Silvester und der ewige Zwang „etwas zu Erleben“.

Silvester war in der Kindheit eine Art Familienfest. Es gab Raclette, Fondue oder sonstige zeitaufwendige Gerichte zum Essen. Feuerwerkskörper und kleine Böller wurden im Vorhinein überteuert gekauft. Und der Abend wurde Tage zuvor detailliert geplant. Neujahrsvorsätze gab es noch nicht und man konnte sich auf einen langen Abend und „Dinner for One“ in Dauerschleife freuen.

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Irgendwann gerät diese Art Silvester zu Feiern jedoch außer Mode – ungefähr mit dem Alter von 15 Jahren und man kann plötzlich dem ganzen Familienfest nichts Positives mehr abgewinnen. Das ist die Zeit, in der man sich entscheidet, lieber etwas Spannendes, Aufregendes zu erleben und mit einer möglichst großen Menschenmasse in das Neue Jahr zu feiern.

Die meisten Versprechen sich davon eine legendäre Party mit Geschichten, die man später noch den eigenen Enkeln erzählt, das Kennenlernen vieler neuer Menschen und einen Neujahrs-Kuss. Auch wenn es wohl kaum jemand zugeben würde, bin ich mir ziemlich sicher, dass so gut wie jeder schon einmal von diesem perfekten Silvester geträumt hat.

Doch zur jährlich wiederkehrenden Enttäuschung einiger ist Silvester auch nur irgendein normaler Abend. Der einzige Unterschied zu anderen Tagen ist der, dass die Eintrittspreise bei jeglichen Veranstaltungen um mindestens 10 Euro steigen, die Straßen überfüllt und die Menschen mehr als betrunken sind. Eventuell hört man später noch von Unfällen die durch mangelnde Vorsicht bei dem zünden von Feuerwerken passiert sind, von entlaufenen Hunden und Katzen und verschreckten Kindern. Zu den Feuerwerken ist lediglich zu sagen, dass diese auch nur so lange witzig sind, bis ein Vollidiot beginnt es witzig zu finden, Menschen damit zu erschrecken und unvorsichtig zu werden. Besonders nervig wird es, wenn die Nachbarn sich mit ihrem Feuerwerk gegenseitig übertrumpfen wollen und schon Nächte vorher mit dem „Üben“ und Probeläufen beschäftigen…

IMG_2704Trotz allem lässt sich Silvester natürlich auch einiges Gutes abgewinnen:

manchmal bietet Silvester auch die Möglichkeit, sich mit alten Freunden wieder zu treffen und das vergangene Jahr zu besprechen, relativ grundlos zu feiern und sich von den Weihnachtsfeierlichkeiten und der Besinnlichkeit loszureißen.

Dementsprechend noch allen (nachträglich) ein frohes Neues Jahr!

 

16 Kommentare zu „Silvester und der ewige Zwang „etwas zu Erleben“.

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  1. Es tut gut, Gleichgesinnten zu begegnen, vor allem, was das zur allgemeinen Fröhlichkeit verpflichtende Datum betrifft. Ichhabe schon vor vielen Jahren erkennt, dass ich unter der so genannten Silvester-Allergie „leide“ und die Konsequenzen gezogen: Silvester findet dann statt, wann ich das entscheide 🙂
    Schönes Neues Jahr, ich freue mich stets über deine Berichte!

  2. Hat dies auf Meditation im Alltag rebloggt und kommentierte:
    Gedanken, wie du sie beschreibst, machen sich in dieser Zeit wandelnder Werte viele.
    Ich selbst gehöre auch dazu und habe z.B. entschieden, das nächste Weihnachten gegen ein Fest zur Wintersonnenwende einzutauschen.
    Sylvester verschlafe ich meist und manche anderen werden für das diesjährige Sylvester auch alternative Pläne gehabt haben oder auch erst in Zukunft etwas anders machen.
    Das fühlt sich nach Neubeginn an? Wassermann-Zeitalter?
    Sehr wahrscheinlich. Konservatismus ist in unseren Zeiten kein guter Vorsatz für ein Neues Jahr 🙂
    Der absolut positive Aspekt am Wandel ist der, dass Veränderungen einerseits neugrierig machen und die sogenannte „intuitive Intelligenz“ trainieren. Weniger Automatismen und Gewohnheiten, die träge machen. Mehr Herausforderungen und Experimente, die Horizonte erweitern!

  3. Ich kann Silvester schon lange nichts mehr abgewinnen, schon gar nicht diese sinnlose Knallerei und Böllerei. Und das „heute-sind-wir-besonders-fröhlich“-Gehabe mache ich nicht mit. Wir bleiben zuhause, da wir einen Hund haben, der auch froh, wenn das Leben wieder seinen gewohnten Gang geht.
    Hab du auch ein schönes neues Jahr 🙂

  4. Sylvester war bei mir erstmal Arbeitstag und noch lange nicht beendet, nur weil die Kunden „schon“ um 14h mit gut Glück draussen sind. Um 15.30h hatte ich dann auch mal frei und bin völlig ermattet aufs Sofa gefallen. Party machen wir längst nicht mehr, auf Dauergesäusel und Gruppengequetsche an Brücken, um ein wenig Feuerwerk zu sehen, verzichten auch wir gerne.
    Daheim auf Balkonien geht das genauso schön, sodenn allen ein schönes neues Jahr.

  5. Zum neuen Jahr

    Und wieder kommt ein neues Jahr:
    Bleibt alles so, wie’s bisher war?
    So fragen sich die Alten –
    Sie woll’n ihr Glück behalten.

    Die Jungen blicken nicht zurück:
    Denn vor ihnen liegt das Glück.
    Im neuen Jahr ist alles offen,
    So freu’n sie sich und hoffen.

    Doch ganz egal, ob alt, ob jung:
    Wir geh’n ins neue Jahr mit Schwung.
    Was es uns bringt: Wir sind gespannt.
    Alles liegt in Gottes Hand.

  6. Spätestens seit meine Katze bei mir eingezogen ist, sehe ich Silvester mit anderen Augen. 😉 Die Knallerei geht einem dann nur noch auf die Nerven, die Verpflichtung, groß zu feiern trägt auch nicht gerade dazu bei, in Partylaune zu sein. Dieses Silvester haben wir ganz gemütlich in der Familie gegessen und später am Abend haben mein Freund und ich es uns zu zweit kuschelig gemacht und Disney-Filme geschaut. So ganz ohne Silvester-Druck. 🙂

  7. Genauso sehen wir das auch! Der ewige Zwang sich betrinken und etwas erleben zu müssen und unbedingt das Coolste zu machen, auch wenn das vielleicht total verkrampft wirkt, ist schrecklich. Wir haben es ganz entspannt verbracht und im vorhinein auch etwas darüber geschrieben, vielleicht möchtest du es dir ja mal angucken,wir würden uns sehr über deine Meinung freuen 🙂 https://liindii.wordpress.com/category/lifestyle/
    Liebe Grüße

  8. Ich gestehe, dieses Silvester, habe ich seit sehr langer Zeit mal gefeiert. Es lag aber eher daran, dass mein Freund das erste Mal seit langem, seine Kinder an Silvester da hatte. Sonst kann ich diesen „besonderen“ Tagen auch nicht mehr viel abgewinnen.

    Ich wünsche Dir für 2016 alles Gute!

  9. Meine lieben Sylvestermüden! Ich bin schon 70 Jahre alt und mir gefällt ein Feuerwerk immer noch. Gut auf die Böller könnte ich verzichten, aber meine Enkel sind hellauf begeistert. So begeistert, dass sie ganz rote Ohren bekommen vor lauter Aufregung. Vielleicht sind wir eine „Feuerfamilie“, denn auch die 5jährige Enkelin hat diesmal unbedingt einen Vulkan anzünden wollen und stand dann mit strahlenden Augen davor.
    Außerdem sind nur in dieser speziellen Nacht die Geister unterwegs – so hat es mir schon meine Großmutter erzählt! Sylvester ist eine Familientradition und als solche ist es für mich unverzichtbar.
    Also ein bisschen verspätet, aber von Herzen wünsche ich hier allen ein zufriedenes Jahr 2016.

  10. Silvester war mir schon immer ein Dorn im Auge. Von schlechten Partys kann man ja normalerweise flüchten, aber am letzten Tag des Jahres ist das doch nicht ganz so einfach. Dieses Jahr saß ich um 0:30 in den hübschesten Klamotten in einer Wohnung in Breslau und wir haben Berliner gegessen und mitten in der Nacht Spaghetti gekocht, mit Abstand eine der besten Arten in das neue Jahr zu rutschen! 🙂

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