Sich selbst im Griff haben.

Eine Depression stelle ich mir vor wie einen Tornado. Einen starken Sturm, der alles Positive und jeden guten Gedanken mit sich reißt und Zerstörung und Negativität zurücklässt. So kommt ein negativer Gedanke nach dem anderen, da man sich wenn man schon schlecht gelaunt ist noch mehr auf alles fokussiert, was nicht so läuft wie man möchte. Das geht dann solange, bis man keinen Ausweg mehr sieht, keine Möglichkeit mehr aus diesem Kreis an negativen Gedanken herauszukommen. Wenn man soweit ist, dann helfen keine Tipps mehr wie: Gehe mal mehr an die frische Luft, mache Sport und nehme dir mal eine Auszeit. Um genau zu sein kapselt man sich ab, weil man glaubt, es wird nicht mehr besser und man kann sich nur noch furchtbar fühlen. Meistens wenn es einem schlecht geht fragt man sich: Warum ich? Anstatt daran zu denken, wie gut es einem gehen sollte.

IMG_0758Das ist jetzt kein Ratgeber darüber, wie man aus einer Depression herauskommt und erst gar nicht professionell. Wer das Gefühl hat eine Depression zu haben und es nicht alleine weiter zu schaffen sollte in jedem Fall zu einem Arzt oder engen Freunden gehen und sich Hilfe suchen. Aber ich nehme an, dass viele hier schon einmal von der Tatsache gehört haben, dass das Gehirn Glückshormone freisetzt, wenn man lacht oder grinst, weil dann die Mundwinkel auf bestimmte Nerven drücken, die diese Reaktion auslösen. Wenn man also einige Minuten ohne einen Grund angestrengt grinst, ist es wirklich möglich glücklicher zu sein – zumindest für einige Minuten. Auch wenn Menschen in der Umgebung dann womöglich denken, dass man in dem Moment durchdreht in dem man anfängt in der Bahn verrückt zu grinsen, hilft das mindestens genauso gut wie Sport oder eine Tafel Schokolade.

Diese kleineren Tricks kann man täglich benutzen, um die eigene Stimmung zumindest ein wenig zu beeinflussen und das Leben für sich selbst ein bisschen angenehmer zu machen. Wer schon einmal in einer sehr stressigen Situation war wird gemerkt haben, wie sich die Atmung verändert und mit der Atmung auch die Körperhaltung, Tonlage und die Stimmung. Man fängt an eine Art Schnappatmung zu bekommen oder zumindest kürzer und weniger kontrolliert einzuatmen. Dadurch wird auch die Stimme piepsiger. Wenn man allerdings einmal versucht mehrere Male hintereinander tiefer einzuatmen als gewohnt, verändert sich das ganz schnell.

Ein weiterer einfacher Trick ist es, die negativen Gedanken in etwas Positives umzuformulieren. Also von: „Ich will morgen nicht dieses bescheuerte Referat halten!“ zu „Morgen mittag ist es endlich vorbei und ich habe endlich wieder ein bisschen Freizeit.“ Wer versucht das Negative zumindest neutraler zu sehen, dem wird es auch einfacher fallen generell optimistischer zu denken. Was auch helfen kann ist zu versuchen, ständige Interpretationen zu stoppen. Du kannst keine Gedanken lesen und trotzdem zu denken: „ Der Dozent kann mich doch einfach nicht leiden.“ Bringt dich nicht weiter, sondern hält dich eher zurück. Damit macht man sich selbst schlecht und mit wem unterhält man sich im Leben am meisten? – Na mit sich selbst. Wer sich selbst nicht akzeptiert und mag, hat es schwer. Objektiv bleiben fällt schwer, aber hilft nicht immer vom Schlimmsten auszugehen. Und wenn man von bestimmten Menschen tatsächlich nicht gemocht wird ist es besser so darüber zu denken:

Jeder Mensch, man selbst eingeschlossen, wird zu bestimmten Einstellungen und Meinungen erzogen. Wenn man jemanden nicht mag liegt das unter anderem an Missverständnissen, der Erziehung, der Weltanschauung, aber nicht immer unbedingt daran wie man sich selbst verhält. Kein Kennenlernen läuft vorbehaltslos ab und manche Menschen trifft man einfach zur falschen Zeit.

Und es ist auch wichtig im Kopf zu behalten, dass man nichts tun MUSS. Wenn etwas zu sehr stresst, dann lässt es sich immer vertagen. Eventuell hat man eine Lücke im Lebenslauf – die lässt sich aber immer erklären. Auch das Abitur, den Job oder Projekte kann man hinten anstellen, bis man sich selbst wieder sortiert hat. Man sollte sich nicht immer mit seinen Mitmenschen vergleichen, die irgendwas schneller oder besser geschafft haben. Wer eine Pause braucht, sollte sie sich nehmen.

9 Kommentare zu „Sich selbst im Griff haben.

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  1. Leider ist es so, dass wenn dich eine starke endogene Depression voll erwischt hat, sie dich dann auch voll im Griff hat…
    Keine Chance mehr für dich, dich selbst wieder in den Griff zu bekommen…
    Da hilft nur noch professionelle Hilfe von außen, Ärzte, Psychotherapie, Bekannte und Freunde können da nix machen.

  2. Eine Depression ist nicht einfach eine schlechte Stimmung oder Gefühle die man noch selber Steuern kann. Es ist ein Höllenritt bei der man einfach runtergezogen wird. Die Gedanken sagen dir zwar: Du müsstest der glücklichste Mensch sein, aber deine Gefühle in Begleitung mit zb. Angstzuständen und ständigem Druck im Bauch bringen dich fast ins Grab.
    Doch jeder erlebt – überlebt es anders. Und ja du hast recht, da helfen keine noch so gut gemeinten Ratschläge. Meiner Meinung auch professionelle Hilfe nicht, weil die auch nichts anderes können als dich Medikamentös zu betäuben, was ich auf keinen Fall wollte. Ich habe es ohne geschafft, bzw. bin noch auf dem Weg dazu.

  3. Sehr treffend formuliert: „Eine Depression stelle ich mir vor wie einen Tornado. Einen starken Sturm, der alles Positive und jeden guten Gedanken mit sich reißt und Zerstörung und Negativität zurücklässt.“

    Finde es klasse, dass du dich in deinem Blog mit so einem komplexen Thema beschäftigst!

    Liebe Grüße
    Roland

    https://burnoutside.com/

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