Je ne regrette rien. #MauleMittwoch 6

Ich bereue nichts. Diesen Satz hat man sowohl in Liedern, in Bildern, in Posts als auch in der französischen Form in Tattoos verarbeitet. Der Satz ist bekannt, genau wie es auch seine Bedeutung sein sollte. Bereuen – Reue über etwas empfinden, bedauern.

Mit dieser Definition muss der Satz „Ich bereue nichts“ also bedeuten, dass man niemals etwas in seinem Leben verbessern würde. Selbst wenn man die Zeit zurückdrehen könnte, um auch nur ein winziges Detail im eigenen Leben oder um ein bestimmtes Ereignis, wie zum Beispiel einen schlimmen Unfall, zu verhindern.

Ich bereue einiges. Selbst wenn es nur der fettige Burger ist, den ich gerade gegessen habe. 20150605_171307Vor dem Essen war es das einzige was man tun wollte, danach fragt man sich nur warum man das gemacht hat und fühlt sich vollgestopft. Und wer würde nicht das verpatzte Vorstellungsgespräch bei der Firma, bei der man unbedingt arbeiten wollte noch einmal von vorne beginnen? Wer würde nicht das vor 10 Sekunden zerbrochene Glas vor dem Absturz retten? Wer würde am Abend eines Tages, an dem man nicht gearbeitet hat und nur faul auf dem Sofa lag nicht nochmal die Zeit zurückdrehen und zumindest die Wäsche waschen, die unbedingt fertig sein sollte?

Selbst kleine Dinge werden bereut. Das sollte durch die vielen Beispiele verdeutlicht werden. Wer also sagt er bereue nichts, der sollte lieber noch ein zweites Mal über diese Aussage nachdenken, denn jeder bereut irgendetwas. Wie oft rutscht einem vor Freunden der Satz: „Ach, hätte ich doch heute noch … gemacht“, heraus. Am allermeisten jedoch bereuen wir Menschen als soziale Wesen wohl die zwischenmenschlichen Fehler, die wir begangen haben. So bereut man zum Beispiel nach der Schule, damals nicht riskiert zu haben seinem Langzeit-Schulschwarm die eigenen Gefühle aufzuzeigen. Im Nachhinein fragt man sich, was dabei schiefgehen sollte, denn wenn man nichts tut, hat man genauso wenig erreicht. Man bereut nicht genug Zeit mit seinen Großeltern verbracht zu haben, obwohl sie immer freundlich und aufopferungsvoll waren, wenn sie irgendwann von uns gehen.

Man bereut die sinnlosen Konflikte und Streitereien mit den besten Freunden, die verletzenden Worte, die gefallen sind, wenn die Freundschaft daran zerbricht. Wir bereuen. Wenn wir das nicht tun würden, dann würden wir behaupten, dass wir perfekt sein, nahezu göttlich – und alles richtig machen. Das sagt mir der Satz „Ich bereue nichts“.

Wie wäre es denn, wenn man den Satz durch einen Anderen ersetzen würde, der auch IMG-20150607-WA0034bedeutet, was er aussagen soll. Gemeint sein soll doch wahrscheinlich, dass man sich selbst mit allen Fehlern, mit Ecken und Kanten und eigenen Makeln akzeptiert. Könnte man dann nicht einfach sagen, man steht zu den eigenen Fehlern und zu seinen Taten, weil die die eigene Person zu dem machen, was man ist. Zu der einzigartigen Person, die durch niemanden ersetzt werden kann. So würde ich es in ein Tattoo schreiben, ein ziemlich langes Tattoo, aber ein Schönes.

13 Kommentare zu „Je ne regrette rien. #MauleMittwoch 6

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  1. Die Qualitäten unserer gewöhnlichen Wahrnehmungen waren uns im Laufe der Erziehung zwangsläufig aufgezwungen und ohne unsere Teilnahme.
    Einer der Aspekte der gewöhnlichen Wahrnehmung ist das System der Interpretation der Empfindungen, mittels der Sinnesorgane und durchdachten Einheiten, die wir entsprechend in den öffentlichen System diese Werte beobachten.
    Fasst jeder bereut vor dem Tod, dass er nicht alle Hamburger aufgegessen hat.

  2. Toller Beitrag, danke. Ich hab immer ein ganz mieses Bauchgefühl bei Menschen, die angeblich nichts bereuen. Ich empfinde diese Haltung als sehr egoistisch, weil sie impliziert, dass es ihnen auch egal ist, wenn und wen sie mit der Einstellung verletzen. Deine Variante gefällt mir viel besser. Und jetzt muss ICH MEINEN fettigem Burger essen, den die Kellnerin gerade gebracht hat 😉

  3. Bedeuten bereuen dann nicht auch, dass man mit dem jetzigen Leben nicht zufrieden ist? Würde man wirklich etwas im Leben ändern wollen ohne die Sicherheit zu haben ob sich in der jetzigen Situation etwas ändert? Passiert nicht alles aus irgendeinem Grund? Sind unsere Entscheidungen nicht einer der Kettenreaktionen in unserem Leben?

  4. Ich kenne das Gefühl zu bereuen und es blockiert mich in hohem Maße. Deshalb freue ich mich gerade deinen Beitrag gelesen zu haben, den ich nicht bereut habe zu lesen. Und er hat mich wieder an die schöne Mentalität des einmaligen Lebens erinnert. Tut gut das ab und an wieder zu sehen und sich zu erinnern. Danke.

    P.S.Wenn jemand möchte checkt doch mal meinen Blog aus:
    https://joggingthroughfog.wordpress.com/

  5. Könnte man schon so sagen, aber das merkt sich doch keiner ^^

    Hm, wie ist das mit dem Bereuen. Man kommt wohl nicht umhin, immer wieder mal Dinge zu bereuen (vor allem verpasste Chancen, das sind echte Mistviecher, so bereuens-mäßig) andererseits macht einen jede Erfahrung, die man gemacht hat, vor allem jeder Fehler, zu dem Menschen, der man „heute“ ist. Wer weiß, müsste man den einen Fehler in der Jugend nicht bereuen käme er vielleicht mit mehr Schaden im Erwachsenenleben auf seine Kosten.

    Vielleicht kann man den Spruch auch so verstehen: Schrecke nicht davor zurück, Erfahrungen zu machen, bloß weil du sie später bereuen könntest.

    Das heißt natürlich nicht, dass man jetzt sämtliche Moral ausm Fenster kippen soll, aber dass man sich selbst nicht verwehren soll, mal was Neues auszuprobieren, bloß weils vielleicht nicht 100 prozentig vernünftig ist.

    Schöner Artikel, hast mich zum Nachdenken gebracht, merci 🙂

  6. Freilich gäbe es vieles zu überdenken, was man falsch gemacht hat und dem Willen diesen Fehler nicht zu wiederholen. Ob es immer gelingt ist die andere Frage. Aber der Spruch geht zurück auf die französische Sängerin Edith Piaf, die ein total verrücktes freizügiges Leben geführt hat. Das macht den Unterschied – der Blick auf das Kleine, vielleicht eher Unwesentliche, und der Rückblick auf ein ganzes Leben.

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