Ist das Glas halb leer oder halb voll?

Ein Glas ist zur Hälfte gefüllt – ist es dann halb voll oder halb leer? Eine Frage, die man beantworten können sollte. Eine Frage, die einiges über einen Menschen aussagen kann und doch so unscheinbar und bedeutungslos scheint. Eine Frage, die einem bei einem Vorstellungsgespräch das Bein brechen kann.

Man könnte meinen, dass es darauf ankommt, mit was, also mit welchem Getränk das Glas IMG_1919gefüllt ist. Schließlich trinkt man doch lieber einen leckeren Smoothie, als ein bloßes Glas Wasser. Das Glas, auf dass ich mich freue, betrachte ich eher als halb leer, weil es sich schnell leeren wird und man hofft, dass es noch länger anhält. Das andere ist zweckgebunden und man trinkt es, weil es eben sinnvoll ist, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Was der Arbeitgeber und jeder Andere, der die Frage stellt, hören will, ist dass das Glas halb voll ist. Das wissen und antworten natürlich die meisten. Es soll zeigen, dass man positiv denkt. Immer die guten Seiten sieht und psychisch stabil ist. Es soll zeigen, dass man die Dinge, die einem vorgeschrieben werden nicht unbedingt hinterfragt, man es dem Gegenüber nicht unnötig schwer macht. Man möchte niemand sein, der ständig über sinnlose Sachen nachdenkt, sie hinterfragt und alles anzweifelt. Jemand, der eventuell die gute Stimmung der anderen herunterzieht, weil er nicht bedingungslos an die guten Dinge glauben kann. Jemand der nicht naiv ist.

IMG_1878Die Frage nach der „Füllung“ des Glases ist also weit mehr, als eine Aussage über den eigenen Gemütszustand.

Trotzdem wäre die Antwort „halb leer“ fatal. Man wird nicht eingestellt oder als pessimistisch eingeschätzt. Wer nicht blind dem folgt, was vorausgesetzt wird, der wird ausgeschlossen. Wer glaubt gegen den Strom schwimmen zu können, der braucht eine gute Erklärung und möchte man sich wirklich rechtfertigen müssen?

16 Kommentare zu „Ist das Glas halb leer oder halb voll?

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  1. Hm, schwierig, es ist eine Sache, etwas positiv zu sehen, aber ist es auch realistisch? Zum anderen sich einer Gruppe von Lemmingen anschließen und blind folgen? Ich glaube, es gibt keine pauschale Antwort, es braucht immer ein Quäntchen Fingerspitzengefühl, was möchte der Personaler, was sucht der Arbeitgeber?

    Vielleicht zu Beginn die Füße stillhalten, aber auf Dauer macht es unglücklich, sich zu verstellen, wenn es zu entgegengesetzt der eigenen Natur ist.
    Liebe Grüße ❤

  2. Im Grunde ist der ganze Prozess nicht realistisch. Von der Kleidung angefangen, über die Gesprächssituation (gegenseitiges Antasten, ob man den Kriterien entspricht) bis hin zur Firmenkultur. Manche Firmen wollen Lemminge, andere das Gegenteil und all das muss man in einer halben bis Stunde herausfinden !

  3. Ich würde noch nicht mal sagen, dass es darauf ankommt, mit was das Glas gefüllt ist. Ich würde über das Setting nachdenken 😀
    Nein , ernsthaft. Wenn ich schon was getrunken habe, ist es halb leer, wenn es gerade frisch eingefüllt wurde, aber nur zur Hälfte, ist es halb voll.
    Es kommt somit, wenn ich es auf die reale Welt übertrage, auf die Situation an, in der man sich befindet und da kann selbst für einen Pessimisten wie mich ein Glas auch mal halb voll sein.

  4. Ich wollte in Vorstellungsgesprächen auch immer authentisch sein. Wenn ein Personaler allerdings jeden Tag nur das optimierte Idealbild eines Bewerbers vor sich hat, fällt man da schnell durch’s Raster. Am besten zeig auf das Glas Wasser vor dir, behaupte, dass du im Jetzt lebst, und, dass dein Glas mehr als halbvoll ist 😉

  5. Rein physikalisch betrachtet, ist das Glas immer komplett voll – sei es eine Flüssigkeit oder ein Gasgemisch (gemeinhin als Luft bekannt). Solange die Frage also nicht das „womit“ spezifiziert, ist nur diese Antwort wirklich sinnvoll.

  6. Naja … wenn man davon ausgeht (und ich glaube das kann man), dass derjenige der die Frage stellt trinkbare Flüssigkeit meint, ist es halbvoll 🙂

  7. Hallo Sophie,
    mir wurde diese Frage noch nie bei einem Einstellungsgespräch gestellt. Ich denke, ich hätte da vermutlich mit Humor/Ironie geantwortet. A la „…das Glas ist gleich ganz leer, weil ich ein Opportunist bin, und es austrinke…“. Ist dämlich, aber funktioniert.
    Ich habe selbst einige Jahre Einstellungsgespräche geführt. Du kannst dir gar nicht vorstellen, woran es da bei den Kandidaten oft scheitert. Viele Bewerber schicken grottenschlechte Unterlagen (Rechtschreibfehler, schlechtes Layout, etc.) – die müssen aber tipptopp sein, damit man überhaupt den Fuß in die Tür bekommt. Und um ehrlich zu sein, habe ich dann bei Interviews am Ende oft mein Bauchgefühl entscheiden lassen.
    Auf jeden Fall würde ich immer nachfragen, warum man nicht genommen wurde.
    Als ich letztes Jahr Job gewechselt habe, habe ich einmal folgende Antwort bekommen: „…sie sind zu energetisch und dynamisch, das passt nicht ins Team. “ :):):) Also was manche als Vorteile sehen, sehen andere als Nachteil.

  8. Die „beste“ Antwort, die ich mal bekommen habe bei einem Vorstellungsgespräch war: „Sie haben sich ja immer weiter fortgebildet, was wollen Sie denn bei uns?“ Ok… Mein Glas ist manchmal auch „schon halb leer“ und „noch halb voll“. Wie käme wohl „Hauptsache, es ist was drin.“ an?

  9. Die meisten Menschen brauchen doch dieses Gruppendenken. So gehlört man dazu, wird nicht ausgegrenzt. Die Menschen streben ja nach Anerkennung und Annahme und selten nach Ausgrenzung. Leider ist es aber doch so, dass die meisten dabei nicht mehr selbst denken. Positiv denken ist ein Spruch der modern und gefragt ist, auch wenn man der größte Motzer oder Mensch ist, der an allem und allen etwas auszusetzen hat. Positiv denken tun die wenigsten und selbst denken noch weniger. Meine Oma aber kann das 🙂 Sie hat schon schlechte Zeiten erlebt und ist dankbar für alles Schöne – das ist für mich positiv. Sie würde das Glas wahrscheinlich halb leer bezeichnen, aber sie hat es mit vollem Genuss und Dankbarkeit getrunken 🙂

  10. Liebe Sophie,

    dazu fällt mir nur ein Koan ein, ich glaube, dass es von Basho war, und darin wurde dem Meister die gleiche Frage gestellt. Die Antwort des Meisters ist mir sehr erfolgreich im Gedächtnis geblieben: „Welches Glas?“ LG Mies

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