichbar zu sein.

    Wer behauptet, ständig erreichbar sein zu müssen … bei dem ist das dann halt so. Veränderungen fangen im Kopf an. Schließlich findet der, der etwas möchte Wege. Die anderen finden immer Gründe.

    Lg
    Uwe

    1. Dem kann ich nur zustimmen. Ich lasse mein Handy und Laptop jetzt nachts aus dem Schlafzimmer, weil ich sonst nicht zur Ruhe komme. Dafür lese ich sehr gerne abends im Bett, kann aber dann auch gut einschlafen.

  8. Pinterest … da kann man auch eine Menge Zeit verlieren, aber es macht Spaß. Ich habe nur irgendwann gemerkt, dass ich dort massenhaft Dinge sammele, die ich mal machen möchte, es aber kaum tue, da ich meine Zeit mit Suchen und Neuentdecken verbrachte. Da habe ich jetzt einen Riegel vorgeschoben – war tagelang schon nicht mehr auf Pinterest, allerdings fehlte mir auch in den vergangenen Wochen die Zeit.

    Ich habe mehrere Jahre Farmville gespielt. Als ich damit aufhörte (es kostete inzwischen einfach zu viel Zeit und war ja eine völlig sinnfreie Beschäftigung) lief ich anfangs in der gewonnenen Freizeit im Haus umher und überlegte, was ich tun sollte. Ich hatte plötzlich gar keinen Zeitdruck mehr, keinen Stress. Schön verrückt, was man mit sich machen lässt. Inzwischen nutze ich die Zeit zum Lesen, zum bewussten Entspannen, Schreiben usw. und verbringe viel mehr Zeit mit meinem Hund. Ich kann es gar nicht mehr fassen, wie ich mehrere Stunden täglich mit so einem Web-Spiel verbringen konnte. Das Internet kann schon eine echte Suchtfalle sein. Mit Handy-Erreichbarkeit hatte ich da nie ein Problem. Nur die, die mich erreichen wollten 😉

  9. Wir haben uns immer mehr denaturiert. gesund leben können wir nur natürlich, alles andere macht uns Menschen auf irgendeine Weise krank. Ich finde es toll, wie du versuchst dich dahingehend zu verändern. Es ist nicht schwierig wenn du deine Glaubens- und Gedankenmuster ablegst. Wann musst du wirklich erreichbar sein? Ist es nicht eher eine Verlegenheitslüge. Wir werden uns dahingehend zurück entwickeln, da wir heute wissen wie Schwingungen wirken und das z.b. Handys diese beeinflussen. Liebe verbindet viel inniger als jedes Netzwerk in welcher Form auch immer… ❤ lichst, alles beste

  10. Diese ständige Erreichbarkeit hat mich selbst schon krank gemacht und Freundschaften zerstört. Kenne auch das wie von einem Vorredner angesprochene Phänomen des Gruppenchats. Im Grund haben wir alle Möglichkeiten, aber wissen mittlerweile gar nicht mehr wohin. Waren die Leute früher ohne dauernde Beschallung und Möglichkeitsfeed besser dran und durch eine gewisse Richtung vielleicht auch freier in ihrem Denken. Zu der neuen Technik kommt ja auch das völlig natürlich Verhalten des Menschen sich anderen mitteilen zu wollen. Dann gibt es schon ab und an einen Wettstreit darum, wer die Aufmerksamkeit jetzt bekommt im Medium der Wahl. Instant-Messenger haben viel Platz in der zwischenmenschlichen Kommunikation eingenommen und verändert. Verkürzte Aufmerksamkeitsspanne und ein anderes Verhältnis zu Menschen ist die Folge daraus. Man könnte natürlich sagen damals war alles besser, aber das wäre vermessen. Mehr sowas wie. Es ist anders und ob gut, dass merkt man schon selbst, wenn man damit nicht mehr klarkommt und sich etwas anderes wünscht. Das liegt aber an jedem selbst.

  11. „Wer in oder vor den 90-ern geboren ist kann zumindest einschätzen, wie ein Leben ohne Dauerbeschallung und Erreichbarkeit sein kann“
    Danke, da fühle ich mich gleich etwas weniger alt.
    Wobei mir da neulich was aufgegangen ist: Seit einiger Zeit wird ja schon zwischen „digital natives“ und „digital immigrants“ unterschieden, anhand einer Alterskohorte (wir fallen lt. Parameter Geburtsjahr beide zu den „natives“), aber ich glaube, das ist unvollständig, weil es mittlerweile auch „social web natives“ (so ca. ab 2000) und entsprechende „immigrants“ (vorher, wir eben, für die es ein Leben vor FB gab) gibt.
    Ranga Yogeshwar („Quarks und Co“) meinte mal, die Informationstechnik habe sich schneller entwickelt, als wir damit umzugehen gelernt haben, sodass wir jetzt nachholen müsen. Ich denke, er hat Recht, bin aber auch zuversichtlich, dass die Jungschen das schon schaukeln werden (wir sind ja am Farbfernseher auch nicht gestorben).

    Und ach ja: Sophielesen! Sehr dafür. Klar kann man Rezis auch googlen, aber das sind ja immer nur die Bücher, deren Existenz man selbst mitbekommen hat, und wenn ich schon an jemandes Gedankenkreis interessiert bin, interessieren mich doch eventuell auch die Bücher, die Du kennst und ich noch nicht (und ohne solche Gelegenheitsfunde über Bande hätte ich einiges sehr viel schwerer gehabt).

    Liebe Grüße
    Sba

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