Wenn man sich selbst zur Marke macht.

Mit Nike-Turnschuhen, einer Tom Tailor Jeans und einer Tasche von Eastpak ist mittlerweile gefühlt jeder zweite ausgerüstet. Schon die Kleinsten von uns wissen genau was sie wollen: ein Ü-Ei von Kinder, ein Spielzeugauto von Hot Wheels und eine Puppe namens Baby Born. Wir alle werden durch Werbungen von Produkten beeinflusst, die entweder versprechen die besten in ihrem Gebiet, Allround-Produkte oder besonders günstig zu sein.

In Deutschland haben wir mit der Werbung noch halbwegs Glück, weil sie zwar manchmal schockierend, übertrieben oder einfach unnötig sein kann, selten aber zu weit geht. Das img_4059absolute Werbungs-Hoch besitzen wohl die Amerikaner bei ihrem SuperBowl. Bei uns gibt es glücklicherweise zahlreiche Regelungen, die die Möglichkeiten der Werbemaßnahmen einigermaßen beschränken, wie zum Beispiel den Jugendmedienschutz. Werbung soll nicht psychisch belastend oder in irgendeiner Form gefährlich sein. In gewisser Weise tut sie dies aber trotzdem. Häufig muss man sich Gedanken darüber machen, was man trägt. Kik Kleidung zu tragen und dies zuzugeben kann einem schon herablassende Blicke einbringen und überteuerte Markenkleidung von Hollister oder Abercrombie & Fitch ein wenig Neid. Das ist selbstverständlich absolut bescheuert, wenn die Kleidung einem gleich gut gefallen würde. Trotzdem wird es als besonders stark angesehen, wenn man die Kleidung mit dem Markenlogo trägt. Gerade in der Jugend, wenn man seinen eigenen Platz noch sucht und nicht wirklich weiß, wer man ist oder wer man sein will ist das eine zusätzliche Belastung.

Natürlich sind Marken nicht nur schlecht. Wenn man ein Kleidungsstück oder Technikgerät kaufen möchte und einfach nur auf der Suche nach guter Qualität ist, kann man sich auf bestimmte Marken einfach verlassen. Die Miele Waschmaschine, die jahrelang gehalten hat, kauft man sich gerne wieder. Marken, die weniger bekannt sind dafür aber günstiger, vertraut man dann nicht so schnell und sich durch verschiedene Produkte zu testen kann auch teuer werden.

Ich habe mir es jetzt zur Aufgabe gemacht, den großteil meiner Markenkleidung zu verkaufen und einige No-Name Produkte auszutesten, einfach um nicht mehr so abhängig von bestimmten Trends zu sein. Allerdings ist es wirklich schwer sich von einigen Dingen zu trennen, auch wenn man sie nur wegen dem Logo gekauft hat. Ich bin aber gespannt, von welchen weniger bekannten Marken ich positiv überrascht werde und freue mich auf mein kleines Experiment.

 

14 Kommentare zu „Wenn man sich selbst zur Marke macht.

Gib deinen ab

  1. Für die Jugend wäre es schön, wenigstens in der Schule Schulkleidung einzuführen. Dann muß sich keiner dort diesem Markenwahn aussetzen, um hip oder nicht zu sein.
    Manche Marken überzeugen, andere nicht.
    Bei allem anderen wie Lebensmittel, Technik, Reisen, Unternehmensphilosophien setzt aber sofort diese Geiz-ist-geil-Manie ein. Ich empfinde das als menschenunwürdig und ekelhaft.

  2. Liebendes Einkaufsmädchen

    „Schulkleidung“ ist die Flucht in Uniformität
    Das Militär gebietet strenge Kleiderregeln…

    Da das Bewusstsein noch fehlt
    Zwar einen Körper zu haben
    In dem die Seele wohnt
    Von Geist begeistert

    Jedoch ich nicht der
    Vergängliche Körper bin
    Entwickelte sich eine
    Körperkultur ein Kleiderkult
    Ähnlich gewisser religiöser
    Gewandungen und deren Rituale

    Markenfreiheit ist selbstbefreiend
    Wohl dem der sich in Seiner Seele
    Zuhause wohlbehütet fühlt

    dankend
    Dir Joaquim von Herzen

  3. Marken ersetzen ein Gütesiegel oder eine Passform. Ich habe mir immer eine besondere Hose von H&M gekauft und mochte diese sehr. Sie passte immer und war dazu noch günstig (so war mein Gedankengang damals). Irgendwann kaufte ich wieder jene Hose und richtete mich nach den bisher immer passenden Maßen und dann passte die neue Hose nicht mehr. Eine Marke muss somit kein Garant für die Dauerhaftigkeit der ihr zugeordneten Attribute sein.

    Mittlerweile kaufe ich im Naturkaufhaus bei mir um die Ecke ein und habe auch dort festgestellt, dass der Schal einer gewissen Marke toll sein mag, die Socken hingegen unpraktisch und unangenehm sind. Dennoch nutze ich gerade bei Onlinebestellungen (wenn man fair produzierte Kleidung haben möchte, muss man aufs den Versandhandel zurückgreifen) bestimmte Marken, von denen ich weiß, dass sie zu meiner Statur passen und ich mich in ihnen wohl fühle.

    Ich bin gespannt auf die weiteren Erkenntnisse aus deinem „Experiment“.

  4. Und wenn es die Schuluniform gibt, finden sich andere Aspekte, anhand derer Status abgemessen wird. Ich fürchte, so nobel der Gedanke auch ist, er wird nicht das erwünschte Ergebnis bringen. Vielleicht ist es wichtiger Charakter und Eigenständigkeit zu schulen. Wer innere Stärke hat benötigt keine Marken als Krücke. Aber vielleicht erwarte ich da auch einfach zu viel.

  5. Für mich galt schon immer „Hauptsache bequem“. In meinem Leben gab es nur eine kurze Phase meines Hip Hop Daseins, wo es unbedingt „Cross Color“ Klamotten sein mussten, und…. die waren seeehr bequem weil baggy 😉 Qualitativ kann man sich glaub ich heute wenig auf Marken Produkte verlassen, die werden(fast) alle irgendwo billig hergestellt mit miserablen Arbeitsbedingungen. Und eine Privileg Waschmaschine kann genau so lange halten wie eine Miele. Ich finde dein Experiment gut, weil ich denke das es eine gesündere Art zu leben ist. Hip sein zu wollen bedeutet Stress…

  6. Es freut mich, dass es immer mehr Leute gibt, die nicht der Konformität wegen aus Werbung etc. die selben Marken kaufen, die irgendwelche Strategien für Hip erklärt haben!

    Ich habe mich noch nie an Trends orientiert. Ich kaufe was MIR gefällt und ganz gut passt. Ich kaufe, wo ich merke, dass es gute Qualität ist.
    Klar lande ich dann auch mal bei einer Marke. Ich gebe auch mal mehr aus, denn Qualität hat eben schon ihren Preis!

    In den letzten Jahren kaufe ich auch viel bewußter ein. Es muss nicht nur bei der Qualität stimmen, sondern auch unter möglich guten und fairen Bedingungen hergestellt worden sein. KIK etc. meide ich da schon aus Prinzip…

    Auch kaufe ich möglich regional.

    Wenn man bewusst durch die Welt geht, kann man auch ziemlich bewusst einkaufen und dadurch mit seinem Gewissen im Reinen sein – heute mehr denn je 😀

  7. Mein Ansatz: ich will nur mehr Lieblingsstücke besitzen. Da fällt schon mal sehr viel an „must haves“ weg. Und mit ein wenig Glück ersteht man die Dinger dann im Sonderangebot oder im Abverkauf. Dazu braucht man natürlich die Geduld zu warten und die Muße, zu suchen bzw. zu stöbern. Funktioniert aber ganz gut und liegt jenseits von Markenware und No-Name.

  8. Hey Sophie!
    Danke für den Artikel, in vielen Dingen stimme ich dir zu!
    Bei mir sind nicht Marken das „Hauptproblem“, sondern Trends bzw. Dinge, die „man“ einfach „haben muss“ – nicht unbedingt nur auf Kleidung bezogen.
    Wenn ich das anders sehe, werde ich manchmal ganz schön seltsam angeschaut.
    Bezüglich Kleidung habe ich vor etwa zwei Jahren selbst ein Experiment gestartet – bzw eine Entscheidung getroffen: ich wollte keine Kleidung mehr aus Kinderarbeit oder Ausbeutung. Das ist ja leider nicht nur bei Kik, Primark und anderen Billigläden der Fall, sondern auch bei vielen teuren Marken. Orientierung gibt mir da das fairtrade-Siegel. Ganz so strikt ziehe ich das allerdings inzwischen nicht mehr durch, da ich (als Studentin) nicht ganz so viel Geld habe. Unterwäsche und Socken zum Beispiel kaufe ich bisher noch in „normalen“ Läden. Generell möchte ich mir aber auch nur noch Kleidung kaufen, wenn ich wirklich neue brauche, nicht, weil ich gerade Lust auf Shoppen habe oder „es ist ja gerade im Angebot“ o.Ä., weil dieses Zeug wirklich viel zu oft in der Ecke landet.
    Ansonsten sind auch Second-Hand-Läden eine gute und sparsamere Variante, die auch noch sehr ressourcenschonend ist:)
    Liebe Grüße!

  9. Hallo Sohpie,

    dank deines Likes kam ich auch auf deine Seite und daher nicht umhin, auch diesen Beitrag zu lesen. Ich denke, wichtig ist es, sich zu überlegen, welche und, vor allem, wie viel Kleidungsstücke brauche ich wirklich. Klar, wir brauchen Schuhe, und je nach Einsatzzweck, auch verschiedene und mehrere Modelle. Aber dann? Brauche ich 20 Paar Wanderschuhe, Sneaker etc.? Ziehe ich wirklich 15 verschiedene Pullover an? Und wie oft Wasche ich ohnehin meine Lieblingssachen?
    Marke, Qualität, Aussehen – egal woran wir uns orientieren und was uns wichtig ist. Eins ist sicher: Quantität sollte nie ein Kriterium sein, wenn es um Kleidung geht; und ist es leider doch viel zu oft,
    In diesem Sinne: maßvoll-beste Grüße

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: