Von falschem Lächeln und Dauer-Freundlichkeit.

Die vergangenen Wochen habe ich im schönen Münster für ein Praktikum im Marketing-Bereich eines Unternehmens verbracht. Das war nicht nur aufgrund der tollen Stadt, sondern auch wegen den tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte eine wahnsinnig schöne Erfahrung. Und ich kann nur allen Studenten, die sich ihre zukünftige Arbeit noch nicht richtig vorstellen können, empfehlen ein Praktikum zu machen. Tatsächlich bin ich jetzt sogar ganz froh darüber, welchen Studiengang ich gewählt habe, und das ich das Studium bis jetzt durchgezogen habe. Das war nicht immer so.

Jedenfalls gehörte zu meinem Praktikum auch eine einwöchige Begleitung einer Messe. Das bedeutete neben einem 12-stündigen Arbeitstag, betrunkenen Messebesuchern, perfektem Auftreten und vielen neuen Menschen vor allem: Freundlich sein – zu Jedem – immer! Wer mich persönlich kennt, der weiß, dass ich mich immer so verhalte, wie ich mich eben gerade fühle. Wenn das bestimmten Personen nicht gefällt, ist mir das meistens egal.

img_0263Bei einer Messe, bei der hunderte Unternehmen versuchen, sich von ihrer besten Seite zu präsentieren, ist das nicht möglich. Jeder will positiv, mit Freundlichkeit und besonderen Kompetenzen herausstechen, Kunden anwerben und eventuell Geschäftspartner finden. Das bedeutete für mich also vor allem zusammenreißen. Von Menschen, die mich anmaulten, weil der Kaffee nicht perfekt oder das Bier nicht kühl genug war bis hin zu Personen, die einen offensiv anbaggern war da alles dabei. Auch Wettbewerber, die einen dann mal eben beleidigt haben, konnte man dort antreffen.

Was auch witzig anzusehen war, war dass Unternehmen, die eigentlich keinen Wert auf Kundenzufriedenheit legen, sich bei der Messe darstellen konnten, als würden sie einen Rundum-Service anbieten. Mit einem breiten Lachen und Selbstbewusstsein lässt sich scheinbar alles verkaufen. Auch diese Unternehmen wollten sich eben gut darstellen und haben das, zum Leidwesen zukünftiger Kunden, auch geschafft. Irgendwie fand ich es seltsam dieses Schauspiel als Insider zu beobachten und fand, dass es ein ganz gutes Beispiel für das Verhalten vieler Menschen ist. Wie viele Menschen kennt jeder, die nett zu einem sind, solange sie daraus in irgendeiner Form einen Vorteil ziehen? Das muss ja nur das Abschreiben von Hausaufgaben, das Kennenlernen von wichtigen Menschen oder das Ausleihen irgendwelcher Gegenstände sein. Wenn man das so sieht kann man sogar froh sein, wenn man nicht besonders reich oder hübsch ist. Jeder Andere muss dann wohl einfach aufpassen und eine gute Menschenkenntnis beweisen, um die Menschen mit den bösen Absichten herauszufiltern. Ich wünsche euch schönen Menschen viel Glück dabei!

8 Kommentare zu „Von falschem Lächeln und Dauer-Freundlichkeit.

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  1. In gewisser Weise möchten wie als Menschen ja grundsätzlich nehmen und im besten Fall in der gleichen Menge geben. Wir sind uns untereinander nützlich und ziehen Nutzen aus den anderen, das ist erstmal völlig normal und nicht schändlich. Wichtig ist dabei die eigenen Grenzen und die Grenzen der anderen zu achten und zu respektieren ♥

  2. Ich freue mich schon, wenn mir als Einkäufer ein freundliches Gesicht entgegenblickt und erwidere dann auch gerne mit einem Lächeln. Nicht immer ist nur der Gedanke des Konsum der Motor dafür. Wer will denn schon von missmutigen Menschen etwas kaufen. Das funktioniert im Kleinen wie im Großen.

  3. Schönheit liegt im Auge des Betrachters und ist per se nicht definiert.
    Aber einen deiner Hinweise halte ich persönlich für besonders wichtig:
    „die Menschen mit den bösen Absichten herauszufiltern“.
    In habe zB ganz aktuell gelernt, dass man sich selbst in Freunden ganz schön täuschen kann. Und jetzt versuche ich zu retten, was noch zu retten ist.
    Ein schönes Wochenende und Sonne bestellen!!
    Jürgen aus Loy (PJP)

  4. Danke für den Beitrag. Vielen lieben Dank dafür!
    Das macht schon echt nachdenklich! Auch die Kommentare. Sind wir wirklich nur eine Welt voller Schauspieler und alles muss toll sein, überall nur Party?
    Die Individualität geht verloren für eine Scheinwelt – in der wohl am Ende niemand mehr glücklich ist…
    Ich mag das nicht. Wenn jemand mies drauf ist, kann er es sagen. Vielleicht gibt’s einen Grund dafür. Statt es zu überspielen sollte man dem Grund nachgehen…

    Auf eine ehrlichere und lebenswerte Welt 😉
    LG Andreas

  5. Auf der anderen Seite wäre durchgängige Unfreundlichkeit von allen Seiten auch nicht besser. Wichtig ist, sich seine Ehrlichkeit und Authenzitität so gut wie möglich zu bewahren, als Gegenentwurf zu leben und sich nicht am Leben und solchen Verhaltensweisen anderer aufzureiben. Es ist doch schonmal gut, das Du so bist. 🙂

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