Mit Enttäuschungen umgehen.

Jeder kennt das zerreißende Gefühl, wenn der Urlaub platzt, weil die Freunde/Familie oder der Partner doch nicht von der Arbeit freibekommen, kurzfristig absagen oder einfach doch keine Lust mehr haben. Ein Gefühl, wie wenn Freunde Geheimnisse weitersagen und das ehemalige Geheimnis weite Kreise zieht. Oder das Gefühl, wenn die Wahrheit ihren Weg ans Tageslicht findet und Menschen von einer ganz anderen Seite zeigt.

Mit Enttäuschungen kann man nicht immer fertig werden und sie können einen Menschen mehr belasten, als man vielleicht glaubt. Trotzdem kann man sich einigen Bewältigungsstrategien zuwenden, um schneller aus diesem Tief heraus zu kommen. Einige Tipps zur Bewältigung gibt es aber doch, auch wenn diese teilweise in genau entgegengesetzte Richtungen gehen.

  1. Ablenkung

Wohl eine der meistbenutzten Strategien zur Bewältigung von Enttäuschungen und den Gedanken darüber ist die Ablenkung. Wahrscheinlich ist diese Methode deshalb so beliebt, IMG_2037weil sie so einfach ist. Wer denkt schon bei einem Schwimmbad-Besuch mit den besten Freunden über die eigenen Probleme nach? Es ist sicherlich ein schönes Gefühl, wenn man einmal für wenige Sekunden in eine andere Gefühlslage kommen kann. Wenige positive Sekunden zu haben ist wichtig, um nicht völlig in negativer Stimmung zu versinken. Trotz allem ist Ablenkung gleichbedeutend mit dem Aufschieben, im besten Fall kann man sich den Gedanken gezielter Stellen.

2. totale Konfrontation

Eine völlige Konfrontation mit der Situation ist bei den meisten Menschen eher unüblich. Es ist aufwühlend sich zum Beispiel damit abfinden zu müssen, dass die beste Freundin schlecht über dich redet und trotzdem muss man weiter vorwärts kommen. Es ist schwierig und anstrengend, sich darüber klar zu werden und doch so effektiv. Denn sobald man sich in seiner Sache sicher sein kann, kann man wieder nach vorne blicken und sich mit neuen Plänen beschäftigen. Dies erfordert jedoch viel Mut und Kraft.

3. objektive Beurteilung

Eine objektive Beurteilung ist in jeder Situation schwierig. Sie hilft jedoch dabei, die Dinge realistisch zu sehen und klare Gedanken zu fassen. Selbstverständlich geht das nicht einfach so von der Hand. Am einfachsten ist es, eine Liste über die Sachverhalte zu führen, die schief gelaufen sind. Man kann dann besser nachvollziehen, inwiefern man selbst die Schuld trägt und wie man die Folgen eindämmen kann. Das ist ungemein hilfreich dabei, die zukünftigen Aktionen zu strukturieren

4. Erwartungen niedrig halten

Obwohl es bei Vorfreude nicht immer möglich ist, die eigenen Erwartungen niedrig zu halten, so ist es doch gut, um nicht zu schnell enttäuscht zu werden oder von der Enttäuschung überrascht zu werden. Außerdem sind so positive Überraschungen möglich.

5. Reden mit Optimisten

Reden ist wichtig. Wer nicht mit anderen Menschen über die eigenen Probleme spricht, IMG_1896oder seinen Ärger und Frust an Sport auslässt, der staut seine negativen Gefühle auf. Jedoch sind manche Menschen in solchen Situationen nicht die besten Gesprächspartner. Man sollte mit Menschen reden, die einem positive Effekte, neue Wege und das Gute in der Situation aufzeigen. Am besten geeignet sind dafür natürlich Optimisten. Und oft kann man dann auch schon nach einigen Minuten wieder über die Situation lachen.

6. Dankbarkeit erzwingen

„Was läuft gut?“ Das ist die Frage, die man sich in einer furchtbaren Situation immer wieder stellen sollte. Am besten erstellt man erneut eine Liste mit den Menschen, die einen unterstützen, den Situationen, in denen man Glück hatte und mit den Erfolgen, die man erzielt hat. Vielleicht erzielt man durch die Enttäuschung sogar positive Effekte, für die man zuvor blind war. Dann kann man vielleicht sogar dankbar dafür sein, dass man Schicksalsschläge erhalten hat.

7. Zukunftsplan

Am Wichtigsten ist es, nicht in depressiver Stimmung zu versinken, so dass die Gedanken nur noch um schwarze Löcher und den Tod kreisen. Was man dafür braucht, ist ein optimistischer Blick in die Zukunft. Wer weiß, dass es nur besser werden kann, der rafft sich schnell wieder auf.

Für das Überwinden der Gedanken muss man sich bewusst zusammenreißen.

22 Kommentare zu „Mit Enttäuschungen umgehen.

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  1. Ein sehr interessanter Artikel finde ich!

    Buddhisten würden sagen: „Loslassen, einfach loslassen. Enttäuscht ist nur, wer nicht loslassen kann.“
    Und irgendwie liegen sie damit natürlich goldrichtig. Es ist nicht ganz so einfach umzusetzen, muss ich sagen. Ich schaffe es nicht immer. Was ich aber tue ist, mich zu fragen, wofür dieses Geschehnis denn nun wohl gut war. Fast immer finde ich es (später oder sehr viel später) heraus.

    Ich glaube auch, wer viele Enttäuschungen verarbeiten musste, der ist zumindest nicht mehr durch kleinere Enttäuschungen zu schocken.

  2. Ein toller Artikel, mit wirklich guten Ratschlägen. Im „Skills“ Training aus der Klinik ist mir eine weitere Technik sehr treu geblieben! Auch wenn sie vielleicht etwas fragwürdig erscheint, so lenkt sie doch den Blick auf das wesentliche! Er lautet „Lesen Sie die Bild Zeitung!“ sprich halten sie sich die Tragik der Geschichten- Schicksale Anderer vor Augen, Es gibt Menschen denen es schlechter geht als Ihnen! So erscheint das eigene „Elend“ in einem etwas anderem Licht und läst mich oft inne halten und realistisch über die eigene Situation nachdenken. Lg

    1. Vielen Dank für diesen Kommentar. Spätestens, nachdem man im Deutschunterricht „die Mechanismen der Bildzeitung (und warum ihr sie nicht lesen solltet, liebe Schüler!)“ eingeimpft bekam, neigt man dazu, auf Bildzeitungsleser hinabzusehen. Zu Unrecht.
      Danke für das Abnehmen dieser übergestülpten „Brille“ durch diesen Bericht!

  3. Toller Beitrag, wie immer, und ganz tolle Tipps, die werde ich beherzigen, wenn mir das Leben wieder mal in die nicht vorhandenen Eier tritt. *lächel* Danke dir und eine guten Morgen.

  4. liebe sophieleben – welche strategie hast du für dich gewählt? je nach innenleben ist es ja immer wieder eine der aufgezählten, oder alle miteinander. ich kenne aus eigener erfahrung alles bestens. vorgestern füllte mich «glück», gestern «melancholie» und heute hatte ich einen wunderbaren tagesanfang: mit kolleg_innen sind wir auf dem zürichsee in den morgen gerudert und anschliessend noch geschwommen, ein feiner nebel über der wasserfläche. einfach schön. dieses bild speichere ich für heute und eine kopie davon schicke ich dir. mit lieben grüssen. barbara

  5. Ich sehe Enttäuschungen immer als Wegweise dafür, wie man etwas umjustieren muss. Bei mir äußert sich diese Wut darüber, enttäuscht worden zu sein, in einer unglaublichen Körperlichkeit. Ich schnapp dann immer meine Laufschuhe und gehe ab in die Pampa, denn da kann ich nachdenken. Meistens konfrontiere ich, das oft in Momenten, in denen der andere nicht damit rechnet. Alles andere würde zu stark an mir rausgehen und das möchte ich dann nicht, weil es mich zu sehr belastet. Ich bin in diesem Punkt ein ziemlicher Ego.

  6. Ich finde die Tipps super. Mir persönlich hilft immer die totale Konfrontation sehr gut. Klar ist es sehr schwierig zu Beginn, aber ich kann dann schneller damit abschließen und wieder durchstarten. 🙂
    Leider hatte ich gerade erst so eine Situation. Ich habe mit der Person direkt darüber geredet und auch mit Freundinnen. Es sind viele Tränen geflossen von allen ( vor allem von mir) aber es tat so gut darüber zu reden.

  7. Vielen Dank, für diese Worte.
    Auch Optimisten sollten diesen Beitrag lesen. Denn es bringt nichts zu Polarisieren zwischen Optimisten und Pessimisten. Auch Mantra-artiger Optimismus kann den Blick für die Realität vernebeln. Was kommt, wenn es trotz „alles wird gut“ und „denken Sie groß“ langfristig nicht besser wird? Genau: Es besteht die Gefahr in Depressionen zu verfallen, weil Wunsch und Wirklichkeit zu weit auseinander gedriftet sind. Dazu passt Punkt 4 im Beitrag.
    Es geht mit anderen Worten nicht darum, ob das Glas halbvoll der halbleer ist.
    Das Glas ist wie es ist.
    Entscheidend ist, was jeder einzelne mit seinem „Glas“ tut.
    Auffüllen, stehen lassen, trinken oder wegschütten – das alles sind Optionen.

    Im Moment habe ich den Eindruck, dass einige die das Glas für halbvoll erklären heimlich große Schlucke daraus trinken, während andere angstvoll auf den sinkenden Wasserstand schauen.

    Ich möchte lieber dafür sorgen die Gläser aufzufüllen, um mir zwischendurch mit gutem Gewissen auch einmal einen Schluck zu gönnen.

  8. Auch Optimisten sollten diesen Beitrag lesen. Denn es bringt nichts zu Polarisieren zwischen Optimisten und Pessimisten. Auch Mantra-artiger Optimismus kann den Blick für die Realität vernebeln. Was kommt, wenn es trotz „alles wird gut“ und „denken Sie groß“ langfristig nicht besser wird? Genau: Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit wird so groß, dass sie sich kaum noch ausblenden lässt. Das entspricht Punkt 4 „Erwartungen niedrig halten“ Wir brauchen also auch Realisten.
    Es geht mit anderen Worten nicht darum, ob das Glas halbvoll der halbleer ist.
    Das Glas ist wie es ist.
    Entscheidend ist, was jeder einzelne mit seinem „Glas“ tut.
    Auffüllen, stehen lassen, trinken oder wegschütten, das alles sind Optionen.

    Im Moment habe ich den Eindruck, dass einige die das Glas für halbvoll erklären, heimlich große Schlucke daraus trinken, während andere angstvoll auf den sinkenden Wasserstand schauen.

    Ich möchte lieber dafür sorgen die Gläser aufzufüllen, um mir zwischendurch mit gutem Gewissen auch einmal einen Schluck zu gönnen.
    Nach wie vor halte ich mich für einen Optimisten – nun allerdings mit etwas mehr Realismus.

  9. Was mir hilft, ist nicht mehr „pauschal gleich zu behandeln“, möglicherweise fällt das unter den Punkt Erwartungen: Speziell in meinem Umfeld habe ich gelernt (auch durch Enttäuschungen), dass doch jeder sehr individuell ist und mitunter sehr von meinen Vorstellungen / Wertegerüsten abweicht – und dass dies nicht falsch ist, nur anders. Speziell beim Thema „Danke“ kann oftmals ein Universum zwischen meinem Verhalten und dem des anderen liegen. Ich habe daher für mich entschieden, dass ich dann auch die Personen unterschiedlich behandle. Wenn ich merke, dass mich gewisse Verhaltensweisen sehr stören, so reduziere ich entweder meinen persönlichen Einsatz drastisch oder aber meide tatsächlich völlig Situationen, wenn ich da mit dem anderen nicht auf einen Nenner komme. Dies hilft mir sehr.
    Bei unerwarteten Situationen wie auf Arbeit oder im Alltag, versuche ich ein bisschen Zeit vergehen zu lassen und schreibe mir gelegentlich auf, was schief gelaufen ist, um so ein bisschen Abstand zu gewinnen.

    Aber vor schlechter Laune oder schlechten Gefühlen bin ich dann trotzdem nicht gefeit, ich komme nur schneller über sie hinweg 😉

  10. Ich habe auch einen Artikel über Enttäuschungen geschrieben und dich mal verlinkt. Ich hoffe das war ok für dich?! Sonst melde dich bitte schnell, damit ich den Link wieder herunternehmen kann!!!
    Dann nochmal (=) liebe Grüße 🙂
    Anna

  11. Sehr toll, dennoch sollte man eine kurze Zeit im Loch verweilen, dann aber an die Zukunft denken und Pläne schmieden. Das alles prägt ja einen.

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