„Geh‘ doch nach Hause!“ – Wo soll das sein?

Laut Schätzungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sind bereits im vergangenen Jahr 202834 Asylanträge entgegengenommen worden, dieses Jahr (Januar bis Juni) schon 179037, die Anzahl also tendenziell steigend. Immer mehr Menschen fliehen aus syrischen, afghanischen und iranischen Gebieten in das Rettungsboot Deutschland. Oder eher eine rettende Insel? Wohl kaum.

Mit der steigenden Anzahl von Asylbewerbern, die nach Deutschland kamen, ihre Heimat aus purer Todesangst verließen, stieg auch ein bedrohlicher Trend im Internet. Während Familien zerrissen wurden, Menschen starben, verstümmelt wurden, ganze Dörfer und Städte mit Bomben dem Erdboden gleich gemacht werden gewinnt eine Partei an Zulauf, die bedrohlicher nicht sein könnte.

Bereits seit einigen Tagen lese ich auf meiner Facebook-Startseite immer öfter, dass Menschen aus meiner Freundesliste Beiträge der NPD gefallen. Diesen wird natürlich sofort die Freundschaft gekündigt und der Inhalt der Beiträge gemeldet. Gefeiert werden auf dem Facebookprofil der besagten Partei Videos, mit denen dokumentiert wird, wie eine IMG_1960bosnische Ladenbesitzerin aufgrund ihrer Herkunft brutal zusammengeschlagen wird. Kommentare wie „gehe zurück in dein Heimatland“ sind da noch die Nettesten. Trotz der gewalttätigen und offensichtlich rassistischen Beiträge sieht sich Facebook jedoch „nicht in der Lage die Seite oder deren Inhalte zu sperren“ und scheint keine Gefahr in der Duldung und Verharmlosung einer solchen Form von Gewalt zu sehen. Aufgrund dieser Tatsache, die wohl als bedenklich eingestuft werden sollte, wurde ich neugierig, welche Inhalte Menschen derartig faszinieren und dazu bringen, einer solchen Partei zuzustimmen.

Das Facebookprofil stellt einen Informationssatz zur Partei zur Verfügung, der wie folgt lautet:

Hierbei handelt es sich um eine inoffizielle (!) Unterstützerseite. Unsere Ziele: Aufklärung, Unterstützung, Kampf, Freiheit, Frieden & Souveränität!

In einem Satz, der die Partei beschreiben soll, ist bereits ein Widerspruch, also eine Unklarheit/ etwas Dummheit zu finden. Denn wer genau hinsieht, der wird erkennen können, dass in demselben Satz das Ziel „Kampf“ und „Frieden“ vorkommen. Wer nicht versteht, dass das bereits ein Gegensatz ist, der sollte zurück zur Schule gehen und eventuell den Deutsch- und Geschichtsunterricht ein wenig auffrischen.

Wem jetzt der Bezug zum Flüchtlingsthema fehlt, dem empfehle ich dringend, sich das neue und virale Video der NPD Trier anzusehen. In dem Video sieht man zentral 4 Anhänger der NPD, die zum „nationalen Widerstand“ gegen ein Asylheim in Trier West protestieren wollen. Mit Fackeln ,lächerlichen Ausrufen wie „444! Wir für Trier“ und einer den Geschichtsbüchern entsprechenden Wortwahl wollen sie eine sichtbar veraltete und falsche Einstellung aufleben lassen. Aufgrund der genialen Kommentare und des Shitstorms wurde das Video der NPD auf der offiziellen Seite mittlerweile gelöscht, wurde jedoch von einigen Menschen für die allgemeine Belustigung wieder hochgeladen. Das Video findet man hier.

Natürlich bin ich glücklicherweise nicht die einzige Person, die sich Gedanken und Sorgen um die Häufigkeit von rassistischen Kommentaren macht. Die Journalistin und Moderatorin der Tagesschau, Anja Reschke, veröffentlichte einen Kommentar zu den Tagesthemen, der sogar deutlich mehr Reichweite erzielte. Mit einer für Moderatoren eher saloppen Wortwahl fordert sie das exakte Gegenteil. Auch sie berichtet von dem immer deutlicher und häufiger werdenden Fremdenhass, der nicht mehr anonym, sondern über echte Profile im Internet verbreitet wird. Sie verdeutlicht, welche hässliche Form und Ausdrucksweise diese beleidigenden Kommentare haben und ruft mit minimaler und doch wirkungsvoller Rhetorik zu einem „Aufstand der Anständigen“ auf. Sie möchte, dass man Gegenargumentiert, dass man mit Erklärungen solche Kommentare widerlegt und zeigt, wie falsch sie sind. Das ganze Video hier.

Die Kommentare unter dem Video von Anja Reschke waren zu einem sehr großen Teil
positiv. Der Zuspruch zeigte, dass es nicht nur viele Menschen gibt, die gegen die Aufnahme von Asylbewerbern in Deutschland sind, sondern auch eine deutliche Mehrheit von Menschen vorhanden ist, die Verständnis für die Situation von flüchtenden Personen aufbringen können. Wem es nicht egal ist, dass diese Menschen Zuflucht suchen, der kann schon ein kleines Zeichen setzen, indem er das Video von Reschke oder meinen Beitrag auf den sozialen Netzwerken verbreitet. Dafür wäre ich ohne Eigennutz und Werbung sehr dankbar.

39 Kommentare zu „„Geh‘ doch nach Hause!“ – Wo soll das sein?

Gib deinen ab

  1. Toller Post! Einigen Menschen muss man echt den Kopf waschen. Man kann den Menschen doch keine Hilfe verwehren, die sie dringend nötig haben. Man flüchtet ja nicht einfach so, sondern das hat dann auch einen Grund. Verfolgung und Gewalt sind da nur der Anfang.

  2. Das ist ein sehr wichtiges Thema, das du da ansprichst. Es ist zwar überall in den Medien, aber man darf scheinbar ungefiltert, da Meinungsfreiheit, raushauen, was man möchte, und je polemischer der Beitrag, desto mehr Aufmerksamkeit kriegt er. Je stärker man gegen Flüchtlinge wettert, desto besser gefällt es einigen Personen, scheint es manchmal.
    Immerhin geht es um Menschen, die da Schutz suchen und gerade weil man sich in einer äußerst komfortablen Lage hier in DE befindet im Vergleich und diese Probleme nicht am eigenen Leib erfahren und deshalb vielleicht verstehen kann, sollte man sich nicht herausnehmen, über die Flüchtling zu urteilen und sie alle in Sippenhaft „da hin schicken zu wollen , wo die herkommen.“ Das Deutschland nicht alleine jeden Menschen aufnehmen kann, ist allen klar und darum geht es ja auch gar nicht, sondern um die Grundeinstellung, die manche Menschen an den Tag legen. Das war der längste Kommentar, den ich je geschrieben habe, aber du hast Recht, man muss dazu klar Stellung beziehen! 😀

  3. Reblogged this on Red Skies over Paradise and commented:
    »Wem es nicht egal ist, dass diese Menschen Zuflucht suchen, der kann schon ein kleines Zeichen setzen, indem er das Video von Reschke oder meinen Beitrag auf den sozialen Netzwerken verbreitet. Dafür wäre ich ohne Eigennutz und Werbung sehr dankbar.«
    – sophieleben.wordpress.com
    http://www.focus.de/kultur/kino_tv/gegen-hetze-im-internet-fremdenhass-und-fluechtlingshilfe-klartext-kommentar-in-den-tagesthemen_id_4862901.html

  4. Ich sehe es genau so wie du! Danke für solche Posts von dir und auch anderen Menschen, die zeigen, dass Ausländerhass im deutschen Vokabular nicht mehr existieren sollte! 🙂

  5. Ich finde es echt gut, dass du das Thema auf deinem Blog ansprichst, da es von großer Wichtigkeit ist. Am Anfang sind es immer nur blöde Kommentare, deren Verfasser sich ihrer Gedanken laut ausgesprochen gar nicht bewusst sind. Als Nazi wollen die Wenigsten bezeichnet werden, dennoch liest man unzählige zustimmende Kommentare unter solchen NPD-Videos. Damit sich die Menschen klar über die Grausamkeit ihrer Kommentare werden, ist es notwendig das Thema im Internet anzusprechen.
    LG https://moteens.wordpress.com/

    1. Hi,
      Danke! Ich freue mich über jeden, dem es gefällt. Mit dem Schreiben habe ich eher aus Langeweile angefangen und es dann irgendwie für mich entdeckt.
      Grüße zurück

  6. Hi Sophie, es tut gut mal wieder solche Worte lesen zu können. Das hilft, nicht die Hoffnung zuverlieren, das es auch noch viele Menschen gibt, die Menschlichkeit in sich tragen.
    Hoffentlich werden deine Posts weit verbreitet.
    Danke, daß ich durch dein like auf dich aufmerksam wurde.

  7. Du hast recht! Ich stimme dir völlig zu. Auch wenn ich erst 13 Jahre alt bin, weiß ich, das es ganz und gar FALSCH ist diese Menschen, die Dinge erlebt haben, die wir nicht mal erzählt bekommen wollen, gerade noch überlebt haben und vielleicht alles verloren haben so zu behandeln! Ich würde sofort Werbung machen, wenn ich Facebook hätte. Du hast es genau getroffen mit deinem Beitrag und mich nochmals zum Nachdenken gebracht.

  8. Erstmal ist es überhaupt schrecklich, dass so ein schlimmer Krieg (man muss wohl schon sagen: …mal wieder…) wütet. Es ist nur natürlich, dass die Menschen dem ganzen Leid, dem Elend und der Angst entkommen wollen. Die Menschen in Deutschland vergessen leider viel zu oft das ihre Großmütter und Großväter in einem anderen schrecklichen Krieg auch auf der Flucht vor den anrückenden Armeen, der Armut und den schrecklichen Verhältnissen waren, die damals in den zerbombten deutschen Städten herrschten. Man müsste meinen das diese Erfahrungen uns heute noch prägen und das es deshalb mehr Mitgefühl geben müsste. Aber eine neue Generation übt sich sehr oft im vergessen und abwenden von der Gräuel, die die Menschen tagtäglich durchleiden müssen.
    Ich will damit nicht sagen das ganz Deutschland gegen Ausländer ist, oder gegen ausländische Flüchtlinge! Nein! Es gibt genug herzensgute Menschen die sich sehr für diese armen Menschen einsetzen und ihnen bereitwillig helfen wo sie nur können! Und das ist super! Diese Menschen sollte man öfter anfeuern, anstatt den Kopf zu schütteln oder ihnen den Vogel zu zeigen (das habe ich alles schon selbst erlebt).
    Leider gibt es auch genug Menschen die eine radikalere Meinung gegen die Flüchtlinge vertreten und diese wird immer häufiger von den Medien aufgenommen.

    Deshalb finde ich es wichtig, dass es Menschen wie dich gibt, die sich Gedanken machen, ihre Meinung vertreten und einen festen Standpunkt rüberbringen und diesen auch verteidigen!

    Vielen Dank für deinen tollen Beitrag!

  9. Super Beitrag er wurde von mir hier auf WordPress und auch auf Facebook mit meinen Kontakten geteilt, die wie ich der Meinung sind, dass diese Gruppen, die ihr Halb-und Unwissen zeigen KEINESWEGS harmlos sind! Im gegenteil! Aber es gibt ja, Gott sei Dank, auch andere allen voran dich mit deinem Beitrag!!

  10. Liebe Sofie, danke für diesen Blogbeitrag. Ich halte diese ganzen Prüfungsverfahren für unmenschlich. Ich glaube, dass alle gerne wieder nach Hause gehen, wenn das möglich ist. Es gibt nur wenige Menschen, die sich auf Dauer in der Fremde wohlfühlen. Und so lange, wie man in diesen Ländern nicht leben kann, sollten wir sie hier aufnehmen und so gut wie möglich behandeln, damit sie nicht den kompletten Glauben an das Gute im Menschen verlieren. Liebe Grüße Willi Hammerschmidt

  11. Hallo Sophie,
    du hast wirklich wieder einen schönen Blog-Post geschrieben. Ich persönlich finde es auch langsam schlimm, wie der Fremdenhass sich in Deutschland entwickelt. Allein die Anschläge auf Flüchtlingsheimen und auf die Flüchtlinge. Vor ungefähr 2 Wochen würde in Brandenburg an der Havel vor einer Tür, in einem Flüchtlingsheim, ein Feuer gelegt. Zum Glück konnte es noch rechtzeitig gelöscht werden, da der Vater und Ehemann von der betroffenen Familie nach Hause kam.
    Viele Bürger wollen einfach nicht, das noch mehr Flüchtlinge aufgenommen werden (ihre Meinung und die muss man (finde ich), auch akzeptieren), und damit z.B. Steuergelder verbraucht werden. Nun gibt es leider solche Leute, die dann einfach Heime anzünden, die von Staat bezahlt werden und es ist eigentlich jeden bekannt, von wem das Geld kommt.

    Ich mache mir aber auch sorgen, um die so genanten „Gut“ Menschen, die einen Shitstorm verursachen, weil sie eine andere Meinung (die nicht rechts ist) nicht akzeptieren können und andere Menschen dann fertig machen (habe ich leider schon alles erlebt). Wir leben schließlich in einer Demokratie und müssen auch damit rechnen, das es Meinungen gibt, die nicht unsere entsprechen und müssen auch mit denen umgehen können.

    Ich habe heute einen schönen Artikel im Spiegel gelesen (für mich seit langem der beste, den ich im Netz gelesen habe)
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/pranger-im-internet-auch-idioten-brauchen-verteidiger-a-1047019.html#js-article-comments-box-pager

    Ich bin der Meinung, dass wir Menschen aus Kriegsregionen aufnehmen sollten. Aber dies muss nach heutigem Stand, würdevoll geschehen, also das heißt für mich, das es ordentliche Unterkünfte gibt, und keine Zelte wie in Eisenhüttenstadt und Dresden. Ich persönlich würde auch nicht auf langer Sicht, dort wohnen wollen.
    Die Verantwortlichen hätten schon viel früher darauf reagieren müssen.
    Die Flüchtlingspolitik ist wirklich sehr schwierig, man weiß nicht, wie man am besten reagieren und handeln soll, besonders der Staat. Wir als Bürger können nur kleine Taten vollbringen.

    Aber ich glaube, es liegt auch teilweise an Erfahrungen, wie die Bürger in der EU auf die Flüchtlinge regieren. In Calais zum Beispiel werden sogar von den dortigen Flüchtlingen, die Lkws aufgebrochen, um an Board zukommen, damit sie UK ein nach ihren Wünschen besseres Leben haben.
    Das Problem ist, das sie teilweise auch die waren beschädigen und die Abnehmer dieses dann nicht mehr haben möchten. Die Spedition oder die Firma/Unternehmen bleibt dann auf die Kosten sitzen. Die Lkw-Fahrer bringen sich auch in Schwierigkeiten, wenn sie Flüchtlinge nach UK schmuggeln. Sie sind außerdem auch noch sauer, da es zu Verzögerungen im Zugbetrieb oder im Straßenverkehr gibt, wenn die Polizei, immer wieder, Flüchtlinge aus den Tunneln holen muss oder Lkws kontrollieren müssen, damit keine Flüchtlinge mit an Board sind.

    Ich werde deinen Post, auf meinen anderen Blog posten, da er mir wirklich gefallen hat.

  12. ein richtig gt recherchierter Beitrag! ich mss sagen, dass mir gar nicht SO BEWUSST war, wie sehr sich diese Art von Zuspruch auf social Mediakanälen wie Facebook potenziert!
    man möchte hier nur allzu gern an den gesunden Menschenverstand appellieren, doch das große Problem sehe ich in der Ignoranz für politische Aufklärung und Bildung besonders bei jüngeren Mitmenschen, die nur allzu leicht (negativ) beeinflussbar sind!

    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

  13. Danke für Deinen Text! Das Video habe ich mir angesehen. Im ersten Moment weiß man gar nicht ob das vielleicht doch Satire sein soll. Unglaublich. Naja zumindest bis vier können die Typen zählen, obwohl sie so gar nicht danach aussehen.

  14. Respekt! Zum Glück gibt es in München eine starke Gegenbewegung, obwohl wir wohl die Stadt mit dem größten Aufkommen an eintreffenden Flüchtlingen sind. Ich habe nur einen einzigen „sogenannten“ Freund in Facebook, der so Hetzparolen verbreitet, den lösche ich nicht, so halte ich mich auf dem Laufenden, was diese menschenverachtende Szene so postet. Also nochmals vielen Dank – und mach weiter so!

  15. Danke für deinen wichtigen Beitrag. Ich habe ja auch über einen Artikel dazu nach gedacht. Dann stieß ich auf einen Aufruf von Anja Reschke vom ARD.
    Video hier:

    Dadurch kam ich auf die Idee, doch einfach zu einer Blogparade zum Thema aufzurufen!
    Hier meine Blogparade:
    http://isabelacker.com/2015/08/17/aufstand-der-anstaendigen-fluechtlingsgeschichten/

    Du kannst deinen Beitrag gerne noch mal als Kommentar bei mir eintragen. Das würde mich freuen.
    Ich freue mich auch, wenn weitere Blogger an meiner Blog-Parade teilnehmen. Es ist ein wichtiges Thema.

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