Über die Kontraproduktivität der Ernährungsextremisten. #MauleMittwoch 3

Schon einmal von Ernährungsweisen wie Frutariern, Freeganern und Pescetariern gehört? Das sind quasi ähnlich alternative Ernährungsarten wie Vegetarier und Veganer, wobei Frutarier die wohl extremsten unter den Extremernährern sind. Sie essen nämlich vegan, jedoch dürfen die Lebensmittel keine Pflanzen zerstören.

Der Grundgedanke bei Vegetariern und Veganern ist wohl, dass man allen Tieren ein langes und glückliches Leben ermöglichen möchte und keines, dass aus Massentierhaltung, Mästen und einem qualvollen Tod besteht. Diese Einstellung ist durchaus verständlich und moralisch vertretbar und ich persönlich habe großen Respekt vor der Selbstbeherrschung und generell der Entscheidung, ein Leben lang auf Fleisch zu verzichten. Nach einer Art traumatischem Ereignis am Meer, als ich sterbende Fische gesehen habe, habe ich mich ebenfalls zu einem Selbstexperiment entschließen können.

Mein Entschluss: möglichst wenige tierische Produkte und kein Fleisch oder Fisch konsumieren. Zeitraum: so lange wie möglich. Mein Scheitern: nach 6 Wochen, als mein Bruder, um mich zu testen, Döner und Pizza bestellte. Folgen: große Enttäuschung und eine miese Bilanz. In diesen 6 Wochen ist es mir nicht besonders schwer gefallen auf Fleisch zu verzichten, so lange ich leckere alternative Produkte als Ausgleich hatte. Ich versuche immer noch möglichst wenig Fleisch und Fisch zu mir zu nehmen, wobei die Motivation seit dem gescheiterten Selbstversuch deutlich gesunken ist. Damals habe ich es versucht, weil ich selbst davon überzeugt war, dass es notwendig und richtig ist, für den Tierschutz und auch, da der Verzehr von Fleisch tatsächlich sehr umweltschädlich ist.

Einige Monate später kam (während der Schulzeit) ein neues Mädchen in meine „Klasse“. Ziemlich Alternativ: mit Sidecut, Sojashake in der Hand, Piercings, riesigem Lidstrich und sehr weiten, gemusterten Kleidungsstücken. Normalerweise hätte ich mich wahrscheinlich nicht mit ihr angefreundet, da sie sich jedoch neben mich setzte und wir sofort ins Gespräch kamen, haben wir uns doch irgendwie gut verstanden. Sie war sehr nett, hatte ähnliche Hobbies, erzählte jedoch schon in ihrem dritten Satz, dass sie überzeugte Veganerin ist. In diesem Moment hörte es sich an, als wolle sie sich durch diese Aussage in irgendeiner Weise vor mir profilieren: „Schaut her ich bin Veganer und lebe deutlich besser und kontrollierter als ihr alle zusammen!“

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder das Leben leben sollte, dass ihn glücklich macht, wobei man natürlich niemals das Leben von anderen Menschen in irgendeiner Art und Weise beeinflussen oder gar beeinträchtigen sollte. Genau das war das Problem, womit ich und das eben genannte Mädchen gekämpft haben, denn bereits nach einigen Tagen fragte sie mich, warum ich denn kein Veganer oder zumindest Vegetarier wäre. Das Gefühl, sich für den eigenen Lebensstil rechtfertigen zu müssen, gerade wenn man mit diesem eigentlich zufrieden war, ist ein furchtbares. Leben und Leben lassen.

Ich bin bereits auf verschiedene Menschen getroffen, die gerade im Bezug auf die Ernährung geglaubt haben, mir ihre Einstellung und den Lebensstil aufzwängen zu müssen. Was auffällt: Gerade beim angestrengten Versuch, Menschen umzustimmen, geht genau das nach hinten los. Die Menschen reagieren genervt, fühlen sich unter Druck gesetzt und machen genau das Gegenteil. Daher an alle „Ernährungsextremisten“ lebt einfach eure Philosophie so aus, wie ihr es für richtig haltet und wenn ihr dabei eine gewisse Zufriedenheit ausstrahlt inspiriert ihr vielleicht trotzdem einige dasselbe zu tun.

31 Kommentare zu „Über die Kontraproduktivität der Ernährungsextremisten. #MauleMittwoch 3

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  1. Und geht das ganze auf den Keks. Wenn man ne Wurst isst und die Gutmenschen wie gewisse Veganer einen angewidert ansehen. Das hat heute manchmal mehr mit sozialem Statusdenken zu tun als mit dem Grundgedanken 😳

  2. „wobei man natürlich niemals das Leben von anderen Menschen in irgendeiner Art und Weise beeinflussen oder gar beeinträchtigen sollte“
    Da würde ich vehement widersprechen! Meiner Meinung nach sollte man für das, wovon man überzeugt ist, einstehen und in manchen Fällen darüber hinausgehen. „Kein Fußbreit den Faschisten“ sage ich da mal als Beispiel.
    Was Du hier allerdings kritisierst, würde ich ebenso kritisieren. Da geht es nicht darum, anderen die eigene Überzeugung nahezulegen und zu erklären (ergebnisoffen, versteht sich).
    Was Du meinst, ist der Versuch zu missionieren. Das ist leider das liebste Hobby aller Dogmatiker, seien das nun Veganer, Katholiken, Fußballfans, Nichtraucher, Autofahrer, Hundebesitzer oder was auch immer.
    Was ich aus Deinen Gedanken gelesen habe ist letztlich „Überzeugungen, gerade ethische und moralische, sind eine super Sache. Werden sie aber zu Dogmen hört der Spaß auf.“
    Das würde ich voll und ganz unterschreiben.

    1. “Kein Fußbreit den Faschisten” – Ich hoffe doch, Du meinst Verteidigungshandlungen (wo man meinetwegen auch Gegendemos und „zufällige“ Marschblockaden einordnen könnte)? Ansonsten bräche hier demnächst die Hölle los, wenn wir anfingen, Leute anzugehen, bei denen uns die Buttons auf der Jacke (oder noch schöner: das Jackenlabel) suspekt vorkommen…Moment, das habe ich ja bei jedem Spiel gegen Dynamo vor der Haustür…

      Ansonsten würde ich Deinen Beitrag bedenkenlos unterschreiben (vorausgesetzt, Du meinst mit „Dogmen“ das, was heute allgemein darunter verstanden wird, aber ich denke, davon kann man ausgehen)

      1. Ich bezog mich da auf Sophias Aussage, man solle niemandem in seinen Lebensentwurf hineinpfuschen. Das sollte man meiner Meinung bei Rassisten und anderen Faschisten allerdings durchaus versuchen. Damit meine ich mitnichten, dass man zu körperlicher Gewalt oder anderen strafbaren Handlungen greifen sollte.

  3. Wer auf den eigenen Körper mit seinen Bedürfnissen hört, spürt auch was dieser gerade braucht! Ob Fleisch, Fisch oder auch nicht, sich wohl zu fühlen sollte an 1. Stelle stehen. Nur wenn ich mich für Fleisch oder Fisch entscheide dann stehe ich in der Pflicht dem Lebewesen den Respekt erweisen und es ganz verwerten. Ein schöner Artikel!

  4. Ich bin auch auf auf wenig Fleisch mittlerweile… Nicht freiwillig aber egal. Und ich hab auch schon genug moralisch überhöhte Gespräche erlebt von Menschen die sich durch politisch korrekte Ernährung profilieren wollen. Ja es nervt.

    Jemanden umzupolen indem man ein schlechtes gewissen einreden will ist arm…

  5. Ich habe in meinem Bekanntenkreis auch zwei Vegetarier – aber dass sie Vegetarier sind, merke ich immer nur dann, wenn ich sie bekochen will und feststelle, dass meine Rezeptesammlung zu 99 % aus Rezepten besteht, in denen zumindest ein bisschen Fleisch benötigt wird. Sie gehen also mit ihrer Überzeugung nicht hausieren.
    Aber ich kenne auch drei Personen, die auf einige Lebensmittel verzichten – und sich stattdessen mittags oder abends irgendwelche Pülverchen in Wasser auflösen. Und gerade die verspüren ein unglaubliches Sendungsbewusstsein und haben das Bedürfnis, das Essen der anderen zu beverurteilen. Koche ich mir sonntags einen Auflauf für zwei Tage, kann ich sichergehen, dass sie mir am Montag vorhalten, wie viele Kalorien ein Auflauf mit Käse und Sahne hat. Und neulich stierte die eine doch tatsächlich auf meinen Obstsalat und meinte: „Weißt du eigentlich, wie viele Kalorien der hat?!“ Da war ich wirklich kurz davor, meine gute Erziehung zu vergessen und ihr die Schüssel über den Kopf zu schütteln.
    Was ich meine, ist: Jeder soll das essen, was er essen will. Aber er soll mir bitte kein schlechtes Gewissen machen, wenn ich mal Lust auf einen Döner oder eine Tafel Schokolade habe. 😉

  6. Da ich allergisch auf Milchprodukte bin, habe ich mich desöfteren in veganen Foren bewegt um alternativen zu Milchprodukten zu bekommen. Ich wurde meist militant angemacht, warum ich gelegentlich ein Schnitzel esse.
    Mich hat das ganze meist genervt, immerhin hat jeder slebst das recht zu entscheiden, was er essen möchte und ich möchte mich nicht den ganzen tag mit meiner Ernährung beschäftigen, was einige dieser Menschen tun.
    Es gibt wichtigere Dinge im Leben als die Nahrungsaufnahme, was nicht heißen soll, das man alles essen sollte, was einen vor den Mund kommt.
    Danke das du das ähnlich siehst wie ich, jeder sollte selbst seine Entscheidungen treffen.

  7. Was die meisten Leute hier denke ich vergessen ist, dass es in beide Richtungen geht. Es gibt militante Fleischesser und militante Veganer. Ich sage Leuten inzwischen nicht mehr, dass ich vegan lebe, weil ich mich dann ständig rechtfertigen muss.

  8. Mir ist es völlig egal, wer sich wie ernährt, meintwegen auch von Steinen – aber ich kann es nicht mehr hören, mich ständig dafür rechtfertigen zu müssen, auf meinem Brot Käse zu haben oder sogar eine Scheibe Fleisch. Leben und Leben lassen, wunderbar treffend formuliert.

  9. Missionierung ist scheiße! Ich bin nicht umsonst aus dem Dogmaverein katholische Kirche ausgetreten und auch ansonsten lehne ich Dogmen ab!

  10. ich esse auch größtenteils vegan, weil ich der meinung bin, dass massentierhaltung und industrieller fischfang nicht gut für mensch und umwelt sind, lasse das aber nicht raushängen und mache auch schon mal ’ne ausnahme.
    das problem bei der sache ist ja sowieso, dass nicht mal absolute hardcore veganer wie z.b. die oben genannten frutarier, die nicht mal pflanzen schädigen möchten, es auch nicht zum perfekten „gutmenschen“ schaffen können. denn auch sie benötigen kleidung und alltagsgegenstände. und wenn diese nicht aus baumwolle, seide, leder etc. sein dürfen, weil durch jene materialen ja auch tiere ausgebeutet werden bzw. dafür sterben müssen, bleibt nur kunstfaser bzw. plastik. und was das mit unserer umwelt, den meeren und somit wiederum dem lebensraum der tiere bzw. den tieren selbst anstellt ist ja hinlänglich bekannt!
    was also tun? der beste kompromiss ist somit wahrscheinlich möglichst wenige ressourcen zu verbrauchen, auf unnötiges zu verzichten und auf die herkunft und produktionsbedingungen bei nahrung und gebrauchsgegenständen zu achten – einfach bewussten konsum betreiben!

  11. Ganz genau! Ich kann es überhaupt nicht leiden, dass viele Veganer oder Vegetarien etc. „normal“ essende Leute zu Diskussionen provozieren wollen, warum sie Fleisch essen. Meiner Meinung nach sollte das jeder selbst entscheiden, ich persönlich esse nicht so viel Fleisch, weil mir zu viel einfach nicht schmeckt. Mein Freund würde am liebsten fast nur Fleisch essen, ist ja auch okay, solang er mich nicht dazu zwingt, mitzuessen.
    Aber am schlimmsten finde ich diejenigen, die ihre Kinder zu solch einem Lebensstil zwingen! Veganer oder Vegetarier aus Überzeugung zu sein ist ja okay und akzeptabel, aber seine Kinder genauso zu ernähren, die ja noch keine eigene Entscheidungsfähigkeit haben, ist meiner Meinung nach grausam und schlichtweg unverantwortlich! Schließlich enthält Fleisch auch wichtige Eiweiße und Vitamine, die man ohne es durch Lebensmittelersatzprodukte einnehmen muss. Und Vitamintabletten zu nehmen ist garantiert nicht gesund! Aber naja, das ist meine Meinung. Ich werde versuchen, mein Kind so gesund und ausgewogen zu ernähren wie möglich. Und ich persönlich finde, dass dazu auch ein bisschen Fleisch gehört.

    1. Ein Vegetarierer würde umgekehrt argumentieren und dir eventuell Fahrlässigkeit bei der Ernährung deiner Kinder vorwerfen. Wenn ich von etwas überzeugt bin, möchte ich auch meine Kinder in dieser Überzeugung aufziehen.

  12. Ganz auf Fleisch verzichten kann ich vielleicht nie. Mal sehen wie ich mich weiter im Leben schlage. Aber seit ich weniger Fleisch und Wurst esse, geht es mir körperlich viel besser.
    Trotzdem würde ich nie versuchen andere zu missionieren. Der Erkenntnis wird meist mehr Gewicht verliehen, wenn man diese selbst macht.
    Danke für deine Gedanken!

  13. Deinen letzten Absatz unterschreibe ich sofort.
    Ihr dürft vegetarisch, vegan oder gar nix essen…. nur nervt mich nicht damit. Ich versuche auch niemanden klar zu machen, dass ich auf Fleisch nicht verzichte.

    Schlimm sind in meinen Augen diese Extremmütter, die sogar Kleinkindern ihren Stil aufzwingen. Die Kleinen brauchen bestimmte Dinge, denn der Mensch ist ein Tier… ein Allesfresser. Die Kleinen können sich nicht mal dagegen wehren.
    Genauso übel: Hunde und Katzen, die vegetarisch ernährt werden… weil es „in“ ist oder warum auch immer. Das sind TIERE! Die Natur hat sich was dabei gedacht, als sie Fleisch fressende Tiere erschaffen hatte.

  14. Also ich bin seid Anfang des Jahres endlich Vegetarierin. Meine Mutter hatte es mir vorher immer wieder ausgeredet.
    Also ich bin hauptsächlich Vegetarierin, weil ich es nicht will, dass Tiere extra „ermordet“ werden, nur damit wir was zu essen haben. Also Fleosch fehlt mir jetzt nicht unbedingt, aber diesen deftigen Geschmack hat mir Anfangs gefehlt. Doch noch einer Zeit bin ich auf Tufo gekommen. Also Fleischersatz und es ist echt lecker.
    Was ich jetzt so bei mir festgestellt war, dass ich wirklich wie eine Vegetarierin benehme. Also ich hasse über alles, wenn Leute über so Sachen reden, die genau Vegetarier/ Veganer nicht hören wollen.
    Es gibt ja den Witz : „Woran erkenntst du einen Vegetarier/ Veganer? – Er erzählt es dir. “ Ja und der stimmt wirklich. Du hast es ja schon oben auch geschrieben mit der Freundin. Bei mir ist es auch so 😂.

  15. Leider neigen wir Deutschen gerne dazu als Besserwisser andere zu belehren. Jeder soll seinen eigenen Weg gehen, außer der ist intolerant. Dann muss Stellung bezogen werden – ohne falsche Kompromisse!

  16. Wenn mir ein extremer Ernährungsmissionar begegnet sage ich das ähnlich:“ Wenn du mit ähnlicher Liebe und ähnlichem Respekt mit den Menschen wie mit den Tieren umgehen würdest, dann wäre es schön, dir zuzuhören. Da aber das Gegenteil der Fall ist, fühle ich mich gerade irgendwie nicht so angesprochen von deinen Worten.“
    Das schreibe ich auch manchmal auf Facebook unter aggressive Kommentare, in denen Menschen fordern „die unterbelichteten Sch***-Leichenfresser mögen alle umgebracht werden.. 😁

  17. Ich bin der Meinung, dass Fleisch in Maßen gegessen werden sollte. Ich finde es absolut abstoßend bei netto die Hähnchenpackungen für einen Spottpreis zu sehen. Das war nicht immer so. Fleisch war mal ein sonntagsessen und nun ist es einfach ein massenprodukt.

  18. Ich halte die Themen „Ernährung“ und „Gesundheit“ in gewisser Weise für pseudo-politisch – bestens geeignet, um sich den ganzen Tag am Ende mit sich selbst zu beschäftigen.

  19. mhh also ich lebe ja vegan mit ausrutschern. ich sage nur ausflug zur nordsee und backfischbrötchen. ich bin einfach mal gegen eine extrem strenge auslegung, da gehen mir selbst andere veganer auf den keks. jeder so, wie er kann und will. ich habe spaß dran und fühle mich gut damit. solange mir keiner ein steak vor die nase hält, stört mich auch alles andere nicht. was mich aber stört, und das passiert mir häufig, sind die menschen, die sich erstmal als omnivoren rechtfertigen müssen, sobald sie hören, dass ich vegan lebe. da kriege ich dann fast nen lachkrampf. ich sage nur leben und leben lassen. esst doch alle wie es euch gefällt 🙂

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