Streik.

Ich streike. Ich gehe jetzt einfach nicht mehr zur Uni. Laut meinem Stundenplan müsste ich vier Tage die Woche von 8-19 Uhr und an einem Tag bis nachmittags in der Hochschule sein. Dazu kommen freiwillige Tutorien, die für den Erfolg in den Prüfungen von erheblicher Bedeutung sind, nebenbei arbeiten diejenigen, die nicht die restliche Zeit mit pendeln verbringen müssen. Für die gesamte Arbeit, die man für ein einziges Semester leistet – die Stunden der Verzweiflung vor dem Laptop, die Lerngruppendiskussionen über die klausurrelevanten Themen und die Kämpfe mit dem inneren Schweinehund – bekommt man natürlich keine Vergütung.

Sollte man doch als Student die spätere Elite bilden, so muss man sich in dem Vorstadium erst einmal mehr zusammenreißen, als alle anderen. Immer wieder bereue ich, nicht doch eine Ausbildung begonnen zu haben, bereits mein eigenes Geld zu verdienen und IMG_1637selbstständiger zu werden. Nein, das Geld muss man sich in einem möglichst flexiblen, verantwortungslosen und stupiden Job erarbeiten – neben der Lernerei, möglicherweise privaten Problemen und natürlich dem pendeln/Fahrten in den Heimatort.

Inspiriert für mein Tun wurde ich natürlich von den Geschehnissen der vergangenen Wochen. Während der Streik der Erzieher noch deutlich verständlich ist, in dem es sich unter Anderem darum dreht, dass Erzieher in höhere Tarifstufen eingruppiert werden sollen. Erzieher sind unglaublich wichtig für unsere Gesellschaft, wenn man bedenkt, welch eine große Verantwortung sie tragen und wie anstrengend die Arbeit mit Kindern auf Dauer sein kann, da es natürlich auch eine Tätigkeit ist, mit der man sich in seiner Freizeit beschäftigt. Einige Kinder verbringen eben leider auch mehr Zeit mit ihren Erziehern, als mit ihren eigenen Eltern.

Doch der Streik/ die Streiks, der wohl in der letzten Zeit die meisten Menschen beeinflusst hat, war wohl der, der GDL. Wenn man sich vorstellt während des Streiks noch mündliche Abiturprüfungen oder wichtige Geschäftstermine zu haben und auf verschiedene Zugverbindungen angewiesen zu sein. Auch wenn die Gründe des Streiks durchaus verständlich sind, da es um kürzere Arbeitszeiten, weniger Arbeitsbelastung und generell die bessere Organisation geht, so muss man doch auch die Tatsache beachten, dass beide Seiten des Streiks sehr sturr und wenig kompromissbereit sind. Es ist nun einmal nicht der erste Streik und es gibt andere Berufe, in der Menschen einer größeren Belastung ausgesetzt sind, in denen das Verhältnis zwischen Lohn und geleisteter Arbeit ungerechter sind.

Natürlich sollte man, wenn man gerne liest, auch Ironie aus Beiträgen herauslesen können, nehmt daher also den Beginn des Beitrages nicht zu ernst, trotz allem sollte man immer versuchen Sachverhalte in Relation zu vergleichbaren Situationen zu setzen.

18 Kommentare zu „Streik.

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  1. Super Beitrag, kann dich da voll verstehen 🙂 Ich habe auch schon oft überlegt, ob eine Ausbildung mit Geld verdienen nicht besser für mich gewesen wäre. Man lernt nicht nur das theoretische, sondern wendet es auch an. Und natürlich man verdient Geld. Vor allem, weil die Dozenten an meiner Uni keinerlei Verständnis dafür haben, dass manche ( ich auch) neben dem Studium jobben müssen. Der Bachelor alleine reicht meist schon nicht mehr, also weiter mit dem Master. Bis man also richtig im Leben steht ist man weiter über Mitte Zwanzig. Also einfach weiter durchhalten 😉

  2. Kann dich total verstehen.
    Meine Schwester ist Erzieherin und die sagt, man bräuchte echt viel Geduld für den Beruf.
    Da ist das Geld schon etwas wenig. Nur leider kann meine Schwester nicht mit streiken, da sie nicht in einem staatlichen Kindergarten arbeitet und so nur an den Tarif angelehnt ist.

  3. Dann ist man mit dem Studium fertig und hat einen Haufen Bafög Schulden und keine Berufserfahrung. Der Azubi konnte in der Zeit sein Geld zurück legen, sich in der Firma hoch arbeiten, Haus kaufen und Kinder zeugen. Man selbst als Studi muss dann erstmal Praktikas machen und sich bewerben. So haben wir es erlebt. Wobei ich von meinem verdienten Geld nicht mal die Miete zahlen konnte, weil meine Privatschule so teuer war. Da war mein Mann mit der Uni besser dran und dann hat er auch noch überall Ermäßigungen bekommen. 😉

  4. Ich habe die ersten zwei Semester durchgeschuftet und mich voll gestresst. Jetzt sehe ich das alles entspannter und bummle weiter durch das Studium. Wenn du vor hast, schnell Geld zu verdienen, ist das wahrscheinlich was Anderes. Ich als Geisteswissenschaftler habe eh nicht so rosige Aussichten. Da kommt es auf ein Jahr mehr oder weniger nicht an. Ich glaube auch, dass oft die Nebenjobs wichtiger sind als das Studium selbst. Ich würde an deiner Stelle eine Stufe runterschrauben und das Studium genießen. Du wirst nie wieder so frei sein 😉

  5. Ich finde es auch echt bedenklich, dass das streiken langsam zu einem völlig gängigen Protestmittel wird. Ich kann die Unzufriedenheit zwar teilweise nachvollziehen, aber am Ende leiden doch die normalen Nutzer, Bahnfahrer etc. mehr als das dahinterstehende Unternehmen.

  6. Den Streik der Erzieher verstehe ich auch noch!
    Den der GDL finde ich inzwischen so lächerlich…
    Was ist mit den Gastro- Leuten und Alten-, sowie Krankenpfleger…die streiken auch nicht und reißen sich auf gut deutsch auch den Arsch auf. Werden unterbezahlt und leisten auch erhebliche Arbeit! Soll da einer mal noch durchblicken…so ein Chaos!

  7. Eine wunderbare Schilderung deines Alltags, ich dachte gerade nur: „Jupp, sie beschreibt exakt mein Leben“ – und ich denke es geht da nicht nur dir und mir so! Ich frage mich immer noch wer/wo eigentlich diese Studenten sind, die das schöne wilde Studentenleben führen, mit günstigen Lebenshaltungskosten, Ausschlafen, Partys, nix zu tun. Aber andersrum würde ich meinen Alltag auch nicht gegen einen Azubi-Alltag eintauschen, denen gehts sicherlich auch nicht viel besser, ähnlich wie den Erziehern &Co.
    Liebe Grüße!

  8. Das liebe Studentenleben. Dieses in der Schwebehängen, nicht wissen wo man später genau landet und sich durch Veranstaltungen zu wurschteln, bei denen man nicht mal zur Hälfte versteht, wie sie später zum Bestreiten meines Lebensunterhaltes beitragen sollen.
    Ich versuche mir den Stress etwas zu nehmen. Studiere ich eben ein/ zwei Semester länger. Versuche öfter tief durchzuatmen und das Leben zu genießen.
    Oder erst einmal zu fühlen. Hetzen durch den Alltag lässt uns kaum Erinnerungen für später erlangen.

  9. Oh ja! Deine Streikgedanken kann ich zu gut nachvollziehen! Wer auch immer mir heute sagt, dass das Studentenleben ja ein reines „Lotterleben“ = so entspannt und lockerleicht sei, der kriegt von mir nur zu gerne eine andere Belehrung. Ich hoffe, du hast jetzt nach Pfingsten auch ein paar freie Tage -so ist es zumindest bei mir an der Uni. Liebe Grüße! Miriam

  10. Ich kann dir nur sagen, dass du bestimmt besser mit dem Studium für dein Leben kommst. Ich habe eine Ausbildung gemacht und musste nebenbei trotzdem noch arbeiten weil das Gehalt ein Witz war (und das nicht als Frisörin oder auf dem Bau), ich konnte mich gerade so über Wasser halten. Das Studium bietet dir viel mehr Freiheit, du bist viel ungebundener und selbstständiger. Als Azubi hat man sich unterzuordnen und nicht jeder ist danach wirklich so gut auf die Arbeit vorbereitet (da Kaffee kochen etc.). Ein Studium wird dich auf Dauer bestimmt weiter bringen, du wirst irgendwann besser bezahlt und kannst deinen Kindern später viel mehr bieten, da lassen sich dann auch die Bafög-Schulden schneller abzahlen.

  11. Super Post! Ich weiss was du meinst, deshalb habe ich die Berufslehre eingeschlagen und hole nun in zwei Jahren noch die Matur nach.. Ich finde es manchmal eine Zumutung für junge Menschen wie wir alles in den Griff bekommen müssen, unsere Eltern hatten viel mehr Zeit für die gesamte Entwicklung und das Lernen wie mit gewissen Situation umzugehen. Dranbleiben, nicht aufgeben denn irgendwann werden auch wir unseren Verdienst für die Mühen haben! xx

  12. Ich habe vorher eine Ausbildung gemacht (und auch abgeschlossen) und war todunglücklich damit. Erst im Studium bin ich richtig aufgeblüht und hab das gefunden, was mir wirklich Spaß macht. Von daher kanns so oder so sein.
    Ich frage mich aber auch immer, warum manche Leute in ihrem Studium nur so vorbei rauschen. Als müssten sie wie in der Schule nur alles abarbeiten. Sie verpassen so viel, was das Studentenleben ausmacht. Allein schon wenn man nicht mal in der Nähe seiner Unistadt wohnt.
    Vielleicht schreib ich dazu selbst auch nochmal was… 😉

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