Unabhängig sein.

Viele meiner Kommilitonen prahlen im Moment davon, wie unabhängig sind. Im Studiengang BWL dreht sich das meistens um die finanzielle Unabhängigkeit. Jeden Tag lese ich in selbstprofilierenden Postings wie viel Prozent jemand mit seinem investierten Geld verdient und wie super doch passives Einkommen ist. Sicherlich ist das ein Meilenstein für Jemanden, der das erste Mal richtig Geld verdient. Aber sollte das ALLES im Leben sein? Und was bedeutet wirklich das Wort „Unabhängigkeit“?

image3Das Studenten-Dasein ist wohl in gewisser Weise Sinnbild für Freiheit. Man ist weder gebunden an Beziehungen, bestimmte Zeiten, Familie noch an einen Vollzeitjob. Student sein bedeutet viel Freizeit, lange Ferienzeiten und einfach alles ausprobieren. Zumindest ist es das, was man von dem Leben vieler Studenten mitbekommt. Man ist nunmal in einem Alter, indem man sich das erste Mal von den eigenen Eltern abgelöst hat und ja man ist vielleicht auch schon finanziell selbstständiger. Man lernt viele wichtige Entscheidungen zu treffen und sich die eigene Zeit selbst einzuteilen, weil da keine Mutti mehr ist, die einem jeden Tag sagt, dass man doch endlich mit dem Lernen anfangen soll. Für viele bedeutet das in den ersten Semestern aber auch ein tiefer Fall und erneut „Lernen lernen“.

Viele Studenten, geschätzt der große Teil sind Single, was auch absolute Freiheit bedeutet. Man hat zahlreiche Studentenparties auf denen man, wenn man gewillt ist, schnell potentielle One-Night-Stands kennenlernt, Uni-Sport und ständig Kurse mit völlig fremden Menschen. Zudem ist man irgendwie anonym, besteht für die Dozenten nur aus einer Matrikelnummer und ist einfach ein weiteres müdes Augenpaar, dass einen am Montag morgen entsetzt anstarrt.

image2Aber bedeutet das jetzt völlige Unabhängigkeit? Jein. Worüber man gar nicht diskutieren muss ist wohl, dass zu Unabhängigkeit auch finanzielle Unabhängigkeit gehört. Damit meine ich nicht unbedingt einen Vollzeitjob oder das eben erwähnte passive Einkommen, sondern auch Nebenjobs, Tauschgeschäfte, alles was einem hilft, am Ende des Monats noch nicht verhungert zu sein. Das ist bei den meisten Studenten wohl nicht der Fall. Wer Glück hat ist sponsored by Daddy, bekommt Bafög oder wohnt in einer Studentenstadt, in der Wohnungen zumindest bezahlbar sind. Häufig ist man aber doch noch irgendwie abhängig von den Eltern und bekommt zumindest ein kleines Sümmchen am Ende des Monats, wenn das eigene Einkommen in Fertigpizza und 5-Minuten-Terrinen investiert wurde.

Keine eigene Familie und eventuell keinen Partner zu haben (und ich spreche hier wohl vom Durchschnittsstudeten), ist aber sicherlich ein Punkt, der einem Menschen gewisse Freiheiten gibt. Da wäre zum Beispiel die Freiheit spontan zwei Wochen Urlaub in Frankfreich zum Surfen zu machen oder in der eigenen Wohnung machen zu können was man will. Zwar würde niemand mitbekommen welche merkwürdige Essenskombination man sich Donnerstags abends kreirt hat, als man noch Krautsalat, Joghurt und Toastbrot zu Hause hatte, allerdings ist doch auch gerade das sehr Schade. Die Kehrseite hiervon ist eben die Einsamkeit, die dadurch entsteht. Man kann im Studium 99999 neue Freunde kennenlernen und sich trotzdem dann abends im kleinen Zimmerchen sehr alleine fühlen, wo es komplett still ist.

Wie macht man sich jetzt aber tatsächlich frei? Harte Arbeit gehört sicherlich auch dazu: Geld sparen, indem man sich einen kleinen eigenen Gemüsegarten anlegt und bei der Ernte mit Omi tauscht, die noch ein Paar Zucchini zuviel hat. Oder richtig ausmisten: von Elektronik über Kleidung bis zur Buchsammlung jeder hat doch Besitztümer, die in der hintersten Regalecke in der Abstellkammer verstauben! Warum dann nicht mal eben ein Bild davon bei Ebay-Kleinanzeigen reinsetzen? Was ich in letzter Zeit häufig gehört habe ist, dass es für viele Menschen Freiheit bedeutet, kein Instagram- oder Facebook-Profil mehr zu haben – auch gut! Mit harter Arbeit und Überstunden im Job, kann man sich die Freiheit erarbeiten, kleine Reisen anzutreten oder sich die neue Kamera zu kaufen, die man schon seit einem Jahr im Kopf hat. Und Selbstständigkeit im Job. Es gibt einfach Menschen, die sich ohne ein eigenes kleines Unternehmen nicht frei fühlen, und das wird dann behandelt wie das eigene Baby.

Was lernt man jetzt daraus? Unabhängigkeit ist wohl hochgradig subjektiv. So wie Jeder Schwerpunkte im Leben auf andere Aspekte legt, so ist auch Unabhängigkeit für Jeden etwas Anderes. Und doch ist dieses kleine Wort „Unabhängigkeit“ Gold wert.

10 Kommentare zu „Unabhängig sein.

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    1. Das stimmt! Ich mag sehr gern bei schönem Wetter morgens vor Arbeitsbeginn in meinem Garten butschern und das Blumenbeet pflegen. Freiheit empfinde ich, wenn ich mein Leben (Privat und Beruf) mit Freiraum ausfüllen kann. Das fühlt sich gut an, macht mich glücklich und zufrieden. Fröhliche Ostern und LG Rangi

  1. Unabhängigkeit..liegt für mich darin, das ich in meinem Lebensrahmen das lebe, das ich möchte.Mit jeder daraus entstehenden Konsequenz.Wir bauen und allzu schnell Grenzen im Kopf,die dann besagen das Dies oder Jenes nicht funktioniert.Unser Denken ist all zu oft im gesellschaftlichen Mainstream verhaftet,was bewirkt das wir immer gleich denken.Dadurch sehen wir viele Chancen nicht mehr die uns das Leben bietet.

  2. „Die Kehrseite hiervon ist eben die Einsamkeit, die dadurch entsteht.“

    Diese Aussage kann ich ab und an bestätigen. Aber ich denke, dass die Vorteile in meinem Single-Dasein überwiegen: Ich kann mir meine Zeit absolut frei einteilen, muss keine Rücksicht nehmen oder Angst haben mir „Stress“ mit der Freundin einzuhandeln.

    Und noch einen Vorteil bietet das Leben allein: Wenn man sich einige Stunden am Tag wirklich nur mit sich selbst beschäftigt werden einem die sozialen Kontakte die man etwa zu Freunden hat, ungleich wichtiger.

  3. Sehr schöner gelungener Post, ich mache mir auch häufiger Gedanken zum Thema Unabhängigkeit und es stimmt auch, dass man sich dabei zwar teilweise ziemlich gut, erwachsen und mutig fühlt aber auch einsam!

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