Wie in Stein gemeißelt – Das unabänderliche Anerziehen von Ansichten

Wer konnte bei seiner eigenen Taufe schon schreien: „Halt, nein ich will das nicht!“ Die Anzahl der Menschen, die bewusst getauft worden sind ist sicherlich nicht besonders hoch aber vorhanden. Als Kleinkind getauft zu werden ist so beeinflussbar wie der eigene Name. IMG_1909Und so schnell gehört man dann einer „Glaubensgemeinschaft“ an. Meistens, zumindest bei gläubigen Katholiken, läuft es dann so ab, dass die quengelnden Kinder mindestens jeden zweiten Sonntag mit in die Kirche geschleppt werden. Ihnen wird antrainiert, wie sie zu sitzen, leise zu sein und zu beten haben. Natürlich können sich Kinder für ihren Sonntag schönere Unternehmungen vorstellen, die wohl hauptsächlich mit Bewegung und Action zu tun haben, anstatt in der Kirche zu sitzen und den alten Leuten beim Singen zuzuhören. Manche Kinder, haben das Glück wie auf Knopfdruck einschlafen zu können und sparen sich die ganze Veranstaltung.

Irgendwann kommt es dann zur Kommunion – meist in einem Alter, in dem man lediglich wegen der Geschenke und der Feier an der Zeremonie teilnimmt – und schon ist man ein ganzes Stück weiter „im Glauben verwurzelt“. Wenn es zur Firmung kommt, tun sich einige die Feierlichkeiten nur an, um die eigenen Eltern nicht zu enttäuschen und das war es dann. Traditionell werden die Gebete gelernt, Verhaltensweisen übernommen, brav gebeichtet und nichts hinterfragt. Zumindest war das früher so. Wieso sollte man sich gegen den Glauben der Eltern stellen? Außerdem wäre es doch eine Schande, wenn die Nachbarn denken würden, dass die eigenen Eltern nicht zur Erziehung fähig sind.

Dadurch wurde kaum eine andere Richtung zugelassen. Ähnlich auch bei anderen Religionen. Hinnehmen statt hinterfragen. Ob man selbst wirklich hinter den Dingen steht, die die Glaubensrichtung vorschlägt ist oft egal. Es geht darum, sich in der Kirche zu zeigen, wäre ja furchtbar, wenn alle denken man wäre zu faul.

Heute ist der Umgang mit Glaubensrichtungen glücklicherweise ein wenig offener. Man kann sich auf die einfachste Art und Weise über die verschiedensten Religionen IMG_1984informieren – über das Internet. Die Akzeptanz von anderen Kulturen und Ansichtsweisen ist durch die einfachen Möglichkeiten zu reisen deutlich gestiegen. Wer die eigene Denkweise nicht einer einzigen oder keiner Religion zuordnen kann, der wird nicht schief angesehen. Das Thema kann individuell gestaltet werden und es ist jedem selbst überlassen, an was oder wen man glaubt. Natürlich gibt es diese kleinen gruseligen Orte, in denen die Zeit stehen zu bleiben scheint und andere Meinungen nicht akzeptiert werden, doch wenn man verallgemeinert, dann ist Eigenwilligkeit grundsätzlich erlaubt und gewollt.

Selbstverständlich erfordert es dafür aber gute Selbstinformation und die Beschäftigung mit dem Thema. Ich persönlich finde es auch sinnvoll, sich die passenden Aspekte aus verschiedenen Religionen herauszusuchen und wahrscheinlich muss man dafür aufhören, den Glauben von einer Institution und dem Handeln der Angehörigen abhängig zu machen. Man muss ja nicht glauben, dass Eva mit Schlangen spricht und kann sich trotzdem den Aspekt der Nächstenliebe aus derselben Religion heraussuchen.

20 Kommentare zu „Wie in Stein gemeißelt – Das unabänderliche Anerziehen von Ansichten

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  1. Das ist sehr sehr gut, was Du da schreibst.
    Auch ich war als Kind Opfer einer Glaubensgemeinschaft.
    Nachdem ich mich nach der Konfirmation losgesagt habe, hat es hat lange gedauert, bis ich meinen eigenen spirituellen Weg gefunden habe.

  2. Recht hast Du.
    Ich für meinen Teil habe mich dazu entschlossen, keiner Religionsgemeinschaft anzuggehören, nachdem ich seiinerzeit auch selbst entschieden habe, mich taufen zu lassen. Im Nachhinein denke ich, daß ich damals mit 15 noch nicht so weit war.
    Ich bin auch der Meinung,, daß man sich seine eigene Weltanschauung zusammensetzen sollte.

  3. Ich erinnere mich noch daran, getauft worden zu sein, da ich mir vier Jahren, bei der Hochzeit meiner Eltern getauft wurde. Zum Entsetzen meiner Oma fragte ich, wieso mir der Mann Wasser auf den Kopf macht, vor allen Leuten. *grins* War doch eine ganz logische Frage, finde ich. Während meiner Zeit als Konfirmand war ich ja gezwungen, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen, was nicht wirklich mein Ding war. Einmal bin ich eingeschlafen und fast aus der Bank gekippt. Andere, außer unserem Pfarrer, fanden das komisch, mir war es ziemlich peinlich. Gott sei Dank, wird das heute alles etwas lockerer gesehen. Glauben sollte man niemand aufzwingen. *LG * Trisha

  4. Super Thema! Ich habe mich damit auch schon oft beschäftig. Wichtig ist nicht dass was gemacht wurde, sondern dass wir es einfach wenn wir darin erkennen, dass es nicht gut für uns ist, es anders machen. Manchmal beisst man da ledier auf Granit und Gegenwehr, aber das macht mir nichts mehr 🙂

  5. Gute Gedanken zu einem erstaunlicherweise immer noch aktuellen Thema. Ich empfinde es als Hohn, wenn Kleinstkinder durch die Taufe in eine „Glaubensgemeinschaft“ aufgenommen werden, dann aber – wie vor einiger Zeit im Bekanntnkreis geschehen – während einer Hochzeit durch den Pfaffen der Kirche verwiesen werden, weil ihre Quengelei die Zeremonie stören.
    Ich wünsche mir die Zeit herbei, in der Religion Privatsache sein wird, Kirchen die selben Steuern zahlen müssen wie alle anderen Vereine auch und deutsche Finanzämter aufhören, den Vereinsbeitrag einzutreiben. Sprich, echte Trennung von Staat und Kirche. Ich möchte nicht wissen, wie man sich als gläubiger Muslim, Jude, Hindu oder wasauchimmer fühlt, wenn die Kinder in Schulen unter dem Kreuz unterrichtet werden. Oder man unter dem Kreuz in Gerichten abgeurteilt wird.
    Glaube sollte in den eigenen vier Wänden statfinden oder, wenn öffentlich praktiziert, niemanden ausschließen.

  6. Auf keinen Fall an die Regeln der Amtskirche glauben.
    An Jesus glauben ist etwas anderes. Selbst für Albert Schweitzer war Jesus Mensch, wie für mich auch, aber ein ganz Besonderer. Auch im Koran ist Jesus ein Prophet.
    Also der Dalai Lama hat gute Ansichten, aber dazu müsstet ihr meinen Blog aeerde.wordpress.com besuchen.

  7. Ich sehe das aus so. Ich denke, Kirchen benutzen den Glauben und die Gläubigen, um Macht zu haben und Politik zu machen. Ich finde, dass sie den Glauben eigentlich zerstören, weil sie ihn instrumentalisieren. Guter Beitrag.

  8. Bei mir war es genauso, wie du es beschrieben hast. Die Firmung hatte ich dann auch nur für meinen Vater mitgemacht. Ich war sogar schon provokant und fand es unpassend, dass man als Ärgernis vor die Tür gestellt wird, nur weil man fragt, wie eine Jungfrau zum Kind kommt!
    Erst als Erwachsene habe ich die Kirche verlassen.

  9. Sehr wichtiges Thema. Wobei ich leider sagen muss, dass man nicht nur in gruseligen Kleinstädten komisch angeguckt wird, wenn man nicht einer der großen Religionen angehört. Das Unbekannte ist den Menschen einfach ein Dorn im Auge. ;(

  10. Als bekennender Absurdist bin ich der Meinung, dass alle Religionen der Welt nur Hilfskonstruktionen sind und leider häufig zur Intoleranz verführen. Danke Sophie, dass du dich mit so anspruchsvollen Themen beschäftigst!

  11. Deine Ansichten sind gut nachvollziehbar. Doch: Ich z.B. bin protestantisch getauft. Unsere Gemeinde ist sehr locker und zur Konfirmation ist man auch wesentlich älter, als bei der katholischen Kommunion. Erst Sonntag war ich Zeuge einer Taufe und die Aufnahme in eine Gemeinschaft, kann ich nichts entgegenbringen. Weder muss man hier an Gott glauben, n0ch an Gottesdiensten teilnehmen. Gemeinschaft heißt auch, dass man nicht alleine ist, dass man Hilfe bekommt, wenn man sie sucht. Ich kann dem ganzen nicht so viel negatives anhaften, obwohl ich weder oft zu Kirche gehe, noch streng gläubig bin. Jeder sollte seine Relegion finden, in der er sich frei entfalten kann und wenn es sogar zur Abkehr von Gott führt, das ist doch voll in Ordnung.

  12. Toller Block !
    Wirklich klasse gemacht !
    Ich bin zwar schon einige Jahre älter, aber bin begeistert !
    Toll, wie klar Du alles wahrnimmst, und wie du es eins zu eins wiedergibst.
    Das zu lesen macht richtig spaß !
    LG – Christiane Carradine

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