Komm ich zeig‘ dir einen richtigen Hasen! #MauleMittwoch 8

Vielleicht erinnern sich noch einige durch den Satz in der Überschrift an die alten Werbungen, die auf den Jugendschutz hinweisen und auf die Gefahren für Kinder und Jugendliche vor allem im Internet aufmerksam machen sollten. In den Werbungen werden absurde Situationen dargestellt, in denen Eltern mit Gefahren für ihre Kinder konfrontiert werden. Beispielhaft werden altersbeschränkte Spielprogramme, Pädophile und der falsche Bekanntenkreis gezeigt. In allen Situationen, in denen offensichtlich Gefahren für die eigenen Kinder bestehen reagiert die Mutter kaum. Sie lässt alle Gefahren zu und scheint sie nicht wirklich wahrzunehmen. Am Ende des Werbespots heißt es :“Im wirklichen Leben würden sie ihre Kinder schützen, dann machen sie es auch im Internet!“

Eine klare Botschaft oder eine bloße Behauptung? Gesetzlich gibt es ganz klare Regelungen, um Jugendliche und Kinder vor bestimmten Gefahren zu schützen. Diese finden sich demnach hauptsächlich in den Bereichen Suchtgefährdung, Gefährdung durch Medien, ideologische Gefährdungen und Gefährdung durch gewalttätige Handlungen und werden durch gesetzliche Rahmenbedingungen weitestgehend abgedeckt. Hauptsächlich werden IMG_1979diese Gefahren natürlich durch Verbote abgedeckt. Deshalb sind sowohl der Kauf von Tabakwaren, Alkohol und anderen Drogen, bestimmte Filme und virtuelle Spiele und die eigene Bestimmung des Aufenthalts nur begrenzt oder ab einem bestimmten Alter möglich. Selbstverständlich verhindert das in den meisten Fällen, dass solche Gefahren entstehen, aber in der Praxis ist es immer schwierig durch den Einfluss verschiedener Faktoren, die notwendigen Maßnahmen tatsächlich durchzusetzen. Nehmen wir an der Kauf von Wodka ist für einen 15-Jährigen verboten, was der Kassiererin durchaus bewusst ist. Es ist kurz vor Ladenschluss und die Schlange der wartenden Menschen scheint kein Ende zu finden. Ob ohne Ausnahmen jede Kassiererin den Pass des Käufers verlangen würde oder sie zumindest das Alter nachrechnen würde, ist in solchen Situationen fraglich. Vielen Jugendlichen scheint genau das bewusst zu sein und solche Faktoren werden und wurden, zugegeben auch durch meine 15-Jährige Wenigkeit ausgenutzt. Dabei sollte klar sein, dass es nicht unbedingt, um den reinen Konsum von Drogen geht, sondern darum, die eigenen Grenzen auszutesten. Wie weit kann ich gehen? Und wie weit muss ich gehen, um das Gesetz zu brechen?

Die gesetzlichen Maßnahmen sind in realen Kaufsituationen jedoch trotz allem relativ kontrollierbar. Wer einen Pass mit dem richtigen Datum hat, kann kaufen, was er will, alle Anderen müssen sich einen anderen Weg suchen oder warten. Der „andere Weg“ ist dann allerdings oft das Internet.

Über Amazon können alle möglichen Waren von Abhörgeräten über Wein- oder Biergeschenkboxen bis zu Waffen gekauft werden. Altersangaben können ganz gewiss gefälscht werden, wie ganze Profile und bezahlt wird über Amazon-Guthabenkarten, die man in jedem Laden erwerben kann.

Ebenso können Essstörungen, die sowieso oft erst durch den Druck in sozialen Netzwerken entstehen, gefördert werden. Man verabredet sich und tauscht Tricks aus, mit denen man noch einen Gramm pro Tag mehr verlieren kann. Skurrilste Tipps, wie Eiswürfel essen, um keine Kalorien zu sich zu nehmen, finden so tatsächlich Anwendung.

Wer schon einmal mit Freunden Videoplattformen, wie Chatroulette ausprobiert hat und IMG_1975als Geschlecht „weiblich“ angegeben hat, der weiß, dass das Internet absolut nicht sicher ist, wenn es um anzügliche Bilder und Filme geht, die nicht direkt Minderjährigen präsentiert werden sollten. Es war solange üblich sich über Chatroulette zu verabreden und die Verabredung zu „suchen“, bis sich Chatroulette zu einer Ansammlung von Menschen wandelte, die glaubten, sich unbekleidet vor der Kamera zeigen zu müssen.

Das Fazit eines jeden zum Thema sollte sein, dass Eltern im echten Leben meist genug Kontrolle über das Leben und den Schutz ihrer Kinder haben und oft sogar zu viel Wert darauf legen, wobei es im Internet kaum Grenzen für Gefahren gibt.

Mein Tipp für Eltern und die, die es werden wollen ist ein Appempfehlungs – Screencast der Stiftung lesen.

7 Kommentare zu „Komm ich zeig‘ dir einen richtigen Hasen! #MauleMittwoch 8

Gib deinen ab

  1. Ich war sieben Jahre lang Lehrer an einer Internatsschule, an der selbstverständlich auch ein Alkoholverbot galt. Aber dann sind die 15-/16-Jährigen halt ins Einkaufszentrum gegangen, haben gezielt alle ungefähr 20-30 Jahre alten Männer angesprochen, ob diese ihnen den Vodka kaufen würden, zur Not auch gegen einen kleinen Obolus. Und es funktionierte immer und immer wieder. Auch die Polizei bestätigte uns auf Nachfrage, dass sie dagegen nichts machen könne, denn der Kaufende dürfe das, den Deal mit den Minderjährigen aufzudecken sei faktisch unmöglich… Und so werden die Grenzen immer weiter gedehnt und gestreckt. Solange aber Werbung sich vor allem an Jugendliche richtet, um ihnen die Coolness des Rauchens und Trinkens näher zu bringen, werden alle Pädagogen der Welt machtlos bleiben. Denn ausprobieren MÜSSEND sich alle Teenager irgendwann. Leider.

  2. Hallo Sophie!
    Du bist wirklich 15 Jahre jung? Dann gehöre ich zur Generation deiner Eltern. Oder vielleicht sogar schon der deiner Großeltern, so gerade. 😉
    Also wäre ich dir gegenüber, wenn ich dir jetzt schreibe, ein potentieller Gefährder, oder?

    Wenn dir jetzt für eine Zehntelsekunde ein Minischreck durch die Glieder gefahren ist, dann habe ich dich gut auf das Thema meiner Antwort eingestimmt. 😉
    Der Focus deines Artikels liegt auf den Gefahren. Gefahren im Internet, Gefahren durch den leichten Zugang zu Alkohol usw. Die Antwort darauf wäre also Gefahrenabwehr: Warnungen, wie der Videospot einer sein will. Warnungen, die oft genug in’s Leere gehen. Ja, auch ich warne immer wieder junge Leute (und auch ältere!), z. B. vor zu leichtfertigem Umgang mit persönlichen Dingen im Internet.

    Aber eigentlich interessiert mich etwas anderes. Nämlich, was euch, dich und deine Altersgruppe, fasziniert. Im Leben allgemein, denn davon hängt es ja ab, wie ihr euer Leben gestaltet. Aber auch speziell, z. B. wenn ihr euch Hochprozentiges besorgt, was du ja freimütig zugegeben hast. (Ich liebe solche Ehrlichkeit!) Ich meine diese Frage ganz ehrlich und ganz wertfrei, ohne Vorwurf zwischen den Zeilen, ich würde mich wahnsinnig über eine Antwort freuen! 🙂

    Warum frage ich das? Hm, vielleicht, weil ich mich umgekehrt mal gefragt habe, warum das in meiner Clique damals überhaupt keine Rolle spielte. Okay, das Internet gab’s noch nicht, aber Drogen, Koma-Saufen usw. unter Jugendlichen war früher ja auch schon ein Thema. Ich glaube, darauf (also warum wir das nicht nötig hatten) eine Antwort gefunden zu haben. Sie steht hier, ganz am Ende dieses irrelangen Blogposts: https://textschiff.wordpress.com/2013/09/02/das-knistern-von-kandis-im-tee/

    L. G. Ismael

      1. Aber du bist ja (aus meiner Perspektive) noch ziemlich nah dran und kannst deshalb vielleicht etwas über das Lebensgefühl deiner Generation erzählen. Das würde mich echt interessieren! 🙂

  3. Ich muss sagen, dass ich die Einstellung „Schutz durch Verbot/Vorenthaltung“ für unsinnig halte! Gerade durch das Internet ist es unmöglich eineflächendeckende Absicherung gegen alles vermeintliche Böse um das Kind zu bauen.
    Viel wichtiger ist, jeder Zeit für Rückfragen und Rückhalt zur Verfügung zu stehen. Am Ende braucht jeder einzelne seine eigenen Erfahrungen. Durch übertriebe Schutzmaßnahmen erzeugen viele Eltern eine Blase einer heilen Welt und sorgen dafür, dass Kinder ein verzerrtes Weltbild bekommt, statt sich kritisch mit ihrer Umgebung und ihren Handlungen auseinanderzusetzen.

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