Wie man die Schule übersteht – Geschichte einer Überlebenden.

Die Tür des Busses öffnet sich, eine Menschenmasse drängt sich hindurch und zum Eingang eines großen blassen Gebäudes. Die Gänge chaotisch gefüllt und in nervöser Bewegung. Jeder weiß wo er langlaufen muss, weil er den Weg schon so häufig gegangen ist. Die Räume mit einfacher Ausstattung, weiß, viele Tische und Stühle – die Schule. Ungefähr 10 Jahre verbringen wir in diesen heiligen Hallen und genau deshalb werden wahrscheinlich so viele Filme und Bücher über diesen Lebensabschnitt produziert.

Mehrere Jahre lang sind wir verpflichtet hier anwesend zu sein und genau das macht die Schule zum Problem. Die Schulpflicht bedeutet für jeden Schüler, sich entweder in dieses

20150731_212017
Leider ist die Schule nicht immer so kinderleicht…

bestimmte System zu integrieren oder der „Social Outcast“/ Außenseiter  zu sein und jeden einzelnen Tag hoffen zu müssen, unbeschadet zu überstehen. Natürlich leben wir heutzutage in einer Zeit in der viel mehr geduldet und toleriert wird. Buntgefärbte Haare, ausgefallene Kleidungsstile, politische Meinungen, Sexualität – all‘ das muss heute kein Grund mehr sein, von Anderen ausgeschlossen zu werden und doch besteht ein konstanter Druck, nicht auffallen zu wollen, dazuzugehören. Manche nehmen diesen kaum/nicht und Andere sehr verstärkt wahr. Ich selbst habe 2014 mein Abitur gemacht und merken dürfen, von was für einer Last ich plötzlich befreit war. Von nun an muss man nirgendwo dazugehören und kann sich sein Umfeld mehr oder weniger aussuchen. Man kann wohnen, studieren und arbeiten wo und mit wem man will.

Wenn ich Tipps für Schüler geben darf, dann richten diese sich auch genau an dieser Grundsituation aus. Dazu muss ich sagen, dass ich keinen Abschluss in Psychologie habe oder in der Schule besonders beliebt war. Das sind lediglich die Methoden die mir beim Schulwechsel am meisten geholfen haben, mich in dem Schulsystem zurecht zu finden.

1. Probiere dich in jeder angebotenen Freizeitaktivität aus! In der Schule werden zahlreiche Austauschprogramme angeboten, bei denen man für wenig Geld ins Ausland reisen, neue Kulturen und viele neue Freunde kennenlernen kann. Diese Chance sollte man immer nutzen, da es im späteren Leben kaum noch möglich ist so günstig zu reisen. Außerdem bieten die meisten Schulen eine große Spanne an Sportarten als AGs an, was die perfekte Möglichkeit ist, an der eigenen Schule auf Menschen mit den selben Interessen zu treffen. Auch beispielsweise die Schülerzeitung ist hierfür perfekt. Je mehr Menschen man kennt, umso einfacher ist es ein großes Netz an Freunden mit verschiedensten Meinungen, Interessen etc. aufzubauen.

2. Bemühe dich um langwierige Freundschaften! In der Schule werden immer wieder Gerüchte gestreut, die mehr oder weniger wahr sind, und durch das typische Gerede verbreitet. Versuche zu deinen Freunden immer ehrlich zu sein, Vertrauen kann solche Sachen am besten abwehren. Und erinnere dich immer daran, wer dir in schwierigen Zeiten schon einmal beigestanden hat.

3. Sei stets respektvoll gegenüber deiner Lehrer! Das ist leider etwas, was mir nicht immer gelungen ist. Ich war nie der Klassenclown oder besonders schwer zu erziehen, wenn ich mich aber von Lehrern ungerecht behandelt gefühlt habe, so habe ich das die Lehrer während meiner Schulzeit auch immer spüren lassen. Sei du nicht so gekränkt und nehme nichts persönlich. Auch wenn ein Lehrer sich einmal kritisch äußert, behalte einen gewissen Grundrespekt, denn der Lehrer „sitzt am längeren Hebel“, er vergibt die Noten, er ist die Person, der die meisten Menschen glauben würden. Wenn ein Lehrer dich wegen schlechtem Verhalten nicht leiden kann, ist das eher dein und nicht sein Problem.

4. Nicht zu Hause verkriechen! Bei jeglichen Problemen, ob Mobbing, Konflikten mit Lehrern, sozialen Ängsten und so weiter, bleibe nicht aus Angst zu Hause, auch wenn es die Eltern erlauben. Bei einer Freundin von mir hat genau das alles nur verschlimmert. Als ihre sozialen Ängste begonnen haben, ist sie zu Hause geblieben und hat die Angst damit nur noch weiter aufgebaut. In ihrem Kopf hat sie sich die Schule noch schlimmer, wichtiger und Angst einflößender vorgestellt, als sie tatsächlich ist und musste irgendwann mehrfach in Behandlung. Auch ich litt zu der Zeit (G8-System sei Dank) unter sozialen Ängsten, wurde aber immer in die Schule geschickt und bei mir hat sich somit die Angst niemals ins Unermessliche gesteigert.

5. Sei organisiert und gib dein Bestes! Wer sich über das ganze Jahr hinweg in der Schule anstrengt, wird das Jahr sicher bestehen. Es sollte nicht darum gehen, der Beste zu sein aber eine gesunde Balance zwischen lernen und Freizeit zu finden. Wer immer dabei ist hat es dann am Leichtesten. So entsteht auch kein Stress um das Durchfallen und keine Versagensängste.

Ich hoffe, dass meine eigenen Erfahrungen irgendjemandem helfen oder vielleicht motivieren können.

14 Kommentare zu „Wie man die Schule übersteht – Geschichte einer Überlebenden.

Gib deinen ab

  1. Sehr schöner Beitrag! Ich geh selbst noch zur Schule und kann eigentlich allem zustimmen. Eigentlich heißts während der Schullaufbahn einfach nur: Augen zu und durch!
    Lg Johannes

  2. Ich bin immer gerne zur Schule gegangen. Insofern war „überleben“ nie ein Problem. Der Punkt mit dem Respekt halte ich für superwichtig. Der Respekt sollte aber keinesfalls nur aus der Motivation entspringen, dass der andere stärker ist oder am längeren Hebel sitzt. Respekt ist an sich wichtig! Grüße.

  3. Für mich war Schule ein gewaltiges Problem, solange, bis ich aufs Gymnasium kam….

    Und damals war Schule anders; es wurde geschlagen. Weil ich etwas lebhaft und gleichzeitig verträumt war, mußte ich vorn sitzen; da, wo die Schüler sich über die Bank legen mußten und mit dem Stock geschlagen wurden. Ich werde das nie vergessen. Und weil ich eben verträumt war, rotteten die Schüler sich zusammen, um mich zu verprügeln. Auf der Flucht vor ihnen bin ich damals vor ein Auto gelaufen und habe mir das Schlüsselbein gebrochen… Schule war anders…

    Heute dürfte Schule teilweise sogar schlimmer sein, wegen der allgemeinen Aggressivität mancher Schüler,

    Das habe ich damals schon bei meinem Sohn mitbekommen, der heute über dreißig ist. Mit zwölf Nationalitäten war er in einer Klasse. Ich habe ihm frühzeitig beigebracht, sich zu wehren, mit allem was möglich ist; trotzdem gab es einen Rippenbruch, weil ein älterer Schüler auf ihn gesprungen ist, als er am Boden lag und der Bruch ist nicht gut verheilt, die Rippe steht vor.

    Besser wurde Schule für ihn auch erst, als er auf die Realschule ging.

    Liebe Grüße,
    Frank

  4. Für mich war Schule seit der Mittelstufe kein besonderer Kampf mehr, und das trotz Außenseiterdasein. Es war hilfreich einen Ruf als leicht Wahnsinniger zu haben und damit als Mobbingopfer einfach zu riskant zu sein. Zudem hatte ich wohl Glück und habe einige sehr kompetente Lehrer erwischt. Das hat den ein oder anderen Lehrkörper, der besser Leerkörper geheißen hätte, gut wett gemacht. Und Lernen kann doch auch sooo viel Spaß machen, wenn man es richtig angeht.
    Liebe Grüße

  5. Sehr schöner Beitrag!
    Welchen ich aus dem Blickwinkel einer Mutter mit Teenietochter (9.Kl.) lesen konnte.

    Die Angstzustände, die Du bei Deiner Freundin beobachten konntest, sind (so hatte mir unser Kinder-und Jugendpsychologe erklärt) besonders für Teenager, die in der Pubertät stecken, eine echte Hürde.

    Bei unserer Großen, traten Angstzustände leider bereits im letzten Jahr der Grundschule auf. Als ihre Schwestern geboren wurden und sie im Übertrittsjahr (4.Klasse) steckte. Druck für Sie , Druck für uns Eltern PUR.

    Für Eltern, ist es oft sehr schwer erkennbar, wann Hilfe von außen benötigt wird, auch muss diese Hilfe durch die Eltern angenommen werden. Auch wenn Eltern immer das Beste wollen, signalisieren sie mit Übungsheften, Hausiunterstützung u.v.m. das das Kind besser sein könne/solle.. der Druck steigt….

    Wenn dann die Falle zuschnappt und das Kind, welches Bauchschmerzen/Übelkeit „plagt“ ohne weiters zuhause bleiben darf, dann steigert sich dies, bis … das Kind traut sich nicht mal mehr aus dem Haus..

    Ein Bild was unser Doc zeichnete als ich mich verzweifelt an ihn wendete..

    ..Zur Schule schicken, nicht erlauben zuhause zu bleiben (wenn ganz klar Gesundheitlich alles ok ist) ist dann ganz entscheidend.

    Ich habe z.G. diesen Arzt gefunden der uns nicht erst mal mit einer Warteliste und möglichen Gesprächsstart 5 Monate später vertröstete. Die Gespräche haben unsere Große sehr geholfen.. Und Ja, externe Hilfe kann muss in manchen Fällen sehr schnell starten, wenn Eltern die Signale bei Ihren Teenies genau beachten.. Augen auf !! 😳

    Sorry für diesen langen Kommentar☺️
    LG Silvia

    1. Danke für den Kommentar 🙂 ich hätte aber nicht erwartet, dass es mit den Angstzuständen jetzt schon so viel früher anfängt. Dem Rest des Kommentars kann ich einfach nur zustimmen.

  6. Auch ich gehe selbst noch zur Schule. Deine Tipps sind wirklich Dinge, die man sich zu Herzen nehmen sollte. Vor allem den Punkt, dass man sich von den Lehrern nicht unterkriegen lassen sollte, finde ich ziemlich wichtig. Meines Erachtens steigt der Leistungsdruck in Schulen immer mehr. Generell überall geht es immer nur darum, besser und besser zu werden. Und wenn dann die Lehrer einem immer noch ständig sagen, was sie alles von einem erwarten, kann das Menschen wie mich, die sich generell selbst schon zu viel Druck und Stress machen, echt kaputt machen. Ich hatte damit eine Zeit lang echt zu kämpfen.
    Ich finde deinen Beitrag wirklich toll 🙂

    Liebe Grüße, Pünktchen.

  7. Man muss tatsächlich nicht auf eine Gesamt-, Haupt- oder Realschule gehen, um unter irgendetwas zu leiden: Die pädagogische Normierung, die an den so genannten Regelschulen stattfindet, ist meiner Meinung nach ein Affront gegen die kindliche Natur, die per se bestrebt ist, das Handeln Älterer zu imitieren und dadurch von diesen zu lernen. Insbesondere verhaltensauffällige Kinder – und das scheinen immer mehr zu werden – neigen zu massiven Störungen des (Frontal-)Unterrichts, da sie vor allem körperlich, häufig jedoch auch geistig unterfordert sind.

  8. Hallo,
    vielen Dank für diesen Beitrag! Schule kann grausam sein und man selbst muss täglich überleben!

    Ich selbst habe 2009 Abi gemacht – Du sagst danach ist eine Last von Dir abgefallen? Ja von mir auch.
    Ich möchte nicht behaupten, dass ich gemobbt wurde, das Wort wurde zu meiner Schulzeit zu schnell ausgesprochen, aber ich wurde ausgegrenzt! Warum kann mir wahrscheinlich bis heute niemand sagen. Aber die Gründe sind trotzdem offensichtlich gewesen: In meinem Jahrgang gehörte ich einer Minderheit an, ich war/bin nämlich Scheidungskind ohne Kontakt zum Vater – der Großteil kam aus einer so genannten intakten Familie. Dadurch konnte ich mir teure Markenklamotten nicht leisten – wie oft habe ich mir in der Zeit gewünscht die Schuluniform an öffentlichen Schulen würde eingeführt. Gelacht hat man über mich, weil meine Jeans von New Yoker und nicht von Miss Sixty war – lächerlich. Eine Zeitlang habe ich es ähnlich gemacht, wie Deine Freundin, habe bestimmten Unterricht geschwänzt, manchmal war ich ganze Tage nicht da. Leider oder Gott sei Dank war meine Mutter im Schulelternbeirat, wodurch man sich sehr schnell mit ihr in Verbindung gesetzt hat, wodurch ich gezwungen war zur Schule zu gehen! Und ja es war ein Überleben, jeden Tag! Aber ich habe gelernt, dass man aus jeder schweren Situation gestärkt rausgeht! Am Ende habe ich mein Abi geschafft, ohne richtige „Peer-Group“ in der Schule um mich zu haben. Meine Freunde hatte ich außerhalb der Schule, die mir die Kraft gegeben haben, die ich zum „Überleben“ in der Schule gebraucht habe.

    Was ich damit sagen möchte: Danke für den Beitrag, der mir wirklich aus der Seele gesprochen hat! Verbiegen bringt nichts, falsche Freunde lauern überall! Damals hätte mir ein solcher Beitrag sicherlich viel Mut gemacht und Kraft gegeben! Einfach noch einmal Danke!

    Übrigens: Ein Nachbarsjunge von mir geht gerade in die 4.Klasse und hat mir gerade erst gestern von dem Druck des Dazuzugehören erzählt hat…Traurig, dass das heute immer früher beginnt.

  9. Ich kann deinen Tipps auch nur zustimmen. Als Asperger-Autistin (jedoch erst nach dem Abitur 2012 diagnostiziert), hatte ich es in der Schule immer sehr schwer. Mobbing von Klasse 1 bis 13, ich musste deswegen sogar einmal die Schule wechseln. Schule hat mir schließlich überhaupt keinen Spaß mehr gemacht, es war nur noch ein täglicher, kräftezehrender Kampf. Ich war nie im Klassenverband integriert, und was eine richtige Freundschaft bedeutet, habe ich erst in der zehnten Klasse erlebt. Was aber andere auch nicht davon abgehalten hat, täglich weiter über mich herzuziehen.
    Ich habe mich jedoch nie irgendeinem Anpassungsdruck gebeugt, ich wollte immer nur ich selbst sein, egal was die anderen davon halten. Davon, sich zu verbiegen, nur um anderen zu gefallen beziehungsweise keinen Grund zum Mobbing zu geben, halte ich gar nichts.

    Respekt vor den Lehrern war für mich auch immer selbstverständlich, allerdings hatten manche Mitschüler durchaus ein Problem damit. Und nicht jeder Lehrer hatte auch die notwendige Autorität, sich durchzusetzen, wenn die ganze Klasse laut lärmte und lernen so gar nicht mehr möglich war.
    Wenn man sich von Lehrern ungerecht behandelt fühlt, finde ich, sollte man das auch ruhig und sachlich ansprechen. Nur lässt leider auch nicht jeder Lehrer mit sich reden.

  10. Hey hey,
    kann mich den anderen Kommentaren auch nur anschließen. Als ehemaliges Mobbing-Opfer finde ich es immer wieder traurig, wie wenig Menschen begreifen, dass ihre Worte und Taten andere verletzten und wirklich schlimmen Schaden anrichten können.
    Auf der anderen Seite: Auch wenn ich mich durch meine Schulzeit durchkämpfen musste, hat sie mich doch zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin! Und mittlerweile möchte ich mit niemandem mehr tauschen 🙂

    Liebsten Dank und liebste Grüße,
    Zimtkuchen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: